Archiv
Gerangel bei Bayern: Beckenbauer contra Vorstand

München (dpa) - Die bayerisch-schwäbische Trainerfrage ist trotz aller Dementis offenbar entschieden, die Chefetage aber uneins wie lange nicht mehr: Das Trainer-Hick-Hack hat beim FC Bayern München ein Kompetenz-Gerangel offenbart, das eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollte.

Mit seinem öffentlichen Alleingang hat Franz Beckenbauer alle Bemühungen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge um eine einheitliche Linie in der Debatte um Ottmar Hitzfeld und Felix Magath zunichte gemacht und die Vorstände kräftig unter Druck gesetzt. «Ich entscheide nicht, das muss der Vorstand entscheiden», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und Präsident zuletzt über die Rolle, die er seit der Vereins-Umstrukturierung innehat. Doch im Grunde hat Beckenbauer alles ins Rollen gebracht, und das aus seiner Sicht aus gutem Grund: «Der Aufsichtsrat hat die Pflicht zu beaufsichtigen. Deshalb heißt er ja Aufsichtsrat.»

Am Montag setzte sich die selbst verordnete Zurückhaltung der sportlichen Führung gegenüber der Öffentlichkeit zunächst fort, während das Rauschen im Blätterwald mit unverminderter Stärke weiterging. Schlagzeilen wie «Perfekt! Magath kommt» (Kicker) kommentierte Bayern-Sprecher Markus Hörwick mit: «Dinge sind perfekt, wenn der FC Bayern etwas bekannt gibt.» Die Münchner «Abendzeitung» zitierte Hitzfeld mit angeblich gegenüber einem TV-Mann geäußerten Worten: «Den Gefallen tue ich denen nicht, dass ich zurücktrete. Da müssen sie mich schon rausschmeißen.» Die «Stuttgarter Zeitung» spekulierte, dass Hitzfeld 2005 nach einem Jahr Auszeit Nationaltrainer in der Schweiz werden könnte.

Doch im Grunde hatte zuvor Beckenbauer seine Münchner Kollegen Hoeneß und Rummenigge mit seinem öffentlichen Abrücken von Hitzfeld («Wir warten ab, wie Magath sich entscheidet») und der Kritik an den Bayern-Leistungen arg in Zugzwang gebracht. «Vor zwei Jahren hieß es, wir haben den besten Kader aller Zeiten, im letzten Jahr ebenso. Und was ist dabei herausgekommen?», fragte er, kritisierte damit die Einkaufspolitik - und deutete damit eine Kluft innerhalb der Münchner Führungsprominenz an.

Eigentlich hat sich Beckenbauer als Präsident des Gesamtvereins und AG-Aufsichtsratschef seit der Münchner AG-Gründung 2002 aus dem Tagesgeschäft des Profi-Fußballs praktisch zurückgezogen und die Verantwortung den Vorständen Rummenigge und Hoeneß überlassen. Schnell gab es damals Probleme in der Außendarstellung des Trios. So kam es vor eineinhalb Jahren wegen der zum Teil mit dem Verein konkurrierenden PR-Verpflichtungen Beckenbauers zu Verstimmungen. Danach traf man sich zum klärenden Gespräch und verkündigte den «totalen Schulterschluss» (Rummenigge).

Nun aber ist klar geworden, wie unzufrieden der «Kaiser» mit den Entwicklungen bei den Bayern ist - und wie schwer sein Wort in der Öffentlichkeit immer noch wiegt. Obwohl die Münchner erst in der Vorsaison das Double aus überlegenem Meistertitel und Pokalsieg geschafft hatten, mäkelte Beckenbauer zuletzt in Zürich im Vorfeld der WM-Vergabe 2010: «Auch der Vorstand hat eingesehen, dass wir uns ein weiteres Jahr mit diesem Fußball nicht leisten können. Das wäre dann das dritte Jahr in Folge. Das ist zu viel.» Für Beckenbauer sind die Titel nach eigenen Angaben nicht so wichtig. Sondern: «Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, hat uns gestört.»

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%