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Gerangel um Anteile an der Hamburger Morgenpost

Bei der Boulevard-Zeitung ist der Einstieg eines Finanzinvestors im Gespräch.

HAMBURG. Beim Boulevardblatt "Hamburger Morgenpost" ist zwischen den Medienunternehmern Hans Barlach und Frank Otto ein Tauziehen um Gesellschafteranteile entbrannt. Frank Otto, Sohn des Versandshausgründers Werner Otto, betont gegenüber dem Handelsblatt, dass sich im Kreis der Hamburger Morgenpost-Anteilseigner nichts verändert habe. Er halte weiterhin 66 % an der City Boulevard GmbH, zu der die Hamburger Morgenpost(Mopo) gehört.

Davon will aber der Medienmanager und Mopo-Mitgesellschafter Hans Barlach nichts wissen. Er pocht darauf, dass ihm die kürzlich erworbene Beteiligung von 33 % gehört und er jetzt 66 % an City Boulevard hält. "Ich habe die Option gezogen und den Kaufpreis gezahlt. Ich habe mich formaljuristisch richtig verhalten", sagte er.

Mit der Aufstockung erreichte Barlach, dass der geplante und bereits weitgehend umgesetzte Einstieg des Kieler Nachrichten-Verlegers Christian Heinrich bei der Hamburger Morgenpost abgeblasen wurde. Barlach hatte als Folge von Heinrichs Engagement einen Einfluss des Berliner Axel Springer Verlags auf die Morgenpost befürchtete. Der Springer Verlag ist direkt und indirekt an der Kieler Zeitungs- und Verlags- und Druckerei GmbH & Co. KG beteiligt, an der Heinrich 51 % hält.

Wegen der unterschiedlichen Bewertung der Gesellschaftersituation wollen sich Otto und Barlach in den nächsten Wochen zusammensetzen und sich auf eine neue Gesellschafterstruktur einigen. "Wir suchen nach einer gemeinsamen Lösung, um die Situation zu klären", sagte Barlach dem Handelsblatt.

Dabei ist auch weiter im Gespräch, einem dritten finanzkräftigen Partner aufzunehmen. Dies verlautete gestern im Anschluss an eine Betriebsversammlung, der Barlach und Otto aber fernblieben. Namen möglicher Finanzinvestoren wurden dort nicht genannt.

Für eine gütliche Einigung im Gesellschafterkreis der Morgenpost- Verlagsgesellschaft stellt Barlach aber Forderungen: Er will, dass sein "langjähriger Freund" Otto den Geschäftsführer seiner Frank (FOM), Christopher Franzen, auswechselt. "Ich bin nicht bereit mit diesem FOM-Management weiter zusammenzuarbeiten" empörte sich Barlach. "Denn es ist ein Skandal, dass dieses Management ohne die Gesellschafter zu informieren, das Unternehmen mittelbar an Springer verkaufen wollte."

Bei dem Morgenpost-Betriebsrat findet Barlach kaum Rückhalt: In einem Schreiben, dass dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, dass der Einstieg des Kieler-Nachrichten-Verlegers "möglicherweise ein Weg gewesen wäre, auf lange Sicht die Unabhängigkeit der Mopo zu sichern".

Denn Springer hätte aus kartellrechtlichen Gründen die Morgenpost nicht schlucken können, heißt es dort. Barlach und der Morgen- post-Chefredakteur Joseph Depenbrock seien aber nicht bereit, dem Mopo-Konkurrenten "Bild" aus dem Hause Springer auch nur den kleinen Finger zu reichen, heißt es dort weiter.

Die Mopo - wie die Hamburger Morgenpost in Hamburg volkstümlich genannt wird - verkauft täglich mehr als 110 000 Exemplare. Das Traditionsblatt hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 22 Mill. Euro sowie wieder einen Gewinn von 0,5 Mill. Euro erzielt.

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