Gerg verspielte Goldchance: Deutschem Skiverband droht WM ohne Medaillen

Gerg verspielte Goldchance
Deutschem Skiverband droht WM ohne Medaillen

Die deutschen Skifahrer stehen nach der ersten Woche bei den alpinen Weltmeisterschaften vor einem Debakel. Hilde Gerg verspielte die vielleicht letzte Goldchance ihrer Karriere, die Herren konnten ihre Nominierung nicht rechtfertigen.

HB/dpa ST. MORITZ. Zwei Außenseiter sicherten sich hingegen gleich mit ihrem ersten Abfahrts-Sieg die Krone des alpinen Skisports. Während sich die Kanadierin Melanie Turgeon und der Österreicher Michael Walchhofer die Weltmeister-Titel in der "Königsdisziplin" sicherten, musste Mitfavoritin Hilde Gerg mit dem 14. Platz von St. Moritz wieder einen herben Tiefschlag bei einem Großereignis hinnehmen.

Von einer Grippe geschwächt verpasste die Lenggrieserin am Sonntag die erhoffte Medaille deutlich und konnte das schlechteste Abfahrts- Ergebnis des Deutschen Skiverbandes (DSV) bei einer WM seit 1970 nicht verhindern. Wie im Super-G zeigten sich die deutschen Ski-Damen von der Weltspitze weit entfernt und stehen nach den schnellen Disziplinen mit leeren Händen da. "Wir müssen jetzt zusammen rücken und schauen, dass das nicht wieder passiert", sagte Hilde Gerg. Neben der 27-Jährigen blieben auch Regina Häusl als 16. sowie Maria Riesch auf Platz 17 und Isabelle Huber auf Rang 25 hinter den Erwartungen zurück. Sensationelle Siegerin wurde Melanie Turgeon. Die Kanadierin setzte sich vor den zeitgleichen Corinne Rey-Bellet aus der Schweiz und Alexandra Meissnitzer aus Österreich durch.

Ohne Top-Ten-Platzierung nach den schnellen Disziplinen droht wie 1999 eine WM ohne Medaillen. Noch schlechter erging es den Herren: Max Rauffer stürzte nach überraschend guter Zwischenzeit und Stefan Stankalla wurde nur 34er.

Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier wollte nicht den Stab über seine Fahrerinnen brechen. "Da sind die Emotionen noch sehr hoch. Wir müssen das in Ruhe analysieren", sagte der Coach. Hilde Gerg wollte ihre gesundheitlichen Probleme nicht als Ausrede verwenden. "Ich bin eine schlechte Linie gefahren", sagte die zweifache Saisonsiegerin. Noch am Vorabend hatte die Trainigsbeste vom Freitag Fieber geplagt, so dass sie mit Antibiotika behandelt werden musste. "Sie gehört eigentlich ins Bett", sagte Teamarzt Ernst-Otto Münch.

Schon im Super-G hatte Hilde Gerg vom Wind gebremst als 20. enttäuscht. Nur zwei Monate nach ihrem Kreuzbandriss konnte die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 mit den Besten im Rennen doch nicht mithalten. "Ich dachte heute an eine Medaille. Es hat sich trotzdem gelohnt, hier zu starten", sagte sie nach ihrem letzten Auftritt in St. Moritz. Noch kann kräftig spekuliert werden, ob die beste deutsche Skifahrerin ihre Karriere wie im Vorjahr angekündigt nach der Saison beendet.

In St. Moritz ruhen die Hoffnungen auf das erste deutsche Edelmetall nun auf den Schultern von Martina Ertl. Die 29-Jährige verzichtete am Sonntag auf den Start in der Spezialabfahrt, um frisch und ausgeruht zu ihrer Titelverteidigung in der Kombination am (morgigen) Montag antreten zu können. "Da habe ich einfach größere Chancen auf eine Medaille", sagte die Weltmeisterin von 2001.

Ein ehemaliger Slalomspezialist bewahrte die dominierende Ski- Nation Österreich vor einer folgenreichen Pleite. Nicht die Favoriten Stephan Eberharter oder Hermann Maier, sondern Michael Walchhofer gewann am Samstag Abfahrts-Gold. Vom Pech verfolgt blieb hingegen Max Rauffer: Der verletzungsgeplagte Leitzachtaler überraschte mit der drittbesten Zwischenzeit, stürzte dann aber. "Das hätte ein großer Coup werden können", sagte Rauffer. Den in der Kritik stehenden Abfahrts-Herren hätte eine gute Platzierung Luft verschaffen können. "Es ist bitter, wenn man sieht, was alles möglich war: Sogar eine Medaille", sagte Cheftrainer Martin Oßwald.

Walchhofer, als einziger aus dem fünfköpfigen Austria-Team kein Weltmeister oder Olympiasieger, zeigte sich von seinem größten Erfolg wenig überrascht. "Ich habe gewusst, dass ich großes Potenzial habe", sagte er. Walchhofer lag vor Kjetil Andre Aamodt (Norwegen), der mit seinem 12. WM-Edelmetall nun alleiniger Rekordhalter bei den Männern ist. Bronze ging an den Schweizer Bruno Kernen.

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