Gerhard Bruckermann und Karl-Heinz Glauner entwickeln Spezialbank-Strategien
Depfa und Aareal haben sich erfolgreich auseinander gelebt

Immobilien- und Staatsfinanziers der ehemaligen Depfa Bank haben sich im Vorjahr getrennt und gehen seitdem eigene Wege. Beide haben weltweit hochfliegende Visionen, die sie besser allein realisieren.

FRANKFURT/M. Viele Banken sehen in Fusionen oder Übernahmen den Schlüssel zu einer besseren Rendite. Die Depfa Deutsche Pfandbriefbank ist den umgekehrten Weg gegangen: Sie hat sich im vergangenen Jahr endgültig gespalten. Beide Unternehmensteile - Immobilien- und Staatsfinanzierung - gehen heute völlig unterschiedliche Wege. Und beide haben getrennt mehr Erfolg denn als Tandem, davon sind die beiden Bankchefs Karl-Heinz Glauner und Gerhard Bruckermann überzeugt. Beide stehen heute nicht nur für verschiedene Geschäftsmodelle, sondern sind auch persönlich konträre Charaktere. An der Spitze des Immobilienfinanzierers Aareal Bank, Wiesbaden, steht der nüchterne bedächtige Analytiker Karl-Heinz Glauner. Chef des Staatsfinanzierers Depfa Bank, Dublin, ist der agil und kosmopolitisch wirkende "Macher" Gerhard Bruckermann. Eines haben beide gemeinsam: Sie wehren sich energisch dagegen, in die Ecke der deutschen Banken gestellt zu werden. Beide wollen als internationale Finanzhäuser wahrgenommen werden: weltweit vernetzt und geographisch breit diversifiziert. Vergleicht man ihren Marktauftritt heute mit dem des Vorgängers - der bis Mitte der neunziger Jahre sogar noch eine staatliche Hypothekenbank war - gibt es keine Verknüpfung mehr.

Bruckermann positioniert die Depfa als Finanzierer der öffentlichen Hände mit starkem Geschäft in Westeuropa, Japan und den USA. Das Wachstum in der Staatsfinanzierung kommt aus dem Ausland: Deutschland hatte Ende September 2002 nur einen Portfolioanteil von weniger als 40 %. Seit längerem betreibt die Bank ihr internationales Geschäft vor allem aus Irland heraus, deshalb ist Dublin heute Hauptsitz der Bank. Neben den Finanzierungen der ersten und zweiten staatlichen Ebenen, die die Depfa auf die eigenen Bilanz nimmt - und die den Großteil des Geschäftsvolumens und der Erträge ausmachen -, ist sie in der außerbilanziellen Infrastrukturfinanzierung und im Investment-Banking mit den öffentlichen Händen tätig. Weltweit gibt es wenige vergleichbar positionierte Finanzhäuser. Bruckermann hat als Wettbewerber die französische Dexia im Blick sowie die US-Unternehmen MBIA und Ambac, die als Ein-Produkt-Versicherer (monolines) Finanzierungsgarantien für die öffentliche Hand verkaufen, vor allem auf kommunaler Ebene in den USA. Bruckermann und sein Finanzvorstand Thomas Kohlbeck leben aus dem Koffer, sie müssen in Europa, den USA und Asien die Investoren umwerben. Ihr Talent als Verkäufer ist gefragt, denn für die Rendite der Depfa in der margenarmen Staatsfinanzierung ist eine günstige Refinanzierung wesentlich. Um alle Chancen auf dem Kapitalmarkt ausschöpfen zu können, hat die Depfa vor kurzem als erste einen Pfandbrief nach dem neuen irischen Pfandbriefrecht begeben - mit Erfolg. Die irische Emission zeigt beispielhaft, dass Bruckermann längst über den Grenzen des deutschen Marktes schwebt und nach internationalem Ruhm strebt.

Ganz andere Herausforderungen muss Aareal-Vorstandschef Glauner bewältigen. Die Immobilienfinanzierung musste zunächst Altlasten beseitigen und hohe Wertberichtigungen verkraften, um einen sauberen Start als eigenständige Bank hinzulegen. Während der Fokus in der Vergangenheit vor allem auf Bilanzwachstum gerichtet war, steuert Glauner die Bank konsequent um: Was zählt, ist die Rendite. Kredite bleiben nicht bis zur Fälligkeit in der Bilanz stehen, sondern werden verbrieft. Glauner hat das Risikomanagement verbessert und den Vertrieb auf Kunden sehr guter Bonität konzentriert. Mit der Aareal Hypotheken-Management GmbH hat er eine Kreditfabrik auf den Weg gesetzt. Das Privatkundengeschäft ist mit dem stringenten Geschäftsmodell der Tochter Hypotheken Vermittlungs-GmbH - ein Discounter, der auch Kredite im Namen anderer Institute vertreibt - effizienter geworden. Eine Eigenkapitalrendite von 8,2 % nach Steuern konnte Glauner zum 30. September 2002 vorweisen - nach 7,1 % ein Jahr zuvor. Das Marktumfeld ist schwierig: In Deutschland stagniert der Markt bestenfalls, in den USA und Großbritannien drohen Immobilienblasen. Aber Glauner kann heute auf der Habenseite einige Punkte vorweisen: Das Geschäft ist international diversifiziert. Der Auslandsanteil am Neugeschäft liegt bei rund 75 %, in 16 Ländern hat die Aareal eigene Mitarbeiter vor Ort. Neben der klassischen Immobilienfinanzierung baut Glauner das Investment Banking und die Vermögensverwaltung aus.

Die Freiheit, ohne Rücksicht auf den anderen das eigene Geschäftsmodell zu spezialisieren, hat beiden Banken genutzt.

Der letzte Teil der Serie erscheint morgen: Fusionen zwischen Großbanken haben viele Vorteile, sind aber schwer umzusetzen.

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