Gerhard Schmid ist Vorstandschef und Mehrheitsaktionär der Mobilcom AG
Gerhard Schmid: Unberechenbar und fintenreich

Für den Gründer des drittgrößten Mobilfunkunternehmens in Deutschland wird es eng: Den Kampf gegen seinen Partner Michel Bon kann Gerhard Schmid kaum gewinnen.

HAMBRUG. So schnell ändern sich die Zeiten. Nicht einmal ein Jahr ist es her, da überhäufte Gerhard Schmid Michel Bon mit Lob. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit rühmte der Vorstandschef der Mobilcom AG den Franzosen als erstklassigen Partner: Bon, im Hauptberuf France-Télécom-Chef, sei kreativ, mutig und vor allem: zuverlässig.

Aus der - zumindest in den Medien immer wieder beschworenen - Männerfreundschaft zwischen Mehrheitsaktionär Schmid und seinem französischen Großaktionär (28,5 Prozent) ist inzwischen eine erbitterte Feindschaft geworden. Schlimmer als bei "Dallas" oder "Denver" zanken sich der kleine, bullig wirkende Schmid und der groß gewachsene, smarte Bon seit Wochen um die Macht bei der Mobilfunkfirma aus dem kleinen Örtchen Büdelsdorf in Schleswig-Holstein. Und wieder darf die Presse hautnah mit dabei sein.

Zunächst versucht es Bon auf die sanfte Tour und bittet Schmid, das Tempo beim Aufbau des neuen Breitbandnetzes für den Mobilfunk (UMTS) zu bremsen. Weil das nicht fruchtet, fährt der Chef des französischen Staatsriesen schweres Geschütz auf: Öffentlich verdächtigt Bon Schmids zweite Ehefrau Sybille Sindram, eine ehemalige Bauunternehmerin aus Schleswig, mit Mobilcom-Geldern illegal Aktien des Unternehmens ihres Mannes erworben zu haben, und leitet eine interne Untersuchung ein.

Noch ist unklar, was sich der Franzose von dieser Schlammschlacht verspricht. Will Bon nur Zeit bis zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewinnen, um danach, falls er Amt bleibt, das Mobilfunk-Engagement in Deutschland neu zu ordnen? Oder will er Schmid, dem "rotzfrechen David" der Telekom-Branche, nur zeigen, wer der Herr im Hause Mobilcom ist?

Sicher ist: Schmids Image als erfolgreicher Mobilfunkpionier, als Garant für sichere Spekulationserfolge an der Börse, hat empfindlich gelitten. Zu oft hat der Werbeprofi und frühere Marketing-Vorstand des Autovermieters Sixt seine Versprechen gegenüber Aktionären, Analysten und Investoren nicht eingehalten. Und damit persönlich dazu beigetragen, dass der Name Mobilcom zu "Mogelcom" mutierte. Und selbst wenn sich die Anschuldigungen gegen seine Gattin als haltlos erweisen sollten, bleibt an Selfmade-Multimillionär Schmid der Geruch von illegalen Schiebereien und Insidergeschäften heften.

Falls France Télécom den Geldhahn zudreht, ist Schmids Lebenswerk bedroht. 1991 hat der vor 50 Jahren im fränkischen Selb geborene Sohn eines Maurers Mobilcom gegründet. Er erkennt "die ungeahnten Möglichkeiten" eines liberalisierten Telefonmarkts und jagt dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom Kunden ab, indem er Telefongespräche im Festnetz zu deutlich günstigeren Preisen anbietet.

Rasch braucht das Unternehmen frisches Kapital, um das starke Wachstum zu finanzieren. Dies besorgt sich Schmid 1997: Er bringt Mobilcom an den Neuen Markt. Doch drei Jahre später steht er vor einer größeren Herausforderung - dem Start der neuen Mobilfunktechnik UMTS in Deutschland.

Da Schmid die milliardenschweren Investitionen nicht allein stemmen kann, wendet er sich im Frühjahr 2000 an France Télécom und bietet Michel Bon Aktien der Mobilcom AG an. 1998 hatte Bon mit dem Verkauf der Konzerntochter Cellway an Schmid den Einstieg Mobilcoms ins Mobilfunkgeschäft überhaupt erst ermöglicht.

Mit dem finanzstarken Partner im Rücken erwirbt Schmid im August 2000 für 8,3 Milliarden Euro eine UMTS-Lizenz in Deutschland. Die Franzosen helfen Mobilcom auch bei der Finanzierung des bis zu 10 Milliarden Euro teuren neuen Netzes. Im Gegenzug muss sich Schmid aber verpflichten, im November 2003 seine Anteile an die Franzosen zu verkaufen.

Bis dahin will die hoch verschuldete France Télécom offenbar nicht warten. Bon weiß: Jeder zusätzlicher Euro, den die Franzosen in Mobilcom stecken, erhöht den Firmenwert und damit auch den Preis für Schmids Aktienpaket.

Der Mobilcom-Gründer gilt intern als fintenreich und unberechenbar. Langjährige Weggefährten trauen ihm sogar zu, dass er sein Unternehmen lieber Pleite gehen lässt, als sich den Franzosen zu unterwerfen. Fraglich ist jedoch, ob Schmid damit seinem Lebensziel näher rückt: "Etwas Bleibendes zu hinterlassen, um die eigene Sterblichkeit auszutricksen."

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