Gerhard Schröders Memoiren
Mach’s noch einmal, Gerd!

Willkommen in der Gerd-Show! Ziemlich genau 13 Monate ist es her, dass Gerhard Schröder zuletzt an jenem Platz direkt neben der überlebensgroßen Bronzestatue von Willy Brandt triumphierte. Nun vermarktet er am Rednerpult des Willy-Brandt-Hauses seine Memoiren.

BERLIN. Die erste Frage? Mit Adleraugen durchkämmt der Mann am Rednerpult des Willy-Brandt-Hauses das Publikum, lächelt professionell in hundert Kameraobjektive und bleibt schließlich bei einem Korrespondenten hängen, der sich gerne mit provokanten Fragen bemerkbar macht. Der Ex-Kanzler erteilt ihm das Wort. Doch vorneweg möchte er selber etwas wissen: "Sagen Sie mal", hebt er jovial an, um dann im Mantel der Bewunderung eine gehörige Portion Ironie zu verpacken: "Stimmt es, dass Sie vor allen anderen schon eine Seite des Buches hatten?" Der Bann ist gebrochen. Im Saal bricht Gelächter aus.

Willkommen in der Gerd-Show! Ziemlich genau 13 Monate ist es her, dass Gerhard Schröder zuletzt an jenem Platz direkt neben der überlebensgroßen Bronzestatue von Willy Brandt triumphierte. Damals stand noch "SPD" auf dem Pult und nicht "Hoffmann und Campe". Schröder zeigte sein breitestes Wolfslächeln, reckte den Daumen nach oben und rief den begeisterten Anhängern zu, seine Herausforderin sei "grandios" gescheitert und er werde "dafür sorgen, dass es in den nächsten vier Jahren eine stabile Regierung unter meiner Führung" gebe.

Fast könnte man vergessen, dass die Dinge etwas anders gelaufen sind, als der kleine Mann im anthrazitfarbenen Anzug mit weinroter Streifenkrawatte gestern in der SPD-Zentrale seine Autobiographie "Entscheidungen - Mein Leben in der Politik" vorstellt. "Herr Bundeskanzler!", locken unzählige Fotografen, um einen freundlichen Blick des politischen Alphatieres einzufangen. Der Saal ist zum Bersten gefüllt. In der ersten Reihe drängen sich Ex-Innenminister Otto Schily, der Schriftsteller Siegfried Lenz und Ex-Bundespräsident Walter Scheel. Der frühere Regierungssprecher Bela Anda zieht im Hintergrund die Strippen. "Herzlich willkommen zu Hause", ruft SPD-Generalsekretär Hubertus Heil.

Eine knappe halbe Stunde lang, während der freundlich-kritischen Würdigung durch Jean-Claude Juncker, hält es den hellwachen Schröder auf seinem Sitz. "Du warst ein großer Kanzler", beendet der luxemburgische Premier seine Rede. Dann steht Schröder endlich dort, wo er sich sichtlich am wohlsten fühlt. Am Mikrofon. Vor einem vollen Saal. Blitzschnell nimmt er den Kontakt zum Publikum auf, greift mit kräftigen Händen mal nach dem Pult, mal nach unsichtbaren Gesten in der Luft. Er wendet sich nach links und nach rechts, blickt abwechselnd staatsmännisch-ernst und distanziert-ironisch. Immer steht er locker, mit angewinkeltem Bein. Nur die Ärmel krempelt der Medienkanzler dieses Mal nicht hoch.

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