Gericht könnte Auslieferung von Windows Media stoppen
Intertrust verklagt Microsoft wegen Verstoßes gegen das Patentrecht

Das Softwareunternehmen Intertrust Technologies Corp. hat den US-Konzern Microsoft Corp. wegen Verstoßes gegen das Patentrecht verklagt. Intertrust entwickelt seit über 10 Jahren Technologien für den Urheberrechtsschutz im Internet. Die Firma aus dem kalifornischen Santa Clara wirft Microsoft vor, die Software Windows Media enthalte eine solche Technologie, die Intertrust im Februar patentiert habe.

HB NEW YORK. Eine neue Version von Windows Media soll im neuen Betriebssystem Windows XP enthalten sein, das voraussichtlich im August auf den Markt kommt. Intertrust fordert Schadenersatz in unbestimmter Höhe und eine gerichtliche Verfügung, die Microsoft weitere Verletzungen des Patentes verbietet.

Die Klage von Intertrust könnte den Vertrieb digitaler Inhalte beeinflussen. In dem Streit mit Microsoft geht es um das sogenannte digitale Rechte-Management (DRM), welches spätestens im Zuge der Prozesse der Musikindustrie gegen Napster Inc. wegen Urheberrechtsverletzungen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. Napster macht es Internet-Surfern möglich, Musik - auch geschützte Lieder - aus dem Netz kostenlos herunterzuladen. Das soll das Unternehmen künftig verhindern - etwa mit Verschlüsselungstechnologien, die nur zahlenden Kunden den Zugang ermöglichen.

Die DRM-Technologie ermöglicht es, dem Urheberrechtsinhaber neben dem Schutz vor illegalen Kopien eine Vielzahl von Rechten selbst festzusetzen. Eine Plattenfirma könnte seinen Kunden so beispielsweise erlauben, einen Titel dreimal anzuhören, bevor er schließlich zur Eingabe seiner Kreditkarten-Nummer aufgefordert wird.

Auslieferung des Windows Media gefährdet

Ein Gericht könnte nun als Folge der gerichtlichen Auseinandersetzung die Auslieferung von Windows Media und allen anderen Microsoft-Produkten, die das Programmpaket enthalten, stoppen. Microsoft-Sprecher Jim Cullinan sagte, der Konzern aus Redmond im US-Bundesstaat Washington entwickle schon lange Mechanismen zum Schutz digitaler Inhalte. Es sei unglücklich, dass Intertrust nun den Weg vor Gericht dem Wettbewerb im Markt vorgezogen habe.

Die an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Firma Intertrust wurde 1990 von dem Geschäftsführer Victor Shear gegründet und verfügt als Vorreiter im Bereich der DRM-Technologie über ein breitgefächertes Patent-Portfolio. Intertrust hält nach eigenen Angaben zur Zeit 18 Patente in den USA und hat 47 weitere beantragt.

Im Jahr 2000 betrug der Umsatz von Intertrust 8 Mill. $. Allerdings haben sich die Verluste in den letzten 3 Jahren auf 103 Mill. $ ausgeweitet. Zu den Kunden von Intertrust zählen u.a. die Bertelsmann AG und Vivendi Universal, auf deren Internetseiten man sich mittlererweile auch Musik herunterladen kann. Kostenlose Inhalte im ungeschützen MP 3-Format machen jedoch bei den Nutzern bislang weiter das Rennen.

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