Gericht lässt Klage des Gründer-Erben gegen die Abstimmung über die Fusion mit HP zu
Compaq erwartet bessere Zahlen

Einen Tag nach der Umsatz- und Gewinnwarnung von IBM rechnet Konkurrent Compaq damit, die Erwartungen der Analysten für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres leicht zu übertreffen.

kk NEW YORK. Das texanische Computerunternehmen Compaq hat seine Erwartungen für das erste Quartal nach oben revidiert. Der zweitgrößte US-Computerhersteller wird nach eigenen Angaben seine Gewinnprognosen einhalten oder sogar übertreffen. Der Umsatz werde mit 7,7 Mrd.$ rund 100 Mill.$ über den Erwartungen der Analysten liegen. Die Compaq Computer Corp., die derzeit die Fusion mit dem Drucker- und Serverhersteller Hewlett-Packard (HP) vorbereitet, wird ihr genaues Ergebnis am Donnerstag der kommenden Woche veröffentlichen.

Die gute Nachricht kam nur einen Tag nach der nach unten korrigierten Prognose von IBM. Der größte IT-Konzern der Welt machte für seine Einschätzung vor allem das schwache Geschäftsumfeld verantwortlich. Compaq, das seinen Sitz in Houston/Texas hat, begründet seine günstigere Vorhersage allein mit neuen Aufträgen aus dem Gesundheits- und Bildungswesen sowie Reisemärkten, die eine Milliarde Dollar zum Umsatz beisteuern. Die Ankündigung überraschte Investoren auch deshalb, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren seine Erwartungen im ersten Quartal häufig nicht erfüllen konnte. Zudem berichtet Compaq über neue Aufträge im Speichergeschäft, die seit September 2001 ein Volumen von 900 Mill. $ erreicht hätten. Rund 63 Petabytes Speicherkapazität seien ausgeliefert worden, hieß es. Zudem habe die Compaq-Tochter Enterprise Computing im vierten Quartal etwa 2,7 Mrd. $ zum Umsatz des Unternehmens von 8,46 Mrd. $ beigetragen.

"Unsere unerschütterliche Entschlossenheit, uns auf die Kunden zu konzentrieren, war entscheidend, um unsere Position auf dem Markt zu verteidigen", kommentiert Compaqs Vorstandsvorsitzender Michael Capellas, den positiven Ausblick. Kritiker hatten befürchtet, dass Kunden wegen der geplanten Fusion mit HP und der unsicheren Zukunft des Unternehmens wegbleiben würden.

Don Young, Analyst der Investmentbank UBS Warburg, ist dennoch nicht euphorisch. Er verweist darauf, dass die Prognose sehr niedrig angesetzt war und dass der Umsatz mit 7,7 Mrd. $ immer noch 16 % unter dem ersten Quartal des Vorjahres liegt. Die Börse reagierte dennoch positiv auf die Nachrichten.

Compaqs Ankündigung kam am gleichen Tag, an dem ein Gericht in Delaware die Klage des Gründererben Walter Hewlett gegen das HP-Management zugelassen hat. Walter Hewlett wirft HP vor, die Stimmen der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management mit unlauteren Mitteln erworben zu haben. Die Aktionäre von Hewlett-Packard hatten am 19. März über die Fusion abgestimmt. Die HP-Chefin Carly Fiorina hatte danach erklärt, dass das HP-Management die Abstimmung mit einem geringen Vorsprung gewonnen habe. Das offizielle Ergebnis steht noch aus.

Die Deutsche Asset Management hält mit 17 Millionen HP-Aktien etwas mehr als 1 % der Anteile und hatte erst im letzten Moment für die Fusion gestimmt. Presseberichten zufolge hatte die Deutsche Bank Hewlett-Packard einige Tage zuvor geholfen, sich eine Kreditlinie von 4 Mrd. $ zu sichern.

Mit seiner Klage will Walter Hewlett, der im Vorfeld der Abstimmung einen kostspieligen Feldzug gegen die geplante Fusion geführt hatte, die 19-Mrd.-$-Fusion noch verhindern. Das Gerichtsverfahren wird nun entscheiden, ob das HP-Management tatsächlich die Stimmen unrechtmäßig beeinflusst und damit das Ergebnis der Abstimmung manipuliert hat.

Anwälte von HP sagten, die Klage von Walter Hewlett sei ein letzter verzweifelter Versuch des eindeutigen Verlierers der Abstimmung, um mit dem Gericht das doch noch zu erreichen, was er offensichtlich mit der Abstimmung nicht durchsetzen konnte.

Quelle: Handelsblatt

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