Gerichte verpflichten Pensionseinrichtungen, die Renditen ihrer außerbörslichen Anlagen zu veröffentlichen
US-Kassen müssen Karten auf den Tisch legen

Die Private-Equity-Branche ist darüber verstimmt, denn die riesigen Renditeunterschiede werden damit für jedermann sichtbar.

FRANKFURT/M. Die Private Equity-Branche fühlt sich ins Mark getroffen. Ihr bestgehütetes Geheimnis - nämlich die Renditen der einzelnen Beteiligungsfonds - wurden jetzt erstmals in großem Umfang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auslöser war die University of Texas Investment Management Co (Utimco), die die Performance von rund 130 Fonds für außerbörsliche Beteiligungen offen legte (Auszüge siehe Tabellen). Die Utimco-Manager, deren Private Equity-Portfolio auf rund 1,7 Mrd. Dollar geschätzt wird, taten dies nicht aus freien Stücken, sondern sahen nach Auskunftsklagen auf Grundlage des "Freedom of Information Act" keine andere Möglichkeit, als die Renditekennziffern zu publizieren. Nun sehen sich auch andere Stiftungen und Pensionskassen in den USA mit entsprechenden Klagen konfrontiert - darunter der mächtige Pensionsfonds für die öffentlichen Bediensteten in Kalifornien, Calpers, dessen außerbörsliche Beteiligungen auf etwa 20 Mrd. Dollar veranschlagt werden.

Auf Auskunft klagen Einzelpersonen, die aus den Daten ein Geschäft machen wollen, aber auch Zeitungen wie der "Houston Chronicle" oder die "San Jose Mercury News". Ihr Argument: die Fondsmanager sollen erklären, wie sie bei der Auswahl der Fonds vorgehen und welche Rolle dabei die Beiräte spielen, die teilweise mit prominenten Politikern besetzt sind.

Jetzt sind die Fronten zwischen den Fondsmanagern und den institutionellen Investoren in den USA verhärtet. Während sich einige Private Equity-Manager überlegen, ob sie noch Pensionskassen als Investoren zulassen sollen, setzen andere auf den Beistand der Rechtsanwälte, um Veröffentlichungen zu verhindern. Die Branche pocht auf ihre Intransparenz, die letztlich notwendig sei, um überlegene Renditen zu erwirtschaften. Letztlich glauben aber viele Experten, dass der Zug in Richtung Offenlegung der Renditen nicht mehr aufzuhalten ist. Möglicherweise wird sogar verlangt, dass die Renditen bei den einzelnen Firmen, in die die Fonds investieren, genannt werden. Auch die Gewinnbeteiligung des Fondsmanagements und Einzelheiten zu den Managementgebühren sollen kein Tabu mehr sein.

Maximilian Brönner, Partner bei der schweizerischen LGT Capital Partners AG, findet, dass mehr Transparenz gut sei für die Beteiligungsbranche. "So werden die enormen Renditeunterschiede deutlich. Allerdings ist es bei den Jahrgängen von 2000 bis 2002 noch zu früh für eine Beurteilung", meint Brönner. Man habe mit den Daten zwar "erste Indikationen", wie gut ein Fonds sein wird. Eine abschließende Bewertung sei aber für diese Emissionsjahrgänge noch nicht möglich. Ähnlich argumentieren auch die Fondsmanager: da in den ersten Jahren investiert wird und die Managementgebühren als Kosten anfallen, würden negative Renditen falsch interpretiert.

Bernd Kreuter, Director Private Equity bei Feri Alternative Assets, sieht jetzt eine "breite Diskussion" losgetreten. Zwangsläufig rücke jetzt auch die Berechnung der Renditen ins Rampenlicht, für die es immer noch keine standardisierte Berechnungsweise gebe. Wenn die Veröffentlichung der Erfolgsdaten üblich werde, bestehe allerdings auch die Gefahr, dass verstärkt "Kosmetik" betrieben werde, um die Ergebnisse zu schönen. Sollten die Klagen in den USA durchkommen, dann hätten auch die deutschen Investoren - denen derzeit die Gesetzesgrundlage fehlt - gute Chancen, von mehr Transparenz im Markt zu profitieren.

Quelle: Handelsblatt

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