Gerichtsmedizinische Untersuchung
Defekt könnte Mailänder Unglück ausgelöst haben

Ein technischer Defekt könnte das spektakuläre Mailänder Flugzeugunglück vom vergangenen Donnerstag ausgelöst haben. In der Leiche des Unglückspiloten seien hohe Kohlenmonoxid- Konzentrationen gefunden worden, die auf einen Brand in der Flugzeugkabine hindeuteten, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Montag.

dpa MAILAND. Dies sei bei einer gerichtsmedizinischen Untersuchung in Mailand festgestellt worden, hieß es bei ANSA unter Berufung auf inoffizielle Informationen. Es gebe keine Hinweise auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das Einatmen von Kohlenmonoxid führt zunächst zu Bewusstlosigkeit und schließlich zum Tod. Anfangs war von hohen Kohlendioxid-Werten die Rede gewesen.

Nur vier Tage nach dem Zwischenfall hat das bei dem Unglück schwer beschädigte Mailänder Pirelli-Hochhaus am Montag wieder geöffnet. Zunächst konnten allerdings nur die untersten 11 der insgesamt 30 Stockwerke benutzt werden. In dem Gebäude hat die Regionalbehörde der Lombardei ihren Sitz. Der Präsident der Region, Roberto Formigoni, kehrte ebenso wie hunderte Beamte in die Büros des 127 Meter hohen Gebäudes zurück.

Der aus der Schweiz kommende 67-jährige Unglückspilot Luigi Fasulo war mit seinem Kleinflugzeug gegen das Pirelli-Hochhaus gerast. Er hatte wenige Minuten zuvor dem Kontrollturm des Zielflughafens Mailand-Linate Probleme mit dem Fahrwerk gemeldet. Das italienische Fernsehen zitierte die ermittelnde Staatsanwältin Bruna Albertini am Montag mit den Worten, dass der Mann beim Aufprall vermutlich noch gelebt habe. Bei der Katastrophe wurden auch zwei Frauen im Gebäude getötet, Dutzende von Menschen erlitten Verletzungen. Drei Stockwerke des Hochhauses wurden völlig zerstört.

Italienische Medien und einige Politiker hatten zunächst über einen Selbstmord des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Piloten spekuliert. Als Indiz wurde die Tatsache gewertet, dass das Flugzeug das Hochhaus genau in der Mitte getroffen hatte. Die Ermittler haben jedoch bezweifelt, dass der Mann absichtlich gegen das Gebäude geflogen sei. Die Selbstmord-Theorien seien voller Widersprüche, hatte Innenminister Claudio Scajola in einem Interview der Zeitung "Corriere della Sera" (Montagausgabe) betont. Ein technischer Defekt am Flugzeug oder ein körperliches Gebrechen des Piloten seien wahrscheinlicher.

Die Familie Fasulo hat in einer Erklärung die Geldprobleme des Verstorbenen bestätigt, jedoch einen Selbstmord ausgeschlossen. Luigi Fasulo hätte niemals den Tod anderer Menschen in Kauf genommen. Der Flugunternehmer soll auch als illegaler Geldverleiher tätig gewesen sein. Dabei ist er nach italienischen Medienberichten zuletzt um 1,7 Millionen Euro betrogen worden. Außerdem stehe er im Verdacht, Kunstwerke in die Schweiz geschmuggelt zu haben, wo er an einer Galerie beteiligt gewesen sei.

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