Gerichtsurteil
Spiegel muss Gegendarstellung von Focus-Redakteur drucken

Das Spiegel-Magazin beschuldigte ehemaligen Focus-Rekakteur, Aktien gekauft zu haben, die er zuvor den Lesern des Blattes empfohlen habe. Spiegel muss die Gegendarstellung laut Bundesverfassungsgericht unmittelbar abdrucken, damit ihr Effekt nicht "konterkariert" werde.

dpa KARLSRUHE. Gegendarstellungen müssen nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts "zeitnah" zu dem Bericht abgedruckt werden, auf den sie sich beziehen. Müsste der Betroffene zunächst abwarten, bis die Zeitung alle Rechtsmittel ausgeschöpft hat, dann würde der Effekt der Gegendarstellung konterkariert, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss. Die Karlsruher Richter verpflichteten damit das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zum - bereits am vergangenen Montag erfolgten - Abdruck der Gegendarstellung eines früheren Redakteurs des Münchner Konkurrenzblatts "Focus".

Das Magazin hatte am 5. Juni dieses Jahres dem bis 1999 bei "Focus" für Geldanlagen zuständigen Redakteur Marian von Korff vorgeworfen, er habe nebenbei geschäftlich und privat Aktien gekauft, deren Kauf er den Lesern seines Blattes empfohlen habe. Korff versichert in seiner Gegendarstellung: "Zu keinem Zeitpunkt haben persönliche Interessen Einfluss auf meine Tätigkeit als Wirtschaftsredakteur bei 'Focus' gehabt."

Der Spiegel-Verlag wollte in Karlsruhe erreichen, dass er die Gegendarstellung bis zur Entscheidung über eine angekündigte Verfassungsbeschwerde nicht abdrucken muss. Dazu hatte er eine Einstweilige Anordnung gegen ein Urteil des Landgerichts Hamburg beantragt. Eine Kammer des Ersten Senats lehnte dies jedoch ab. Sollte sich ihr Abdruck später als unberechtigt erweisen, könnte der "Spiegel" dies in seinem Blatt wirksam herausstellen, so die Richter. Der "Spiegel" hatte darauf hingewiesen, dass nur Tatsachenbehauptungen gegendarstellungsfähig sind. Bei der umstrittenen Passage handle es sich aber um eine Meinungsäußerung Korffs.

Nach dem Bericht war der 34-Jährige, der es zum Multimillionär gebracht habe, neben seiner Redakteurstätigkeit anderthalb Jahre Chef einer Investmentfirma und arbeitete monatelang als Berater eines Luxemburger Aktienfonds. "Die Arbeit des Journalisten Korff und die Tätigkeit als Aktienberater und Investor hatte erkennbar Berührungspunkte", schrieb der "Spiegel" weiter. Nach den Standesregeln des Deutschen Presserats dürfen Journalisten ihre privat gekauften Aktien nicht durch positive Berichte in ihren Blättern fördern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%