Geringe Inlandsnachfrage
Auftragseingang in deutscher Industrie eingebrochen

Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im März vor allem wegen einer geringeren Inlandsnachfrage unerwartet stark eingebrochen. Angesichts zuletzt auch schwacher Frühindikatoren schreiben immer mehr Volkswirte den Aufschwung für dieses Jahr ab.

Reuters BERLIN. Von Februar auf März sei das Ordervolumen saisonbereinigt um 3,9 % zurückgegangen, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) am Mittwoch in Berlin mit. Von Reuters befragte Analysten hatten wegen des starken Euro und des Irak-Kriegs im Mittel einen Rückgang um 1,0 % erwartet, wobei selbst die pessimistischste Prognose nur von einem Minus von 2,7 % ausging. "Die Zahlen sind katastrophal, besonders die Inlandsaufträge", sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Im Vergleich zum März 2002 lag das Ordervolumen nach Reuters-Berechnungen auf Basis von Bundesbank-Daten 1,7 % niedriger. Dabei fiel das Volumen an Großaufträgen dem BMWA zufolge unterdurchschnittlich aus. Bereits im Februar war das Ordervolumen zum Vormonat um 0,8 % zurückgegangen.

Aufschwung im zweiten Halbjahr wird immer fraglicher

Nachdem zu Jahresbeginn unerwartet gute Wirtschaftsdaten Hoffnung auf ein stärkeres Wachstum gemacht hatten, verstärkten nun die Auftragseingangsdaten wie schon die zuletzt rückläufigen Frühindikatoren die Zweifel an der fürs zweite Halbjahr erwarteten Erholung. "In diesem Jahr brauchen wir nicht mehr mit einem Aufschwung zu rechnen", zeigte sich Dieter Wermuth von der United Financial of Japan besonders skeptisch. Stefan Mütze von der Helaba geht dagegen angesichts günstiger Rahmenbedingungen wie der expansiven Geldpolitik und dem niedrigen Ölpreis von einer Erholung der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte aus, die auch auf Deutschland übergreifen sollte.

Wie die meisten Volkswirte und internationalen Organisationen erwartet Mütze für dieses Jahr nur ein mageres Wirtschaftswachstum von etwa einem halben Prozent. Die Bundesregierung geht dagegen von rund 0,75 % aus.

Investitionsgüter-Bestellungen brechen besonders stark ein

Die Bestellungen aus dem Ausland gingen den Angaben zufolge um zwei Prozent zurück. Aus dem Inland verzeichnete die Industrie sogar 5,6 % weniger Aufträge. Der Auftragseingang der Industrie ist ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung. Die Daten können aber von Monat zu Monat zum Beispiel wegen Großaufträgen stark schwanken. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Februar/März zu Dezember/Januar sank das Auftragsvolumen um 0,8 %.

Vorleistungsgüterproduzenten erhielten den BMWA-Angaben zufolge 0,4 % weniger Aufträge als im Februar. Die Bestellungen von Investitionsgütern sank um 6,8 %, wobei die Bestellungen aus dem Inland um 10,8 % einbrachen. Die Nachfrage nach Konsumgütern gab um 3,3 % nach. Die westdeutsche Industrie erhielt den Angaben zufolge 3,8 % weniger Aufträge, die Bestellungen in Ostdeutschland gingen um 5,6 % zurück.

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