Geringe Reiseumsätze
Preussag drohen massive Verluste

Preussag-Chef Michael Frenzel hat bereits Ende April bei der Bilanzpressekonferenz die Erwartungen für das erste Quartal gedämpft. Umsatz und Ergebnis des Touristikkonzerns würden deutlich schlechter ausfallen als vor einem Jahr. Insofern waren auch die Analysten vorgewarnt.

Reuters HANNOVER. Für die am Mittwoch angekündigten Geschäftszahlen für die Zeit von Januar bis März erwarten sie im Durchschnitt einen Umsatzrückgang von 15,8 Prozent auf 3,94 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen aller Sparten dürfte den Prognosen zufolge mit minus 71 Millionen Euro in die Verlustzone rutschen, nachdem vor einem Jahr noch ein operativer Gewinn von 25 Millionen Euro ausgewiesen worden war. Unter dem Strich rechnen die von Reuters befragten Experten mit einem Nettoverlust von 133 Millionen Euro, fast dreimal so groß wie der Verlust im ersten Quartal 2001.

Umsatzrückgang von elf Prozent

Ein wesentlicher Grund dafür dürften den Einschätzungen zufolge die deutlich geringeren Reiseumsätze gerade in der Wintersaison sein. Für die gesamte Wintersaison, die bereits im November begann, nannte Frenzel bereits im April einen Umsatzrückgang von elf Prozent. Aber auch die Sparten Energie und Logistik dürften Einbußen verzeichnet haben.

Allerdings zeigen die Schwankungen bei den Ergebnisprognosen die Unsicherheit der Analysten. Preussag hat sich im Zuge des seit fast vier Jahren betriebenen Umbaus vom Mischkonzern zum weltweit umsatzstärksten Touristikanbieter ständig verändert, so dass nahezu jede Quartalsbilanz Sondereinflüssen unterliegt. Die Prognosen für das operative Ergebnis reichen von minus 36 Millionen Euro bis 100 Millionen Euro, die Vorhersagen für das Nettoergebnis variieren ähnlich stark.

Sommersaison wird entscheidend

Entscheidend für den Ausblick auf das Gesamtjahr wird die Einschätzung für den Verlauf der in der Touristik entscheidenden Sommersaison. Raimon Kaufeld von der DZ Bank hält die Aussichten für den Sommer weiterhin für sehr unsicher. Preussag hatte bereits vorige Woche unter dem Druck der Kursverluste nach einer Gewinnwarnung des britischen Konkurrenten My Travel Group auf eine langsame, aber stetige Verringerung des Rückstandes gegenüber dem Vorjahr hingewiesen.

Aktuell beträgt das Umsatzminus bei Preussag 7,9 Prozent gegenüber dem Sommer 2001. Zugleich schränkte Frenzel ein, dass eine Prognose für das Gesamtjahr kaum möglich sei, da immer kurzfristiger gebucht werde. Der Kurs, der Mitte voriger Woche um mehr als zehn Prozent auf knapp mehr als 27 Euro abgesackt war, zog am Dienstag um rund zwei Prozent auf 28,60 Euro an.

Mehr Erklärungsbedarf

Mit Interesse sehen die Analysten der von Preussag angekündigten detaillierten Präsentation der Quartalsbilanz entgegen. Insbesondere die Hauptsparte Touristik soll weiter aufgeschlüsselt werden, sowohl nach Regionen als auch hinsichtlich einzelner Geschäftsbereiche. "Das ist sehr zu begrüßen", sagt Christian Obst, Touristikexperte der Hypovereinsbank. Finanzvorstand Rainer Feuerhake räumt ein, dass Preussag auf Grund des Wandels sicherlich mehr Erklärungsbedarf habe, als manch anderes börsennotiertes Unternehmen.

Preussag gilt bei Analysten als nur schwer durchschaubar. In einer Umfrage bei knapp 300 europäischen Analysten zur Transparenz und Berichterstattung der 30 deutschen Dax-Unternehmen landete der hannoversche Konzern kürzlich auf dem letzten Platz.

Für zusätzlichen Klärungsbedarf in der für Mittwoch früh von Preussag geplanten Telefonkonferenz mit den Börsenexperten dürfte die jüngste Ankündigung Frenzels sorgen, der Touristikkonzern prüfe ernsthaft den Einstieg in den Billigflugmarkt. Bei Analysten wird dies noch überwiegend skeptisch beurteilt, insbesondere wegen der Überlegungen, das Fluggeschäft mit einer Billig-Airline dann auch über Privattouristen hinaus auf Geschäftskunden auszuweiten.

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