Geringe Synergie-Effekte erwartet
Skepsis bei der Telia-Sonera-Ehe

Die gescheiterten Fusionsversuche der nordeuropäischen Telekomkonzerne lassen Experten am Gelingen des neuesten Vorhabens zweifeln, der Ehe von Telia und Sonera. Eine Hürde haben die Unternehmen zumindest genommen: Die Regierungen und damit die Mehrheitseigner unterstützen ihre Pläne.

hst/slo HELSINKI/DÜSSELDORF. Mit Skepsis haben Branchenexperten auf den angekündigten Zusammenschluss der nordeuropäischen Telekomkonzerne Telia und Sonera reagiert.

Auch Politiker warnen vor nationalen Empfindlichkeiten, die das Vorhaben von Telia und Sonera zum Scheitern bringen könnten. "Das Schwierigste wird jetzt sein, die gefassten Beschlüsse auch zu verwirklichen", sagte der sozialdemokratische finnische Ministerpräsident Paavo Lipponen dem Handelsblatt am Mittwoch. Er gab sich aber zuversichtlich, dass es dabei nicht zu einem Länderkampf kommen werde.

Vor knapp drei Jahren ist die von Telia und dem norwegischen Konkurrenten Telenor beschlossene Fusion in letzter Sekunde wegen nationaler Empfindlichkeiten geplatzt. Streit über den Sitz des Konzerns und einzelner Bereiche machte das Vorhaben unmöglich.

Die schwedische Telia soll nun die finnische Sonera für 7,5 Mrd. Euro in Aktien übernehmen. Darauf haben sich die Unternehmen am Dienstag geeinigt. Damit schließen sich erstmals zwei staatlich kontrollierte Unternehmen zusammen und bilden den größten Telekomkonzern in Skandinavien.

Bei dem Zusammenschluss zweifeln Analysten an den Vorteilen. "Es gibt keine großen Synergie-Effekte", sagte Katja Ruud vom Forschungsinstitut Gartner. Sonera und Telia betreiben beispielsweise in den baltischen Ländern und in Russland gemeinsam Mobilfunkanbieter. Die geplante Telekom-Fusion sei daher noch nicht der große Wurf, aber immerhin ein guter Beginn der Konsolidierung der Telekom-Konzerne in Skandinavien, schreiben Analysten von JP Morgan in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Die finnische und die schwedische Regierung unterstützen die Pläne von Sonera und Telia. Schweden kontrolliert 71 % an Telia, der finnische Staat hält 53 % an Sonera. Beide Länder haben bereits vor einiger Zeit grünes Licht für die weitere Reduzierung des Staatsanteils gegeben. Nach dem Zusammenschluss wird Schweden 45 % an dem neuen Unternehmen halten und Finnland 19 %. Lipponen betonte, dass sich die Regierungen nicht in die weitere Fusionsarbeit einmischen würden. "Wir haben vereinbart, dass die Regierungen sich aus den Verhandlungen heraushalten."

Der Sitz des neuen Konzerns wird Stockholm. Zunächst, so gaben beide Unternehmen bekannt, würden sie auf ihren Heimatmärkten weiter unter den bisherigen Namen auftreten. Ein neuer Name soll erst später eingeführt werden. Aufsichtsratsvorsitzender wird Tapio Hintikka, bisher Sonera-Aufsichtsratschef. Ein Konzernchef soll von außen kommen. Telia und Sonera gaben an, bis 2005 etwa 300 Mill. Euro durch den Zusammenschluss sparen zu können.

Die Telekom-Fusion muss noch von der EU-Kommission genehmigt werden. Um eventuellen Problemen aus dem Wege zu gehen, wird sich Telia aus dem Mobilfunkgeschäft in Finnland zurückziehen. Dort hat Sonera einen Mobilfunk-Marktanteil von 60 %, Telias finnische Tochter 4 %.

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