Geringe Übertragungsraten behindern Verbreitung der Wap-Technologie
Mobil ins Internet mit Taschencomputern

Der britische Computerhersteller Psion Plc. hat in Europa und den USA den ersten Taschencomputer mit schnurlosem Zugang zum Internet vorgestellt. Der Revo Plus verwendet die so genannte Wireless Application Protocol-(Wap) Technologie, die für Mobiltelefone entwickelt wurde.

WSJ HB LONDON. Bisher sind Kunden beim Kauf von Wap-fähigen Telefonen zurückhaltend. Dafür gibt es mehrere Gründe: teure Geräte, zu kleine Bildschirme, die umständliche Eingabe über die Zifferntasten und sehr geringe Übertragungsraten. Trotzdem ist Psion überzeugt, dass das neue Gerät dazu beitragen wird, das Interesse am drahtlosen Internet wieder zu wecken. Gleichzeitig will das Unternehmen - Nummer zwei in Europa hinter Weltmarktführer Palm Inc. - seine Marktposition bei den kleinen so genannten Handheld-Computern verbessern.

Der Revo Plus soll zwischen 400 und 500 Euro kosten. Das Gerät hat einen größeren Bildschirm als die meisten Handheld-PCs und eine vollständige, sehr gedrängte Tastatur. Analysten kritisieren jedoch, dass der Revo Plus Defizite des mobilen Internet nicht beheben konnte - etwa die mangelnde Sicherheit. Psion-Sprecher Anthony Garvey empfiehlt denn auch nicht, derzeit Bankgeschäfte über Wap-Geräte auszuführen. Der Revo Plus verfüge aber über eine separate Zugangssoftware, die die Internet-üblichen Verschlüsselungstechnologien anwendet. Das Herunterladen einer normalen Web-Site dauere - im Gegensatz zu der speziell aufbereiteten Wap-Seite - allerdings mehrere Minuten.

Zudem seien die meisten Wap-Seiten auf sehr kleine Bildschirme zugeschnitten. Carsten Schmidt, Analyst bei Forrester Research, sagt, das größere Display bringe deshalb keine Vorteile. Psion erwartet jedoch, dass die Zahl der für die größeren Bildschirme der Taschencomputer entworfenen Seiten zunimmt, zumal auch andere Hersteller der Handheld-PCs bald Wap-fähige Versionen auf den Markt bringen wollen. Palm will seinen elektronischen Organizern in Europa Wap noch in diesem Jahr als Standard beifügen; die US-Firma Hewlett-Packard Co. und die japanische Casio Computer Co. wollen einige ihrer Geräte mit der Technologie ausstatten.

Europäer zeigen bisher wenig Enthusiasmus, via Handy ins Internet zu gehen. Der Grund: Die Übertragungsgeschwindigkeit ist sehr gering. Sieben europäische Hersteller von Mobiltelefonen melden wesentlich niedrigere Verkaufszahlen von Wap-Handys als erhofft; die Deutsche Telekom gab an, dass ihre Wap-Handy-Kunden durchschnittlich nur einmal pro Woche ins Internet gehen.



20 000 Revo Plus sollen wöchentlich hergestellt werden

Psion will wöchentlich 20 000 Revo Plus herstellen. Das Unternehmen preist den Minicomputer als schnurloses Internet-Gerät an, er hat jedoch kein eingebautes Modem. Der Kunde muss ihn via Infrarot oder Kabel mit einem herkömmlichen Handy verbinden, um unterwegs im Internet surfen zu können. Garveys Begründung: Ein Modem würde "dem Gerät zu viel Energie entziehen".

Der Palm VII, den Palm in den USA mit eingebautem Modem verkauft, ist nicht Wap-fähig und bietet nur Zugang zu einer relativ geringen Zahl speziell angepasster Web-Sites. Das Unternehmen plant bis Mitte 2001 nicht, in Europa ein ähnliches Gerät einzuführen. Bis dahin werden viele europäische Mobilfunk-Anbieter ihre Netze so weit aufgerüstet haben, dass sie Daten schneller übertragen können.

Forrester Research sagt derweil voraus, dass mobiles Internet eine nur geringe Rolle spielen wird. In einem kürzlich veröffentlichten Report heißt es, bis 2005 werden nur 0,2 % der Online-Verkaufsumsätze über Handheld-PCs laufen, 3 % über Handys und mehr als vier Fünftel über den PC.

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