Geringer Widerstand
Truppen rücken Richtung Bagdad vor

Amerikanische und britische Truppen haben am Freitag ihre Bodenoffensive in den Irak ohne größeren Widerstand fortgesetzt. Nach Berichten von Reuters-Korrespondenten befand sich am frühen Morgen ein US-Verband etwa 150 Kilometer tief auf irakischem Gebiet und rückte ohne Gegenwehr weiter in Richtung der Hauptstadt Bagdad vor.

Reuters BAGDAD. In Bagdad selbst blieb es nach den Luftangriffen des Vorabends am Morgen zunächst ruhig. Aus der Umgebung von der zweitgrößten irakischen Stadt Basra wurden größere Explosionen gemeldet. Die USA versuchten unterdessen, Mitglieder der irakischen Armeeführung und der Elitetruppe Republikannische Garden zum Überlaufen zu bewegen und damit einen massiven Militärschlag zu vermeiden.

Auf Seiten der britisch-amerikanischen Invasionstruppen gab es beim Absturz eines Militärhubschraubers die ersten Toten seit Kriegsbeginn. Nach unterschiedlichen Angaben kamen zwischen zwölf und 16 Soldaten ums Leben.

Wenig Widerstand beim Vormarsch gemeldet

Bei ihrem am Vorabend begonnenen Vormarsch in Richtung Bagdad stieß ein Konvoi aus 2000 Panzern, gepanzerten Angriffsfahrzeugen und Versorgungslastern des 3. Infanteriedivision nach den Worten von Reuters-Korrespondent Luke Baker auf keinen Widerstand. "Wir sind jetzt etwa 150 Kilometer tief auf irakischem Boden, es gab keinen Widerstand und keine Gefangennahmen", berichtete Baker am frühen Morgen gegen 07.15 MEZ. Dem Truppenverband voran flögen Apache-Kampfhubschrauber, die den Vormarsch absicherten. Seit dem Beginn des Vormarsches der Division gegen 20.00 Uhr MEZ habe es keinen Widerstand gegeben.

Auf der für den Ölverkehr strategisch wichtigen Halbinsel Faw besetzten britische Truppen Positionen. Die wichtigsten Einrichtungen der Ölindustrie seien gesichert, berichtete ein Armeesprecher. Bei der Invasion habe es mehrere Tote auf Seiten der irakischen Armee gegeben, eigene Verluste jedoch nicht, sagte ein britischer Armeesprecher weiter. Zahlreiche irakische Soldaten hätten sich ergeben.

Gefecht schon nach 200 Metern

An einer Stelle des Grenzverlaufs zwischen Kuwait und Irak wurde eine Einheit von US-Marineinfanteristen dagegen bereits etwa 200 Meter hinter der Grenze mit Panzerabwehr und leichten Waffen beschossen. "Da ist ein wirklich großes Gefecht am Laufen", sagte Reuters-Korrespondent Adrian Croft. Die US-Truppen hätten britische Artillerie zur Hilfe gerufen, die auf die irakischen Stellungen feuerten.

Reuters-Korrespondent Sean Maguire berichtete vom 1. Regiment der Marineinfanteristen, die Truppe sei bei ihrem Vorstoß von Kuwait aus auf keinen Widerstand gestoßen. "Es waren keine Schüsse oder Geschützfeuer zu hören. Ihr Weg war frei", sagte Maguire. Nordöstlich davon waren am Nachthimmel Blitze von Explosionen zu sehen, die der Einschätzung Maguires zufolge von Luftangriffen stammten. Innerhalb von 15 Minuten habe er etwa 30 Feuerbälle über der Ebene in Richtung Basra gesehen, sagte auch Reuters-Korrespondent David Fox in Kuwait nahe der Grenze zu Irak. Die Explosionen seien größer gewesen, als bei den Kämpfen zuvor, und hätten die ganze Nacht angehalten. Die zweitgrößte irakische Stadt im Süden des Landes gilt nach Angaben aus US-Armeekreisen als eines der ersten Ziele, das von den Invasionstruppen eingenommen werden soll.

Truppen passieren Ölfelder

Die Truppen passierten auf ihrem Vormarsch mehrere Ölfelder, die zu den größten Iraks gehören. In der Nähe des südlichen Rumailah-Feldes waren Rauch und Flammen zu sehen. Es war aber unklar, ob es sich dabei um die normalen Ölfeuer handelte oder ob dies eine Folge der Kampfhandlungen war. Reuters-Kollegen, die speziell die Ölfelder beobachten, sagten, es stehe nichts in Flammen. Der Schutz der Ölfelder ist eines der wichtigsten Ziele der Militärstrategen. Im Golfkrieg 1991 hatte Irak die Ölfelder Kuwaits in Brand gesteckt und damit die Ölförderung des Landes stark beschädigt.

Rumsfeld sagte in Washington, man hoffe immer noch, einen beispiellosen Militärschlag vermeiden zu können. Dazu gebe es Verhandlungen auf allen denkbaren Ebenen mit Mitgliedern der irakischen Armee. Soldaten werde die Möglichkeit gegeben, ohne Ehrverlust aufzugeben. "Es gibt Kommunikation in jeder denkbaren Art und Weise mit den irakischen Streitkräften - offen und vertraulich -, wie sie ehrenhaft handeln und ihre Waffen nieder legen können", sagte Rumsfeld vor Mitgliedern des US-Kongresses. Die USA hofften immer noch, dass Saddam aufgebe, bevor der Krieg seine ganze Wucht entfalte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%