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Geringere Dynamik beim Abbau der Arbeitslosenzahl

Volkswirte begründen das mit einem langsameren Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Reuters FRANKFURT. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird in den kommenden Monaten nach Einschätzung von Analysten auf Grund der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik langsamer sinken als bisher. Von Reuters befragte Volkswirte rechnen im Durchschnitt mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosen im Februar um saisonbereinigt 7000. Die Konjunktur in Deutschland habe etwas an Fahrt verloren, sei jedoch weiterhin robust.

Die Analysten erwarten daher in den kommenden Monaten insgesamt eine Fortsetzung der rückläufigen Arbeitslosigkeit. Im Januar hatte die Arbeitslosenzahl mit einem Anstieg um saisonbereinigt 7000 auf 3,774 Mill. ihren Abwärtstrend unterbrochen. Die unbereinigte Quote stieg auf zehn (Dezember 9,3) Prozent. Die Bundesanstalt für Arbeit wird die Februar-Zahlen am Dienstag gegen 10.00 Uhr MEZ vorlegen.

Seit August vergangenen Jahres ware die Zahl der arbeitslos gemeldeten in nahezu jedem Monat um mehr als 20 000 Personen zurückgegangen. Im Oktober und November hatte die Quote sogar die Neun-Prozent-Marke unterschritten und jeweils bei 8,9 % gelegen. Mit einem überraschenden Anstieg um saisonbereinigt 7000 Personen stieg die Arbeitslosenzahl im Januar auf 3,774 Mill., die Quote legte auf 10,0 % zu.

Nach Einschätzung von Christoph Hausen, Volkswirt bei der Commerzbank, wird sich der Rückgang der Arbeitslosenzahl in den kommenden Monaten fortsetzen, allerdings mit langsamerem Tempo als im zweiten Halbjahr 2000. Grund für den schwächeren Rückgang sei das verlangsamte Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP), dem Wert der erwirtschafteten Leistung. Das Statistische Bundesamt hatte am Donnerstag für das vierte Quartal 2000 nur noch eine BIP-Wachstumsrate von 1,9 % zum Vorjahr ermittelt und die BIP-Zunahme für das Gesamtjahr 2000 auf 3,0 % von zuvor 3,1 % nach unten revidiert.

Für Februar rechnet Hausen mit einer saisonbereinigt unveränderten Arbeitslosenzahl. "Der späte Wintereinbruch in Deutschland schlägt sich in den Arbeitslosenzahlen vom Januar und Febraur nieder." Die Steuerreform werde die Konjunktur in Deutschland aber mittelfristig wieder beleben. Trotz des schlechteren Überhangs des BIP in 2001 sei die Konjunktur noch immer robust.

Helaba-Volkswirt Stefan Mütze rechnet im Februar mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um saisonbereinigt 5000. Seine Prognose für die unbereinigte Quote lautet auf 9,9 % nach 10,0 % im Januar. Auch in den kommenden Moanten erwartet Mütze zunächst nur einen leichten Abbau der Arbeitslosigkeit. "Im zweiten Halbjahr wird die Weltkonjunktur aber wieder anziehen, und das schlägt sich dann auch auf den Arbeitsmarkt nieder."

Positive Impulse erwartet er dabei von den Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed und den Steuerreformen in acht von zwölf Ländern der Euro-Zone. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet Mütze erst im Juni eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte. "Die momentane Wachstumsabschwächung spricht zwar eigentlich dafür, die Zinsen sofort zu senken, aber dafür sind die Inflationsrisiken noch zu hoch", sagte Mütze.

David Kohl, Analyst bei der Bank Julius Bär, rechnet im Februar mit einem deutlichen Rückgang um saisonbereinigt 34 000 Arbeitslose. "Wenn man damit den Anstieg im Januar verrechnet, setzt sich per Saldo der Abwärtstrend der Arbeitslosigkeit fort", sagte Kohl. Die Januar-Zahlen hätten nicht ins Bild gepasst und seien lediglich auf starke Effekte der Saisonbereinigung zurückzuführen.

Die Arbeitslosenzahl werde zwar in 2001 um weniger als 200 000 (2000: 210 600) und damit langsamer als im Vorjahr zurückgehen, das Wirtschaftswachstum, dem der Arbeitsmarkt nachlaufe, sei aber dennoch weiter robust. Kohl rechnet für das Gesamtjahr 2001 mit einem deutschen BIP-Wachstum von 2,8 %.

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