Geringerer Halbjahresgewinn enttäuscht Anleger
Unsicherheit um Telmex lässt Mexikos Kurse schwanken

Starke Kursschwankungen bei Mexikos führender Telefon- Gesellschaft Telmex haben an der Börse des Landes zu kräftigen Indexausschlägen geführt. Analysten zufolge wirkt sich bei Telmex vor allem die Ankündigung der USA negativ aus, gegen die marktbeherrschende Stellung des Konzerns vorzugehen.

saw MEXIKO-STADT. Die Unsicherheit um die Zukunft von Mexikos führender Telefongesellschaft Telmex sorgt derzeit für ein Auf und Ab an der Börse. Ein geringerer Halbjahresgewinn als von den Anlegern erwartet und die Ankündigung der USA, gegen die aus ihrer Sicht marktbeherrschende Stellung des privatisierten Konzerns vor die Welthandelshandelsorganisation (WTO) zu ziehen, verursachten Anfang des Monats einen Kursrückgang bei den Telmex-Aktien um 10 %. Seit Anfang Juli verlor die Aktie damit über 20 % ihres Wertes.

Die Schwankungen der Aktie haben großen Einfluss auf die gesamte Börse, da die Firma mit ihrem Marktwert von über 50 Mrd. $ fast ein Drittel der Kapitalisierung des mexikanischen Aktienmarktes ausmacht. Telmex-Aktien werden auch in Madrid und New York gehandelt. Das 1990 privatisierte Unternehmen gehört Carlos Slim, der laut der Zeitschrift "Forbes" mit einem Vermögen von rund 8 Mrd. $ der reichste Mann Lateinamerikas ist.

Starke Schwankungen des Kurses erwartet

Börsenanalyst Esteban Rojas von "Arka" ist der Auffassung, dass die Drohung der USA und die schrumpfenden Gewinne von Telmex kurzfristig negative Auswirkungen auf die Börsennotierung des Unternehmens haben werden. "Die Notierung wird sehr schwanken, bis klar ist, wie der Streit mit den USA ausgeht. Mittelfristig bleibt Telmex aber eine gute Investitionsmöglichkeit", meint Rojas.

Ernesto O'Farrill von "Bursametrica" befürchtet, dass die WTO eine Aufsplittung von Telmex befürworten könnte. Wie der Streit mit den USA um die Liberalisierung des Telefonmarktes in Mexiko ausgeht, ist noch völlig unklar. Anfang Oktober läuft die 60-tägige Konsultationsfrist aus, nach die US-Regierung das WTO-Panel aktivieren kann, sofern sie bis dahin keine Einigung mit der mexikanischen Regierung und der Telekom-Regulierungsbehörde (Cofetel) gefunden hat.

Die US-Handelsbeauftragte Charlene Barshefsky ist der Auffassung, dass die 1996 gegründete Cofetel monopolistische Praktiken von Telmex duldet und Slims Unternehmen zudem Subventionen erhält. Telmex beherrscht im Ortsnetz noch immer 98 % des Geschäfts. Bei Ferngesprächen bekam der einstige Monopolist vor drei Jahren Konkurrenz von AT & T und MCI Worldcom, deren lokale Partner Alestra und Avantel inzwischen 30 % des Marktes kontrollieren. Sie müssen Telmex eine Netzgebühr von drei Cent pro Gespräch zahlen, was nach ihrer Ansicht im internationalen Vergleich viel zu hoch liegt.

Das umsatzstärkste Telekom-Unternehmen

Slim wirft dem nördlichen Nachbarn vor, mit Gewalt die Eroberung des lateinamerikanischen Marktes durch das "Duopol" der beiden US- Gesellschaften vorantreiben zu wollen. Er sei überzeugt, vor einem WTO-Panel Recht zu bekommen, sagte er bei einer seiner seltenen Pressekonferenzen. Avantel und Alestra schuldeten Telmex zudem noch 400 Mill. $ Netzbenutzungsgebühren, kritisierte er. Telmex ist derzeit das umsatzstärkste Telekom - Unternehmen in der Region. AT&T und MCI Worldcom kontrollieren in den USA etwa 75 % des Geschäfts mit Ferngesprächen. Telmex-Manager Arturo Elias Ayub erklärte, die Firma sehe dem Streit mit den USA gelassen entgegen. Er sei eine gute Gelegenheit zu demonstrieren, dass Telmex keinerlei staatlichen Schutz erhalte, sondern vielmehr die USA ihren Markt gegen ausländische Konkurrenz abschirmten.

Der designierte Präsident Vicente Fox von der konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN), der sein Amt am 1. Dezember antritt, hielt sich zu dem Thema bislang zurück. Sein Wirtschaftsberater Luis Ernesto Derbez liess aber durchblicken, dass die neue Regierung eine größere Unabhängigkeit der Cofetel für die beste Lösung halte, um für mehr Wettbewerb auf dem Telefonmarkt zu sorgen.

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