Geringes Risiko für die Umwelt
Weltgrößte Bohrinsel gesunken

Innerhalb von wenigen Minuten ist die weltgrößte Bohrinsel 125 Kilometer vor der brasilianischen Küste gesunken. Nun drohen 1,5 Mill. Liter Roh- und Dieselöl aus den Unterwasserleitungen ins Meer zu fließen. Die Umweltbehörde konnte bereits kleinere Ölteppiche ausmachen. Aber sogar der World Wildlife Fund for Nature schätzt das Risiko für die Umwelt gering ein.

Reuters RIO DE JANEIRO/MACAE. Die in Schieflage geratene weltgrößte Ölförderplattform ist am Dienstag vor der Küste Brasiliens binnen weniger Minuten gesunken. Eine Sprecherin des staatlichen Betreiberkonzerns Petrobras sagte, sie wisse nicht, ob Öl ins Meer geflossen sei. Nach mehreren Explosionen auf der Plattform war die Anlage am Donnerstag voll Wasser gelaufen. Spezialisten hatten sich vergeblich um ihre Stabilisierung bemüht. Nun drohen bis zu 1,5 Mill. Liter Roh- und Dieselöl aus den Unterwasserleitungen und aus Tanks der Anlage ins Meer zu fließen. Umweltschutzbehörden hielten dieses Risiko aber für gering.

Die erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Förderanlage liegt etwa 125 Kilometer von der brasilianischen Küste entfernt im rohstoffreichen Campos-Becken. In der Nacht zum Dienstag hatte der Konzern mitgeteilt, Spezialisten hätten die Förderplattform stabilisiert. Dies sei gelungen, nachdem die Einsatzkräfte bis Montagabend ausreichend Wasser aus der Anlage gepumpt hätten. Am Dienstagmorgen sei die Anlage allerdings wieder abgesunken, so dass die beschädigte Seite vollkommen unter Wasser gelegen habe, sagte ein Konzernsprecher. Alle Einsatzkräfte seien daraufhin von der Förderplattform abgezogen und die Boote aus dem Gefahrenbereich zurückgezogen worden. Bereits am Wochenende konnte die 40-Etagen-Förderinsel zeitweilig stabilisiert werden, hatte sich aber am Montag weiter geneigt. Insgesamt hätten knapp 3 000 Tonnen Wasser aus der Bohrinsel gepumpt werden müssen.

Nach Angaben der brasilianischen Umweltschutzbehörde Ibama wurden am Dienstag kleinere Öl-Teppiche entdeckt, das Risiko für die Umwelt sei aber gering. Der Konzern errichte Barrieren, um das Öl einzudämmen, sagte ein Sprecher der Behörde. Ein Sprecher von Petrobras sagte, der Konzern habe genügend Boote und Ausrüstung vor Ort, um eine Umwelt-Katastrophe zu verhindern. Auch ein Sprecher des World Wildlife Fund for Nature (WWF) in Brasilien zeigte sich nicht übermäßig besorgt. Das betroffene Gebiet sei nicht besonders artenreich und die Strömung führe nicht auf die Küste zu, sagte der Sprecher.

Auf der Öl-Förderinsel hatte es am Donnerstag drei heftige Explosionen gegeben, zehn der 175 Besatzungsmitglieder wurden getötet. Die Anlage war seitdem in Schieflage. Ihr Neigungswinkel war zeitweise fast dreimal so groß wie der des Schiefen Turms von Pisa. Bislang konnte erst ein Opfer geborgen werden.

350 Mill. $ Schaden

Die Ursache der Explosionsserie auf der 350 Mill. $ (knapp 760 Mill. DM) teuren Anlage ist noch immer unklar. Die Gewerkschaften der Ölarbeiter hatten am Montag für mehr Sicherheit auf den Öl-Förderinseln im Campos-Becken protestiert. Sie kündigten an, dass auf den 50 Bohrinseln des Beckens nur jene Arbeiter blieben, die unbedingt benötigt würden. "Der Protest ist für das Leben, für Gesundheit, Sicherheit und im Andenken an die verlorenen Kollegen", sagte Fernando de Carvalho von der Vereinigten Ölarbeiter-Gewerkschaft.

Die Anlage der Petrobras förderte täglich 80 000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Roh-Öl, 5 % der Gesamt-Fördermenge Brasiliens. Am Ende des Jahres sollte sie eine Fördermenge von 110 000 Barrel erreichen. Die Anlage war für eine Kapazität von 180 000 Barrel Roh-Öl ausgelegt.

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