Geringes Wachstum 2003 erwartet
Duisenberg rudert zurück

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet nach den Worten von EZB-Chef Wim Duisenberg für 2003 ein geringes Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone nach einer schrittweisen Erholung im zweiten Halbjahr.

Reuters ZÜRICH. EZB-Ratsmitglied und Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sieht derweil unter Umständen Spielraum für weitere Zinssenkungen. Beide Notenbanker wiesen am Montag zugleich Befürchtungen zurück, in der Euro-Zone könne es zu einer konjunkturdämpfenden Deflation kommen.

Duisenberg wollte sich nicht darauf festlegen, ob die Wirtschaft im Euro-Raum 2003 um die von der EZB bislang prognostizierte Rate von rund einem Prozent wachsen wird. Bei einer Veranstaltung in Zürich sprach er indes von gestiegenen Chancen, "dass die Phase des langsamen Wirtschaftswachstums allmählich zu Ende geht". Zwar gebe es weiterhin einige "Abwärtsrisiken", die eine deutliche und schnelle konjunkturelle Belebung unwahrscheinlich machten. Dennoch gehe die EZB von einer allmählichen Erholung in diesem und im kommenden Jahr aus. Vor Journalisten ergänzte der EZB-Chef, er erwarte eine stagnierende Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr und eine Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte.

Welteke deutete in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagausgabe) die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen an. "Wenn diese Entwicklung bei Wechselkursen, Öl und Konjunktur anhält, dann kann es sein, dass sich zusätzlicher Spielraum für geldpolitische Maßnahmen eröffnet" sagte er und stellte zugleich klar: "Wir würden die Zinsen aber nicht senken, weil wir glauben, dass die EZB die Konjunktur steuern könnte, sondern weil wir die Risiken für die Inflationsentwicklung geringer einschätzen, als es aktuell der Fall ist." Welteke äußerte sich zugleich vorsichtig zu den wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland. "Wir sind nicht in einer Rezession. Ich will aber nicht ausschließen, dass wir in eine noch schwierigere Situation hineinkommen," sagte er.

Zinssenkung im Juni erwartet

Im März hatte die EZB ihren Schlüsselzins auf 2,5 % reduziert. An den Finanzmärkten wird weitgehend mit einer weiteren Lockerung um 25 Basispunkte im Juni gerechnet. Der EZB liefern Volkswirten zufolge derzeit mehrere Faktoren Spielraum für eine Zinssenkung. So sind die Wachstumsraten in der Euro-Zone weiterhin schwach. Im ersten Quartal stagnierte die Wirtschaft im Währungsraum sogar. Der kräftige jüngste Euro-Anstieg belastet ferner nicht nur die Geschäfte der europäischen Exporteure und damit die Konjunkturaussichten, sondern er dämpft über die niedrigeren Importpreise indirekt auch den Preisauftrieb. Zusätzlich verringern die gesunkenen Energiekosten den Inflationsdruck, so dass eine geldpolitische Lockerung mit dem vorrangigen EZB-Ziel der Preisstabilität vereinbar sein könnte.

Sowohl Duisenberg als auch Welteke sehen nach eigenen Worten nicht die Gefahr einer Deflation in Europa. Dort steige schließlich noch immer die um Energiepreise bereinigte Inflationsrate, wurde der Bundesbank-Präsident von der Zeitung zitiert. Der IWF hatte am Wochenende angesichts der Wachstumsschwäche das Risiko einer Deflation in Deutschland als hoch eingestuft. Auch in den USA verstärkten zuletzt schwache Preisdaten Befürchtungen, in der weltweit größten Volkswirtschaft könne es zu einer fatalen Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und abnehmender Nachfrage kommen, die die erhoffte Konjunkturerholung gefährden würde.

Beide Notenbanker äußerten sich zugleich gelassen zu den jüngsten Kursgewinnen des Euro. Ein starker Euro spiegele die wirtschaftlichen Fundamentaldaten wider, bekräftigte Duisenberg. Zur Währungspolitik der USA merkte er an: "Ich habe gelesen, dass sie neu definiert haben, was ein starker Dollar ist. Das werde ich ihnen überlassen." Der Dollar hatte zuvor zu anderen führenden Währungen kräftig an Wert verloren, nachdem US-Finanzminister John Snow am Wochenende bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus der Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) die jüngsten Wechselkursbewegungen als "recht moderat" bezeichnet hatte. An den Devisenmärkten war dies als Hinweis darauf gewertet worden, dass die US-Regierung derzeit mit dem schwächeren Dollar-Kurs zufrieden sei.

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