"Gerissene Finanzberater"
US-Börsenaufsicht untersucht Geschäfte von Terroristen

US-Experten trauen dem von den USA als Hauptverdächtiger für die Anschläge in New York und Washington bezeichneten Osama bin Laden und seinen Finanzberatern zu, aus den Terrorakten finanziell Profit geschlagen zu haben.

Reuters WASHINGTON. "Ausgehend von den Kenntnissen, die wir über die Abwicklung von finanziellen Geschäften bin Ladens über seine verschiedenen Organisationen haben, halten wir ihn für clever genug, um etwas in dieser Art zu tun", sagte Kimberly McCloud, Research Associate beim kalifornischen Monterey Institute of International Studies am Dienstag. Die Wertpapieraufsichtbehörden in verschiedenen Ländern hatten angekündigt, deutliche Kursbewegungen vor den Terroranschlägen in den USA auf eine mögliche Verbindung zu den Attacken hin zu untersuchen.

Dabei geht es um Marktteilnehmer, die möglicherweise Geschäfte mit Insider-Wissen getätigt haben. So könnte es etwa verstärkt zu so genannten Short-Verkäufen (short selling) gekommen sein, bei denen Marktteilnehmer Aktien verkaufen, die sie gar nicht besitzen. Dazu leiht sich der "Leerverkäufer" die entsprechenden Papiere, die er später dann zu deutlich günstigeren Kursen am Markt erwirbt und dem Verleiher zurückgibt. Bei dieser auf fallende Kurse setzenden Strategie können sehr hohe Profite erzielt werden.

Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, hatte dem "Wall Street Journal" (Montagausgabe) gesagt: "Wir haben diese Berichte über terroristisches Engagement in unseren Märkten vernommen (...) Unsere Untersuchungsabteilung hat eine Reihe von Transaktionen im Markt untersucht, die in einen Zusammenhang mit diesen schrecklichen terroristischen Akten in Verbindung gebracht werden könnten, die Verdächtigen dieser Spekulationen eingeschlossen." Weitere Kommentare zu den Untersuchungen gab es von der SEC nicht.

Ungewöhnliche Kursbewegungen werden untersucht

Auch das deutsche Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BaWe) hatte nach den Anschlägen damit begonnen, deutsche Aktienkurse auf ungewöhnliche Bewegungen hin zu überprüfen. "Wir schauen uns routinemäßig die Kurse verschiedener Aktien an", sagte eine BAWe-Sprecherin am Montag. Für Insidergeschäfte gebe es bisher aber "keine konkreten Hinweise". Vor allem über Spekulationen auf fallende Aktienkurse der direkt betroffenen Branchen wie Versicherungen und Fluggesellschaften war in den Medien berichtet worden. Die japanische Wertpapieraufsichtsbehörde hatte bereits vergangene Woche angekündigt, ungewöhnliche Aktivitäten im Handel an den Börsen Tokio und Osaka zur Zeit der Anschläge mit Blick auf bin Laden zu prüfen.

"bin Laden hat einige gerissene Finanzberater. Ob sie die Fähigkeit haben, short selling durchzuführen? Das erfordert hohe intellektuelle Kenntnisse. Ich habe aber keinen Zweifel, dass er Verbindungen mit Leuten hat, die dazu fähig sind", sagte Steven Emerson, Chef des Investigative Project, einem Institut für antiterroristische Forschung in Washington. "Sein Netzwerk besteht aus mehr als rohen, Waffen tragenden Terroristen. Da sind sehr gebildete Leute dabei", sagte Emerson mit Blick auf bin Laden.

Der aus Saudi-Arabien stammende radikale Islamistenführer Osama bin Laden wird von den USA als Hauptverdächtiger für die Terror-Anschläge am vergangenen Dienstag genannt. bin Laden selbst hatte die Verantwortung dafür zurückgewiesen.

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