Gerling zur Abgabe der Mehrheit bereit
Mehrere Bewerber für Gerling-Mehrheit

Die Deutsche Bank steht beim Kölner Gerling-Konzern kurz vor ihrem Ziel - dem Ausstieg. Es ist bloß noch eine Frage der Zeit, wann der traditionelle Industrieversicherer ganz oder in Teilen verkauft wird.

rl/rob DÜSSELDORF. Als mögliche Bewerber werden hinter den Kulissen die Münchener Rück, Swiss Re und die französche Scor genannt.

Die Deutsche Bank hält 34,5 % der Anteile an der viertgrößten deutschen Versicherungsgruppe. Der Rest ist in Familienbesitz. Beide Seiten bestätigten am Wochenende nach langem Hin und Her, einen strategischen Partner zu suchen. Offiziell hieß es: "Rolf Gerling und die Deutsche Bank sind bereit, dem neuen strategischen Partner - zusammen mit dem Anteil der Deutschen Bank - an der Holding des Konzerns, der GKB, die Mehrheit zu verschaffen." Die Deutsche will also komplett aussteigen und Gründerenkel Rolf Gerling so weit wie erforderlich.

Bisher hatte Rolf Gerling sich stets geweigert, das Erbe seiner Vorfahren zu veräußern. Es wird gar gemunkelt, sein Vater habe ihm das ins Testment geschrieben. Die Deutsche Bank hat sich jedenfalls länger in Geduld üben müssen als ihr lieb war. Doch jetzt hatte Rolf Gerling offenbar keine andere Wahl mehr. Die Rettung des von Großschäden gebeutelten Versicherers ist ihm zu teuer geworden.

Als mögliche Käufer werden sowohl in Bank- als auch Versichererkreisen vor allem Rückversicherer genannt. Das mag damit zusammen hängen, dass die Schieflage der Gerling-Rück den Konzern in die aktuelle Krise gebracht hat. Schließlich würde ein Verkauf der Gerling-Globalen Rück genügen, um der Deutschen Bank den lang ersehnten Verkauf ihrer 34,5 %-Beteiligung zu ermöglichen. Immerhin macht Gerling 48 % seines Umsatzes von 10,3 Mrd. Euro in der Rückversicherung.

Nach der jüngsten Bewertung des Konzerns mit 6,7 Mrd. Euro (auf Basis der letzten Kapitalerhöhung) hätte der Rückversicherungsbereich entsprechend einen geschätzten Wert von rund 3 Mrd. Euro.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank die Globale-Rück mit ihrer jüngsten Kapitalspritze "verkaufsfähig" gemacht hat. Ohne die erneute Kapitalerhöhung in Höhe von 300 Mill. Euro wäre das S&P-Rating von "A-" in Gefahr geraten. Das ist für Rückversicherer aber existenziell. Günstig für einen Verkauf: Die Margen im Rückversicherungsgeschäft ziehen seit den Terror-Attacken in den USA wieder an. Auf der anderen Seite vermuten Fachleute bei der Gerling-Rück-Tochter Constitution Re in den USA noch Asbest-Altlasten. In den Vereinigten Staaten läuft gerade die dritte Welle der Nachreservierung dieser Alt-Schäden. Ein Käufer könnte das Problem allerdings elegant aus der Welt schaffen: Der Rückversicherungsmarkt bietet dafür so genannte ADC-Policen an - gegen "unvorhergesehene Entwicklungen".

Spekulationen, Weltmarktführer Münchener Rück oder Vize Swiss Re könnten an Gerling interessiert sein, halten sich in Bankkreisen hartnäckig. Wenngleich Versicherer zu bedenken geben, dass hiesige Zukäufe den großen europäischen Rückversicherern nichts brächten, weil sie alle die gleichen Kunden und somit Risiken haben. Das gilt im Übrigen für das ganze Industriegeschäft. Sinn mache es allenfalls für Ausländer, wie XL oder andere Bermuda-Rückversicherer, die nach Europa strebten.

Als ernst zu nehmender Kandidat wird auch die französische Scor gehandelt. Sie rangiert mit einem Prämienvolumen von knapp 5 Mrd. Euro an siebter Stelle in der Welt. Ihr Chef Jacques Blondeau wird nicht müde in Interviews zu betonen, Scor sei zu klein. Er soll bereits mit Gerling gesprochen haben. Scor ist an der Börse derzeit 1,5 Mrd. Euro wert. Französische Konzerne haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie auch größere Konkurrenten übernehmen können. Allerdings geschah dies noch zu Zeiten, als ein positives Börsenklima Übernahmen noch erleichterte.

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