Germania Express startet mit 17 Flugzeugen
Nächster Billigflieger hebt ab

Die Berliner Fluggesellschaft Germania macht Ernst mit ihrem Ausbau des Billigfluggeschäfts in Deutschland: "Wir werden bis Ende des Jahres 17 Fokker-Maschinen in der Luft haben", sagte Jürgen Branse, Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft Germania Express, dem Handelsblatt.

AACHEN. Das Unternehmen wird seinen Betrieb am 1. Juni mit zunächst fünf Flugzeugen von Berlin-Tegel aus aufnehmen und dabei Einheitspreise für jede Strecke anbieten. Neben europäischen Business-Metropolen stehen auch Sonnenziele wie Mallorca, Ibiza und Nizza im Fokus, die ab 77 Euro pro einfacher Strecke angeboten werden. Mit je fünf Flugzeugen will das Unternehmen noch in diesem Jahr auch in München, Hamburg und Stuttgart vertreten sein, kündigte Branse eine rasche Expansion an. Auch den Standort Düsseldorf habe Germania Express im Visier.

Neben Air Berlin, DBA, Germanwings, Hapag Lloyd-Express sowie der irischen Ryanair ist Germania Express bereits die sechste Fluglinie, die deutsche Konsumenten in großem Stil mit Billigtarifen anlocken will. Dabei warnen Luftfahrtexperten seit geraumer Zeit vor einem drastischen Überangebot von Billigflügen: "Zurzeit herrscht noch Goldgräberstimmung", sagt Dieter Schneiderbauer von Mercer Management Consulting. "Doch langfristig werden nur zwei bis drei große Billigfluglinien in Europa überleben."

Germania Express, Kurzname Gexx, versucht es dennoch. Bisher flog das Unternehmen um Gründer und Eigentümer Hinrich Bischoff in erster Linie Urlaubsgäste für große Touristikunternehmen. Für das Sommergeschäft 2003 hat der langjährige Partner Tui jedoch erstmals keine Aufträge an mehr an Germania vergeben. Bischoff, der die meisten seiner rund 40 Flugzeuge an verschiedene Airlines verleast hat, drängt nun ins Billigfluggeschäft. Dafür hat der Germania-Chef 17 gebrauchte Fokker-100-Flugzeuge von der schwer angeschlagenen US Airways erworben - "für gerade mal 2,7 Mill. Euro pro Stück", wie Gexx-Geschäftsführer Branse betont. Das Unternehmen habe zudem Optionen zum Kauf weiterer 100-Sitzer in der Tasche.

Der frühere Tui-Manager Branse soll bei Gexx sein touristisches Know-How einbringen und vor allem an der großen Schwachstelle des Unternehmens arbeiten: dem Vertrieb. Während Billigflieger wie Germanwings oder Hapag Express-Lloyd viele Millionen in die Werbung steckten, um Bekanntheit aufzubauen, ist Germania bisher "eine versteckte Marke, die kaum einer kennt", so Unternehmensberater Schneiderbauer.

Immerhin hat der als knauserig bekannte Germania-Chef Bischoff für den Rest des Jahres 4 Mill. Euro genehmigt, um für den Start von Gexx zu trommeln. Viele in der Branche sind jedoch skeptisch, ob die Mühe reicht, um gegen die großen Reisekonzerne Lufthansa und Tui samt ihrer Ferien-Airlines Thomas Cook (früher Condor) und Hapag-Lloyd anzufliegen. Branse hält dagegen und verweist auf die "mit Abstand niedrigste Kostenstruktur" unter deutschen Billigfliegern. "Eine Tochter von Tui oder Lufthansa kann nicht annähernd so billig fliegen wie wir."

Doch die Berliner können mit einem 88-Euro-Einheitspreis nur dann profitabel nach Ibiza fliegen, wenn die Jets auch gut ausgelastet sind. Bisher klappte das mehr schlecht als recht: Germania bietet seit November Palma-Flüge sogar für 55 Euro an und hat dennoch Probleme, die Flugzeuge zu füllen. Kein Wunder, sagt Schneiderbauer: "Durch Zufall kommen die Passagiere nicht zum Buchen auf die Website: Dazu brauchen sie schon einen starken Vertrieb."

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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