Germanischer Lloyd hat ein Regelwerk vorgelegt
Ein Risiko bleibt immer

Das Schreckgespenst an den deutschen Küsten hat seit dem 25. Oktober 1998 einen Namen: Pallas. 50 Kilometer vor der dänischen Nordseeküste gerät damals der mit Holz beladene Frachter in Brand. Das Unglück ist nicht mehr aufzuhalten.

DÜSSELDORF. Die Bilanz der Havarie: ein toter Matrose, Schadenshöhe 12,15 Mill. Euro, 75 Tonnen ausgelaufenes Schwer- und Dieselöl, was nach Angaben des Nationalparks Wattenmeer zum Tod von schätzungsweise 16 000 Eider-und Trauerenten führt - das bisher größte durch Öl bedingte Vogelsterben an deutschen Küsten.

Reinhard Kaib kennt all diese Zahlen. Genau deshalb wird der Leiter des Ordnungsamtes von Borkum unruhig bei Vorstellung, das vor der ostfriesischen Insel mehrere große Offshore-Windparks geplant sind: "Die Planungen werden in einem Gebiet durchzogen, in dem weltweit mit die meisten Schiffsbewegungen stattfinden, so dass jedes weitere feste Hindernis wie eine Windturbine das Kollisionsrisiko erhöht."

Die Insulaner haben deshalb Ende Mai Widerspruch gegen den vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie im vergangenen Spätherbst genehmigten Pilotpark der Prokon Nord GmbH rund 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum eingelegt. Reinhard Kaib: "Wenn es wirklich zu dem ,worst case? kommt, und ein Tanker Hunderte Tonnen von Öl verliert, können wir hier einpacken." Rund 2,2 Millionen Urlaubs- und Kurgäste zählt das Eiland jedes Jahr.

Ein "Risiko null" gibt es nicht

Bei der sich abzeichnenden Genehmigung von weiteren Windparks auf See gewinnt die Frage, ob die Offshore-Propeller die Sicherheit der Seeschifffahrt gefährden, immer mehr an Bedeutung. Wie schon bei der Diskussion um die ökologischen Auswirkungen treffen auch hier zwei Fronten aufeinander.

Malen beispielsweise Tourismus- und Naturschutzverbände an der Küste Szenarien wie das Desaster der 1978 vor der bretonischen Küste gesunkenen Amoco Cadiz mit einer Ladung von 220 000 Tonnen leichtem Rohöl an die Wand, sprechen Windkraftbefürworter von einem beherrschbaren Risiko, das nicht größer oder kleiner ist, wie bei allen technischen Einrichtungen. Letztlich geht es bei dieser Debatte um eine Frage sagt Frank Richert, der bei der GEO-Gruppe im nordfriesischen Enge-Sande die Offshore-Projekte betreut: "Welche Zahl von Unfällen ist unsere Gesellschaft bereit zu akzeptieren, der die Offshore-Parks bei ihren Anstrengungen helfen, den Treibhauseffekt einzudämmen." Denn eins sei klar, ein "Risiko null" gebe es bei den maritimen Windfarmen nicht.

Die Diskussion steht erst am Anfang

Diese Einschätzung hat auch Hans Gerd Knoop, Geschäftsführer der Gesellschaft für Angewandten Umweltschutz und Sicherheit im Seeverkehr mbH (Gauss) mit Sitz in Bremen. Er hält aber die Ängste der Borkumer und der anderen Inselgemeinden für überzogen: "Sicherlich sind Windturbinen auf dem Meer neue ortsfeste Hindernisse, aber die Gefahr, dass es durch den Zusammenprall eines Schiffes mit einer Offshore-Turbine zu schwerwiegenden Umweltfolgen kommt, halte ich für sehr gering." Dass die Schiffe auf Kurs bleiben, dafür sorgen nicht nur die dichte Radarüberwachung, sondern auch über 60 Überwachungsboote von der Wasserschutzpolizei, dem Zoll oder dem Bundesgrenzschutz, die ständig durch die Deutsche Bucht pflügen.

Die Diskussion um das Thema Schiffssicherheit und Offshore-Windparks steht erst am Anfang. So hat jüngst der Germanische Lloyd (GL) eine "Richtlinie zur Erstellung von technischen Risikoanalysen für Offshore-Windparks" vorgelegt. Das erst vor wenigen Wochen erstellte Regelwerk berücksichtigt auf mehreren Seiten auch das Thema Schiffssicherheit. GL-Direktor Bernhard Richter: "Unsere Richtlinie wird sicherlich eine Entspannung bei den künftigen Genehmigungsverfahren bringen."

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