Gerster wünscht sich Seiteneinsteiger
Konjunktur belebt Arbeitsmarkt erst ab Sommer

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im März gegenüber Februar um 140 000 auf 4,16 Millionen Personen zurückgegangen. Auch saisonbereinigt signalisieren die Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) auf den ersten Blick Hoffnung: Sie gingen erstmals seit Ende 2000 zurück.

ari/sch DÜSSELDORF/NÜRNBERG. Für Florian Gerster, den neuen Chef der Bundesanstalt für Arbeit, sind diese Zahlen aber beileibe kein Grund zur Zufriedenheit. Die Besserung sei dem guten Wetter im März und der üblichen Frühjahrsentspannung auf dem Arbeitsmarkt zu verdanken, jedoch keineswegs der Konjunktur, dämpfte er zu hohe Erwartungen.

Mehr noch: Erst im zweiten Halbjahr, so Gerster, wird der Arbeitsmarkt auch von der erwarteten wirtschaftlichen Belebung erfasst. Bis dahin gibt es nur die jahreszeitübliche Reduzierung der Arbeitslosenzahlen. Nach dieser nüchternen Prognose Gersters wird die rot-grüne Berliner Koalition wohl kaum rechtzeitig vor der Bundestagswahl am 22. September mit einer nachhaltigen Erholung auf dem Arbeitsmarkt rechnen können.

Ganz anders bewerteten Bundesarbeitsminister Walter Riester und Finanzminister Hans Eichel die Situation: Sie hoffen auf Grund der günstigeren Wachstumsprognosen nach wie vor, dass sich der Arbeitsmarkt rasch beleben wird. Die Opposition erklärte die Arbeitsmarktpolitik der Regierung dagegen für endgültig gescheitert.

Aktivieren, vermitteln, fördern

Gerster hat bei seinem ersten Auftritt als BA-Chef Zeichen gesetzt: Er präsentierte das Zahlenmaterial zum Arbeitsmarkt in neuer Form, die Grafik der Arbeitsmarktentwicklung, die seit Jahrzehnten an der Wand des BA-Konferenzsaales hing, verschwand in der Asservatenkammer. Stattdessen verkündigte ein Plakat das Motto des neuen BA-Chefs: aktivieren, vermitteln, fördern.

Gerster setzt zudem auf frischen Wind von draußen. Im Kreuzverhör der Journalisten sprach er sich für Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft in die Arbeitsverwaltung aus und gegen Positionen, "die für Beamte reserviert sind". Die Bundesanstalt - die er am liebsten in Bundesagentur umbenennen will - will er flexibler und letztlich schlanker gestalten. Die privaten Vermittler sollen als "Stachel im Fleisch" der Arbeitsverwaltung für einen "echten Wettstreit" sorgen.

Der 52-jährige frühere rheinland-pfälzische Sozialminister wirkte bei seinem Debüt in Nürnberg souverän, informiert und kompetent. Die Arbeitsmarktbilanz für März zog Gerster ohne Redemanuskript, für seine kurzen und präzisen Antworten benötigte er keine Referentenhilfe.

Zurückhaltung in Ton und Inhalt legte sich Gerster hingegen bei seinen Zukunftsvisionen für den Umbau der Bundesanstalt auf - mit ihnen hatte er schon vor seinem Amtsantritt in Nürnberg für Wirbel gesorgt.

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