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Gersters erster Auftritt verlief überraschend unauffällig

Die vertraute Tafel mit den üblichen Grafik zur Arbeitslosenzahl ist verschwunden. Stattdessen hat Florian Gerster ein Schild mit der Aufschrift "Aktivieren - Vermitteln - Fördern" aufhängen lassen. Der neue Chef der Bundesanstalt für Arbeit will bei seinem ersten offiziellen Auftritt am Dienstag auch optisch deutlich machen, wo er die künftigen Aufgaben der Behörde sieht, die er im Auftrag von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) reformieren soll.

dpa NÜRNBERG. Erstaunlich schnell hat sich der 52-jährige SPD-Politiker nach dem Eindruck von Beobachtern in die komplizierte Arbeitsmarkt-Materie eingearbeitet. Er verzichtet auf ein Redemanuskript, spricht über weite Strecken frei und zeigt sich auch im fast 40-minütigen "Kreuzverhör" durch die Journalisten souverän, beantwortet jede Frage selbst.

Dabei überwiegen die leisen Töne. Was er als erstes ändern wolle? Man müsse "ergebnisoffen" diskutieren und die Vorschläge der Reformkommission abwarten, weicht Gerster aus. Auch die Frage, ob - ein oft geäußerter Vorwurf - in Nürnberg denn nun ein zentralistischer "Wasserkopf" angesiedelt sei, beantwortet er diplomatisch: "Zentrale Lösungen sind nicht immer etwas Schlechtes." Für die 1 000 Mitarbeiter der Hauptverwaltung hat er stattdessen Lob parat: "Sehr viel Sachverstand und Problembewusstsein" habe er angetroffen, wenn auch die "Strukturen nicht optimal" seien. Gerster ist vorsichtiger geworden, nachdem ihm forsche Äußerungen nach seiner Berufung im Februar prompt deutliche Kritik auch aus den eigenen Reihen eingebracht hatten.

Für die Reform der "Bundesagentur für Arbeit", wie sie nach Gersters Willen künftig heißen soll, bringt der 52-Jährige gute Voraussetzungen mit. Gerster steht für Fleiß, Disziplin und unkonventionelles Denken. Mit dem "Mainzer Modell" zur Subventionierung von Billig-Jobs machte er sich als Sozialminister in Rheinland-Pfalz bundesweit einen Namen.

Der aus Worms stammende Arztsohn ist der ältere Bruder der ZDF - Moderatorin Petra Gerster und Vater zweier Töchter. Sein Studium der Psychologie und Betriebswirtschaftslehre schloss er 1975 als Diplom- Psychologe ab. Von 1981 bis 1991 war er als freiberuflicher Personalberater tätig. Seine politische Karriere kam in Fahrt, als er 1987 in den Bundestag einzog. 1991 wurde er in Mainz zunächst Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, drei Jahre später dann Sozialminister.

Nach dem großen Aufsehen um seine Berufung verlief Gersters Amtsantritt in Nürnberg überraschend unauffällig. "Ich bin nicht durch den Hintereingang reingeschlichen", verteidigt sich der BA - Chef, "aber ich wollte auch keinen großen Bahnhof." Erst auf eine Journalistenfrage hin erwähnt Gerster schließlich kurz den Namen seines langjährigen Vorgängers Bernhard Jagoda, den er kurz vor Ostern in Mainz getroffen habe: "Ich bin froh, dass unser persönliches Verhältnis aus meiner Sicht unverändert positiv ist."

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