Gerüchte schneller als Virus: Maulkorb für Chinas Behörden

Gerüchte schneller als Virus
Maulkorb für Chinas Behörden

Chinesische Gesundheitsbehörden haben einen Maulkorb verpasst bekommen, um das wahre Ausmaß der Lungenentzündungs-Epidemie nicht zu enthüllen.

dpa PEKING. In der südchinesischen Region Guangxi, die direkt an die seit November schwer betroffene Provinz Guangdong grenzt, sagte am Donnerstag ein Verantwortlicher des Gesundheitsamtes: "Uns wurde gesagt, nichts über die Epidemie zu berichten. Wir trauen uns nicht, etwas zu sagen."

In Guangxi habe es im Februar schon Panik gegeben, als die Epidemie im benachbarten Guangdong, wo mindestens 800 Menschen erkrankt und 31 gestorben sind, einen Höhepunkt erreicht hatte. Der Funktionär fügte hinzu: "Wir sollen alle das gleiche sagen. Wenn einer die Nachricht heraus lässt, können wir nicht die Verantwortung übernehmen."

Bei solchen Epidemien müssten ohnehin alle Informationen über die Zentralregierung laufen. Doch das Gesundheitsministerium in Peking wiegelte Anfragen brüsk mit dem Hinweis ab: "Wir geben keine Interviews." Dabei ist genau dieses Ministerium für alle Auskünfte zuständig, wie der Sprecher des Außenministeriums, Kong Quan, auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz beharrlich wiederholte.

Der ungeduldigen Presseschar, darunter eine Journalistin mit Mundschutz, las Kong Quan aus einer Vorschrift zur Vorbeugung gegen ansteckenden Krankheiten gute Ratschläge vor. Dass frische Luft helfe. Angemessene Kleidung könne Erkältungen verhindern. "Mit körperlicher Bewegung bleibt man gesund." Große Menschenansammlungen sollten vermieden werden. Vielleicht sollte die Pressekonferenz unter freiem Himmel abgehalten werden, scherzte Kong Quan.

Ernster spricht Kong Quan von "entschieden Maßnahmen", ohne aber konkreter zu werden, und entgegnet Zweiflern: "Ich glaube, dass die Gesundheitsbehörden diese Krankheit nicht verstecken." Doch in einer Umfrage in den Provinzen sagte ein Funktionär des Gesundheitsamtes in Hubei: "Die Regierung hat uns verboten, Nachrichten über die Epidemie herauszugeben." In Jiangxi hieß es rüde: "Wir beantworten keine Anfragen." In Qinghai sagte ein Funktionär: "Das ist eine heikle Frage." In mehr als einem Dutzend anderer Provinzen lautete die Antwort eher einsilbig: "Wir haben keine Krankheitsfälle".

Wo Informationen fehlen, sind Gerüchte schneller als das Virus. Die Furcht geht um. Die Lungenentzündungen sind Stadtgespräch in Peking. Viele wollen von mehr Fällen in Krankenhäusern als offiziell zugegeben wissen. Doch selbst im nationalen Zentrum zur Vorbeugung gegen ansteckende Krankheiten konnte ein Experte nicht sagen, wie sich Ärzte und Krankenschwestern schützen können. In Taiyuan in der Provinz Shanxi in Nordchina, wo vier Fälle offiziell bestätigt wurden, haben einige Lungenärzte lieber erstmal Urlaub genommen, als Patienten behandeln zu müssen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%