Gerüchte über Entziehungskur
Jan Ullrich laufen die Sponsoren davon

Rad-Olympiasieger Jan Ullrich muss für sein Doping- Vergehen immer teurer bezahlen. Sein Manager Wolfgang Strohband bestätigte am Mittwoch, dass der bisherige Sponsor Adidas die Zusammenarbeit mit dem 28-Jährigen beendet. Zugleich kündigte Strohband die Rückkehr von Ullrich nach Deutschland für die kommenden ein bis zwei Wochen an.

HB BERLIN. Nur eine Woche nach Verkündung seiner Sperre bis zum 23. März 2003 bleiben dem jahrelang umjubelten Radsportstar nun gerade noch zwei seiner vier persönlichen Werbepartner. "Wir wünschen ihm für die Fortsetzung seiner sportlichen Karriere alles Gute": Mit diesem Satz schließt die Presseerklärung von Adidas, die das Ende der Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung bestätigte. Damit bleiben dem nach seinem spektakulären Doping-Eingeständnis am 6. Juli in den USA abgetauchten Olympiasieger vorerst nur noch laufende Einnahmen aus zwei Werbeverträgen mit den Firmen Nestle (Wasser) und Schwartau (Müsliriegel) über geschätzte insgesamt rund 500 000 ? pro Jahr.

Der bis 2006 befristete Kontrakt mit Adidas soll Ullrich Einnahmen von 300 000 ? jährlich beschert haben. Insgesamt verliert er damit 1,2 Mill. ?. Strohband zeigte sich von dem Ausstieg des Sportartikel-Herstellers nicht überrascht: "Das war mir klar. Adidas muss einen klaren Standpunkt vertreten, weil sie mit Sportlern arbeiten."

Noch vor wenigen Tagen hatte der Manager betont, er erwarte keine grundsätzlichen Änderungen bei den Vertragskonditionen mit den Sponsoren. Daran hielt er fest und verwies zur Begründung auf positive Gespräche mit den übrigen Geldgebern. Strohband kündigte an, in Kürze konkrete Ergebnisse zu verkünden und hielt sogar ein erneutes Engagement bei Adidas für möglich: "Ich gehe davon aus, dass es ein neues Gespräch geben wird, wenn Jan wiederkommt."

Durch Verträge mit Sponsoren sollen bisher zusätzlich rund 2,5 Mill. ? in Ullrichs Kasse geflossen sein. Nach der Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Amphetamin bei einem Disco-Besuch und der halbjährigen Sperre bis zum 23. März ruht derzeit auch der 2003 endende Vertrag mit dem Team Telekom. Ullrich soll dadurch geschätzte Einbußen von mindestens 100 000 ? im Monat erleiden.

Adidas bleibt allerdings Co-Sponsor des Teams Telekom: "Daran ändert sich nichts", bestätigte Pressesprecher Oliver Brüggen. Die Trennung von Ullrich "nach langjähriger und erfolgreicher Partnerschaft" wurde mit dessen positiver Dopingprobe vom 12. Juni (Amphetamin) begründet: "Adidas bezieht eindeutig Position zum Thema Doping und Drogenmissbrauch. Wir distanzieren uns von jeglichen Dopingaktivitäten." Man beendete deshalb die Zusammenarbeit mit dem Mann, der "dem deutschen Sport viele glanzvolle Momente beschert hat".

Der am Knie verletzte Tour-de-France-Sieger von 1997 war am Rande der am Sonntag beendeten Frankreich-Rundfahrt mit dem dänischen Rennstall TSC Tiscali in Verbindung gebracht worden. Dort wirkt der ehemalige Telekom-Kapitän Bjarne Riis seit zwei Jahren als Teamchef. Riis und Strohband hatten miteinander gesprochen. Zu den Gerüchten über einen möglichen Wechsel meinte Strohband am Mittwoch jedoch: "Das sind alles nur Spekulationen der Medien. Wir diskutieren mit Telekom über eine Vereinbarung, wie es weitergehen kann." Regelrecht erbost zeigte er sich über Vermutungen, Ullrich könnte sich derzeit einer Entziehungskur unterziehen: "Das ist völliger Blödsinn."

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