Gerüchte über Notfallplan zurückgewiesen: Schröder schaltet sich in Bankenkrise ein

Gerüchte über Notfallplan zurückgewiesen
Schröder schaltet sich in Bankenkrise ein

Der Kanzler traf sich zu einem vertraulichen Gespräch mit Spitzenmanagern der Kreditinstitute. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, wie die Branche die schwierige Lage meistern kann.

HB BERLIN/FRANKFURT/M. Die Krise der deutschen Banken ruft jetzt die Bundesregierung auf den Plan. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesfinanzminister Hans Eichel suchten bei einem Treffen mit den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft nach Wegen, die überaus schwierige Lage der Branche zu meistern. Das erfuhr das Handelsblatt aus Bankenkreisen.

Regierungssprecher Bela Anda bestätigte, das Treffen habe stattgefunden. Über den Inhalt des Spitzengesprächs wollte er jedoch nichts sagen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wies Gerüchte zurück, Regierung und Banken arbeiteten bereits an einem konkreten Notfallplan bei Bankenkonkursen.

Nach Informationen des Handelsblatts nahmen an dem Treffen neben Schröder und Eichel Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Dresdner-Chef Bernd Fahrholz, DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner, Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, Hypo-Vereinsbank-Chef Dieter Rampl und West-LB-Chef Jürgen Sengera teil.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) bemühte sich, die Bedeutung des Treffens herunterzuspielen: "Es gibt keinen Anlass, über eine Krise der Banken in Deutschland zu spekulieren. Das deutsche Bankensystem ist - ungeachtet aktueller Ertrags- und Kostenprobleme - im Kern stabil. Diese Auffassung teilt der Bankenverband mit der Deutschen Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die dies mehrfach öffentlich bekundet haben. Es wäre unverantwortlich, jenseits der Fakten eine Krise herbeizureden", sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber dem Handelsblatt.

Die Kreditinstitute kämpfen mit massiven Ertrags- und Strukturproblemen. Hohe Wertberichtigungen auf faule Kredite, die Börsenflaute und massive Kostenprobleme belasten die Bilanzen der meisten Institute. Erst gestern schockte die Hypo-Vereinsbank (HVB) mit einem überraschend hohen Verlust für das Jahr 2002. Sie schreibt damit erstmals in ihrer Geschichte rote Zahlen. Das Minus vor Steuern erreichte 821 Mill. Euro und fiel damit doppelt so hoch aus wie von Analysten befürchtet. Bankchef Rampl sprach vom "schwierigsten und schlechtesten Geschäftsjahr in der Geschichte der Bank". Allein im vierten Quartal verbuchte die HVB Sondereffekte wie Risikovorsorge und Sanierungsrückstellungen von über einer Mrd. Euro. Die Börse geht offenbar davon aus, dass damit das Gröbste geschafft ist: Die Aktie legte gestern zu.

Auch die Commerzbank war 2002 in die roten Zahlen gerutscht. Die Deutsche Bank wies zwar einen Gewinn aus, konnte aber auf hohe Gewinne aus Beteiligungsverkäufen zurückgreifen.

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