Gerüchte um einen Consors-Verkauf
Consors: „Das erste Quartal war nicht gut“

Die Börsenschwäche belastet Consors, aber an einen Verkauf ist nicht zu denken. Erstmals äußern sich Vater und Sohn Schmidt gemeinsam über schädigende Gerüchte und die Nachfolge in der Schmidt-Bank.

NÜRNBERG. Karl Gerhard Schmidt ist Vorstandsvorsitzender der Schmidt-Bank in Hof. Er ist außerdem der Aufsichtsratschef und Mehrheitseigner des Direktbrokers Consors, den sein Sohn Karl Matthäus führt. Die Börsenlage und Gerüchte um einen Consors-Verkauf halten die Familie bereits seit Wochen in Atem. Ein Gespräch mit Vater (KG Schmidt) und Sohn (KM):

Karl Matthäus Schmidt, das vergangene Quartal war vermutlich das härteste ihrer unternehmerischen Karriere.

KM Schmidt: Das erste Quartal war erwartungsgemäß nicht gut. Der schlechte Trend des vierten geht weiter. Im letzten Quartal des Vorjahres sank der Jahresüberschuss vor Steuern auf 5,2 Millionen Euro. Das Ergebnis im vierten Quartal 2000 war noch begünstigt durch die Vollkonsolidierung der Berliner Effektengesellschaft. Ich bin aber davon überzeugt, dass es im zweiten Halbjahr leicht aufwärts geht.

Wie wollen sie Kosten drücken?

KM Schmidt: Kurzfristig werden wir etwa knapp 100 befristete Arbeitsverträge nicht verlängern. Wir werden auch die Organisation straffen. Wir haben sogar geprüft, unsere Abwicklung nach außen zu geben. Allerdings wäre das zu teuer und ginge zu Lasten von Qualität und Zuverlässigkeit.

Wann kommt die Beratung?

KM Schmidt: Bald. Wir bauen an einer Internet-Variante, die Analyse- und Beratungswerkzeuge beinhaltet. Der nächste Schritt geht über das Telefon. Mit Shops, wie sie die Mitbewerber haben, ist aber kein Geld zu verdienen.

Karl Gerhard Schmidt, Sie halten an Consors fest. Machen Sie damit nicht einen Fehler?

KG Schmidt: Aus kapitalistischer Sicht müsste ich mir natürlich überlegen: Wann wäre der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf? Wir sind aber ein Familienunternehmen und sehen das Geschäft langfristig und leidenschaftlich. Wenn man zurückblickt, was mein Sohn in den letzten sieben Jahren aufgebaut hat, ist das ein Meilenstein in der Schmidt-Bank-Geschichte.

Ist es nicht nur eine Frage der Zeit, wann sie mürbe werden?

KG Schmidt : Schauen Sie sich unsere Eigenkapitalquote an, dann werden Sie verstehen, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir haben auch viel zu viel Freude an der Aufgabe. Ich bin in der fünften Generation einer Bankiersfamilie, mein Sohn ist in der sechsten. Wir sehen unser Tun längerfristig. Als mein Bruder und ich nach dem Tod unseres Vaters zur Landeszentralbank gingen, hat man uns gesagt: Ihr Lausbuben solltet lieber verkaufen. Ihr werdet es nie schaffen. Wir haben es geschafft.

Wie viele Konzerne haben sich denn bei Ihnen schon vorgestellt?

KG Schmidt : Ein bis zwei Handvoll waren es schon. Wir sind gewohnt, als Familienunternehmen oft angesprochen zu werden. Verkaufsverhandlungen führen wir aber nicht.

Würden Sie eine Minderheit abgeben?

KG Schmidt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Finanzkonzern nur eine Minderheit an Consors halten will.

Diese Aussagen klingen klar. Woher stammen die dauernden Gerüchte, dass Sie die Mehrheit abgeben?

KG Schmidt: Da wurden offenbar gezielt Meldungen lanciert, dass wir über eine Übernahme verhandeln. Da kann man schon ein System hinter sehen.

Man hatte den Eindruck, auch Consors-Aufsichtsrat und Allianz-Vorstand Paul Achleitner hätte laut nachgedacht.

KG Schmidt: Das hat uns auch sehr erstaunt.

Mit welchen Konsequenzen?

KM Schmidt: Herr Achleitner ist ein von uns geschätztes Aufsichtsratsmitglied. Mehr gibt es dazu derzeit nicht zu sagen.

Es gibt auch Gerüchte über einen Konflikt zwischen Vater und Sohn: Der eine will den Verkauf, der andere nicht.

KG Schmidt: Ich finde es höchst amüsant, dass sich andere am Markt unseren Kopf zerbrechen.

Sind Sie auch über die Verkaufs-Gerüchte amüsiert?

KG Schmidt: Nein. Sie verunsichern Kunden und Mitarbeiter. Das kann ich aus der Erfahrung mit der Schmidt- Bank sagen: Da sitzt dann ein Filialleiter einer großen Aktiengesellschaft mit unserem Mann und Kunden am Stammtisch und fragt: Wie geht es mit euch weiter? Ihr seid so klein, das geht doch auf Dauer nicht weiter. So werden Kunden und Mitarbeiter demoralisiert. Aber wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen.

Karl Matthäus Schmidt, wie stark ist Ihr Engagement in der Schmidt-Bank?

KM Schmidt: Ich bin seit zehn Jahren nicht-geschäftsführender Komplementär, und damit schon seit Studientagen in die Schmidt-Bank eingebunden.

Nimmt Ihre Aufgabe in der Schmidt-Bank in nächster Zeit zu?

KM Schmidt: Das entscheiden wir, wenn die Zeit dafür reif ist.

Nach dem Tod Ihres Sohnes Christian gab es ein Problem mit seinen Anteilen an der Schmidt Bank.

KG Schmidt: Das deutsche Erbrecht ist ziemlich konfiskatorisch. Wir haben den Anteil von Christian Karl wie angekündigt in eine gemeinnützige Stiftung für Kultur und Wissenschaft übertragen. Sein Anteil von rund 22 % geht aus dem Familien-Vermögen heraus. Unser Einfluss bleibt aber gewahrt, weil nur Familienmitglieder die Anteile der Bank vertreten können.

Das Gespräch führten Caspar Busse und Felix Schönauer

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