Gerüchte um Verkäufe von Allianz-Aktien
Ausverkauf von Dax-Aktien

Massive Kursverluste bei den Finanzwerten haben am Montag den Deutschen Aktienindex (Dax) zeitweise stark belastet. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei die Titel des Allianz-Konzerns, die nach Spekulationen um eine Platzierung von Allianz-Anteilen durch die Deutsche Bank zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren fielen.

dpa/ vwd FRANKFURT. Ein steiler Anstieg der Aktienkurse in den USA hat am Montagabend dem deutschen Aktienindex Dax geholfen, seine erlittenen Verluste etwas zu begrenzen. Belastet durch starke Kursverluste an den Euroopäischen Börsenplätzen zeigte sich der Dax zum Handelsschluss 2,5 Prozent leichter bei 4127 Punkten. Am späten Nachmittag war der Dax auf ein neues JahresTief von 4045 Punkten gefallen. Gleichzeitig hatte auch der Auswahlindex Nemax 50 auf Rekordtief unter 600 Punkten notiert. Er schloss bei 610 Punkten. Das war ein Minus von 3,0 Prozent. Für den MDax der 70 mittelgroßen Standardwerte ging es um um 2,0 Prozent auf 3837 Punkte nach unten.

Die Probleme vieler Volkswirtschaften in Südamerika, die Angst vor neuen Terroranschlägen sowie die anhaltende Befürchtung, viele Aktien seien immer noch zu hoch bewertet, führten zur Kaufzurückhaltung der Investoren. Doch auch die Nachwirkungen des großen Verfalls am vergangenen Freitag ließen die Kurse der deutschen Aktien sehr stark schwanken. Der Dax verlor 2,5 Prozent bzw 105 auf 4.127 Punkte, nachdem der Index am Vormittag kurzzeitig zugelegt hatte und am Nachmittag bis auf 4.045 Zähler eingebrochen war. Den 27 Kursverlierern standen nur drei-gewinner gegenüber.

Die kurzzeitig sehr feste Tendenz am Vormittag sei von Short-Eindeckungen und einigen Anschlusskäufen beflügelt gewesen, sagten Händler. Dann hätte aber die Unsicherheit wieder die Kurse gedrückt. Nach dem Verfallstag sei zu erwarten gewesen, dass Positionen geschlossen werden. Viele Investoren haben durch den Verfall von Optionen am Freitag Aktien erhalten. Diese seien am Montag größtenteils verkauft worden. Die Entwicklung in Südamerika wird nach Angaben von Händlern langsam zu einem großen Thema an den Märkten und belastete zusätzlich.

Nachdem der ecuadorianische Finanzminister zurückgetreten ist, der Notenbankchef von Argentinien seinen Hut genommen hat und sich der brasilianische Real seit Wochen im Sturzflug befindet, könnten die gesamten Emerging Markets zusammenbrechen, wird befürchtet. "Da braut sich richtig etwas zusammen und das verunsichert die Anleger noch zusätzlich", erklärte ein Teilnehmer.

Die größten Verluste wiesen Versicherungen und Technologiewerte aus. Allianz fielen um 4,1 Prozent auf 182,30 Euro und Münchner Rück gaben fünf Prozent auf 211,00 Euro ab. Gerade hier drückten Befürchtungen um neue Terroranschläge. Aber auch die Angst, dass die Krise in Südamerika Staatsanleihen weltweit unter Druck setzen könne, belastete die Versicherungen, die ja sehr stark in Anleihen investiert seien, sagten Marktteilnehmer. Deutsche Telekom brachen um vier Prozent auf 8,68 Euro ein, nachdem die T-Aktie zuvor ein neues Allzeittief bei 8,36 Euro markiert hatte. Beobachter führten die Abgaben auf den fallenden Gesamtmarkt aber auch die Rückstufung der Bonität von France Telecom durch die Ratingagentur Moody's zurück.

Im Technologie-Sektor verbillitgen sich vor allem SAP um 5,4 Prozent auf 90,60 Euro, nachdem der US-Konkurrent Siebel seine Umsatzprognosen gesenkt hatte. DaimlerChrysler hielten sich mit einem Minus von 0,7 Prozent auf 44,66 Euro noch relativ gut. Am Nachmittag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass das zweite Quartal 2002 "sehr, sehr gut" verlaufen sei. Die Aktien der Lufthansa verloren dagegen 1,6 Prozent auf 13,93 Euro. Es gab Meldungen über eine Kooperation zwischen TUI und Germania. Auch wenn dieser Artikel über eine Billigfluglinie mit 50 eigenen Flugzeugen sehr spekulativ ist, haben Händler eine derartige Entwicklung positiv für Preussag als Mutter von TUI bewertet. Die Papiere gewannen daher 0,3 Prozent auf 24,83 Euro.

Im MDax gehörten KarstadtQuelle zu den Verlierern. Die Titel sanken um sieben Prozent auf 25,90 Euro. Die aktuellen Preisaktionen des Unternehmens wurden als "Verzweiflungstaten" gewertet. "Angesichts des starken Umsatzschwundes in diesem Jahr sind das verzweifelte Versuche, die Kunden zu mehr Konsum zu bewegen - dass das aber die Gewinnsituation verbessert, wage ich zu bezweifeln", sagte ein Händler. Doch auch schlechte Aussichten für den gesamten Einzelhandelssektor belasteten die Aktie. Babcock Borsig verloren 15,8 Prozent auf 1,55 Euro. "Das verwunderte nicht angesichts der Meldungen, dass der Liquiditätsbedarf mit 400 Mill. Euro doppelt so hoch wie gedacht zu sein scheint", kommentierte ein Händler.

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