Gerüchte und Geheimpläne
„ran“ vor dem Ende: Zwischen Mut und Wut

Am Samstagabend gehen im "ran"-Studio die Lichter aus - vielleicht für immer. Das Ende einer elfjährigen TV-Ära, einer der umstrittensten und am heißesten diskutieren Sendungen im deutschen Fernsehen steht bevor.

HB/dpa MÜNCHEN. Dass Sat1 auch in der kommenden Saison die Zusammenfassung der Fußball-Bundesliga zeigen darf, scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Die Stimmung vieler Mitarbeiter ist entsprechend und schwankt zwischen Hoffen und Bangen, zwischen verzweifeltem Mut und aufgestauter Wut.

"Die Stimmungslage ist getrübt", formuliert Jörg Wontorra es vorsichtig, "es hängt alles in der Luft." Der langjährige Frontmann, selbst mit einem Vertrag bis 2004 ausgestattet, sagt: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht, das ist eine Entscheidung von Betriebswirten." Genau da liegt der Kern: Seit der ersten Sendung am 14. August 1992 schreibt Sat1 nach eigenen Angaben mit dem Fußball rote Zahlen. Den 80 Mill. ? teuren Luxus kann und will sich der Sender nicht mehr leisten.

Nicht mehr als positiver Image-, sondern als übler Kosten-Faktor wird die Bundesliga-Berichterstattung gesehen. Und die Werbekrise und die ständig sinkenden Quoten lassen wenig Hoffnung auf Besserung. Seit dem Rekord-Hoch von durchschnittlich 6,83 Mill. Zuschauern in der Saison 1995/96 sank die Quote auf 4,60 in der vergangenen Spielzeit; dabei sind die vier "20.15-Uhr-Aussetzer" zu Saisonbeginn nicht einmal mitgerechnet.

Niebaum: ran schreckt Zuschauer ab

Da der Sender insgesamt defizitär ist, hat er Ende Januar die Option auf Vertrags-Verlängerung verstreichen lassen und damit den Preis-Poker eröffnet. Die Bundesliga-Funktionäre schrien entsetzt auf, die Kritik war harsch. So urteilte BVB-Präsident Gerd Niebaum, "ran" würde ohnehin "Zuschauer abschrecken". Bayern-Manager Uli Hoeneß klagte, Sat.1 rede die Bundesliga schlecht. Und vereint forderten beide Großclubs einen neuen Bundesliga-Sender.

Offiziell herrscht bei Sat1 trotzdem Optimismus. "Von der letzten Sendung zu sprechen, wäre verfrüht", sagt Torsten Rossmann von der ProSiebenSat1 Media AG. Sein Unternehmen sei nach wie vor in Verhandlungen mit dem Rechteinhaber Infront.

Gleichzeitig sucht die Schweizer Agentur händeringend nach anderen Partnern und führte unter anderem Sondierungsgespräche mit der ARD, dem favorisierten Sender der meisten Bundesligaclubs. Doch mehr als Gerüchte und angebliche Geheimpläne kamen dabei bisher nicht heraus. Auch der ARD sind die so genannten Free-TV-Erstrechte zu teuer. "Wir sind nicht ohne Zuversicht, dass wir Erfolg haben", sagt Sat1 - Sprecher

In der rund 20-köpfigen Sportredaktion sieht das anders aus. "Je näher die letzte Sendung rückt, desto bedrückender ist es", sagt ein langjähriger Sat1-Redakteur: "Die Gedanken sind von einer ungewissen Zukunft geprägt." Bis zur Saisonabschluss-Party am Samstag dürfte sich das kaum ändern.

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