Gesamterträge weitgehend positiv – Telekombonds werden hohen Erwartungen nicht gerecht
Anleihen lassen Aktien alt aussehen

Sicherheit war im Anlagejahr 2002 Trumpf. Am besten schnitten folglich solide Staatsanleihen ab. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen stiegen gegenüber den Staatspapieren. Dennoch brachten auch Firmenbonds positive Gesamterträge. In die Miesen gerieten Anleger nur mit riskanten Junkbonds.

FRANKFURT/M. Im vergangenen Jahr kam wirklich alles anders, als Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Nicht nur dass wider Erwarten Anleihen erneut Aktien schlugen. Unter den Festverzinslichen schnitten die oft als langweilig verrufenen Staatsanleihen am besten ab. Und unter den Unternehmensanleihen erwiesen sich die Anleihen von Telekomfirmen, die als die Favoriten unter den Firmenbonds gegolten hatten, als große Enttäuschung.

Die sich weltweit schlechter als erhofft entwickelnde Konjunktur und die Bilanzskandale von Unternehmen bescherten den sicheren Staatsanleihen regen Zufluss. Dazu kam die Angst vor einem Krieg gegen den Irak, die sich gerade in der vergangenen Woche manifestierte und so noch noch einmal für einen kräftigen Schub der Anleihekurse sorgte. Dementsprechend sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Benchmark für die Euro-Zone gilt, wieder an ihr Jahrestief von weniger als 4,30 %. Ende 2001 hatten Analysten im Schnitt erwartet, dass die zehnjährige Bundesanleihe Ende 2002 mit 5,05 % rentieren wird. Noch beeindruckender war die Entwicklung der amerikanischen Staatsanleihen. Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Staatsanleihe sank im Oktober auf 3,57 %. Das war der tiefste Stand seit 1958.

Schlechter sah es dagegen bei Unternehmensanleihen aus - zumindest wenn man die Entwicklung ihrer Renditen mit denen der Staatsanleihen vergleicht. Diese Betrachtung ist vor allem für professionelle Investoren wichtig, die Anleihen nach dem Relative-Value-Ansatz auswählen und im Vergleich zu anderen Anlageformen bewerten. Die Renditeabstände (Spreads) von Unternehmensanleihen weiteten sich kontinuierlich gegenüber Staatspapieren aus, auch wenn sie am Jahresende von ihren Höchstständen wieder etwas heruntergekommen sind. Europäische Telekomanleihen etwa bieten derzeit eine im Schnitt um 1,7 Prozentpunkte höhere Rendite als Staatsbonds der Euro-Zone. Anfang 2002 lag der Spread bei nur 1,3 Punkten.

Noch dramatischer waren die Spread-Ausweitungen bei Unternehmenstiteln, die von den Ratingagenturen als spekulative Anlage - so genannte Junkbonds - eingestuft werden. Hier stiegen die Risikoaufschläge in den USA im Durchschnitt auf 8,6 Prozentpunkte. Dabei war es im Herbst zu dramatischen Ausweitungen gekommen, denen aber eine imponierende Rally folgte. In Europa war die Spread-Rally noch beeindruckender, hier liegen die Aufschläge mit jetzt noch 10,6 Prozentpunkten unter denen vom Jahresanfang.

Experten sehen es als gutes Zeichen, dass sich die meisten Unternehmensanleihen zuletzt von der Entwicklung der Aktien abkoppeln konnten.

Auch absolut betrachtet haben sich Festverzinslichen der Unternehmen wesentlich besser als die Aktienkurse entwickelt. So ist die durchschnittliche Rendite europäischer Industriebonds mit einem Investmentgrade-Rating nach Daten von Merrill Lynch von 5,6 % auf rund 5 % gesunken, nachdem sie im Juni ein Hoch von gut 6 % erreicht hatte.

Auch die Gesamterträge von Unternehmensanleihen - also Kursveränderungen plus Zinsen - sind durchweg positiv. Die geringeren Kurssteigerungen der Unternehmens- im Vergleich zu den Staatsanleihen werden dabei durch die höheren Zinsscheine der Firmenbonds ausgeglichen oder sogar überkompensiert. So brachten Staatsanleihen in der Euro-Zone einen Gesamtertrag von 8,9 %. Bei europäischen Telekombonds summierte sich der Gesamtertrag im Schnitt auf 8,1 %. Wirklich Verluste machten Anleger nur mit Junkbonds, da die Zahlungsausfälle in den Indizes berücksichtigt werden.

Dass ein Unternehmen seine Bonds nicht mehr bedienen kann, war 2002 nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor?s weltweit bei 222 Gesellschaften mit Anleihen über gut 157 Mrd. $ der Fall. Davon entfielen allein 31,9 Mrd. $ auf Worldcom. Unter den Staaten erklärte sich Argentinien Anfang des Jahres offiziell für zahlungsunfähig. Betroffen davon sind am internationalen Kapitalmarkt Eurobonds über rund 50 Mrd. $.

Bleiben die Emittenten solvent, brauchen sich Anleger, die Anleihen bis zum Ende der Laufzeit halten, indes nicht um Kursschwankungen zu kümmern. Denn sie bekommen ihr Kapital verzinst zum Nennwert zurück. Dabei richtet sich die Höhe der Rendite nach dem Zeitpunkt des Kaufs.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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