Gesamtkonzern nicht am Wanken
Kommentar: Fiasko in den USA

Jetzt hat also auch Münchener-Rück- Chef Hans-Jürgen Schinzler ein Problem in den USA. Da mag es den Boss des weltgrößten Rückversicherers wenig trösten, dass er sich in prominenter Gesellschaft wiederfindet.

Viele haben derzeit schwer in den USA zu kämpfen - ob Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom, Allianz oder Siemens. Verwunderlich ist nur, dass es mit der Münchener Rück jetzt eine der solidesten Adressen erwischt hat. Eines ist aber sicher: Wie die anderen deutschen Konzerne hat auch die Münchener Rück ihre US- Tochter viel zu lange an einer viel zu langen Leine gelassen.

Schinzler hatte 1996 für den auch damals stolzen Preis von rund 2,6 Milliarden Euro den US-Rückversicherer American Re gekauft und damit den Eintritt in den wichtigsten Markt der Welt geschafft. Doch die Akquisition wurde keine Erfolgsgeschichte. Sie entpuppte sich vielmehr als einer der größten Fehlschläge der jüngeren Geschichte der Münchener Rück. Und könnte ein Kratzer in der bisher fast makellosen Bilanz von Schinzler werden, wenn er die Wende nicht bald schafft.

American Re meldete in den vergangenen Jahren fast immer rote Zahlen - die Münchener Rück musste 2000 und 2001 rund 1,35 Milliarden Euro in die USA überweisen. Jetzt muss die American Re ihre Reserven nochmals um zwei Milliarden Euro stärken - das Geld dafür wird ein weiteres Mal größtenteils aus München kommen.

Natürlich sind die Probleme auch auf die schwierige Lage auf den US-Versicherungsmärkten zurückzuführen, die sich durch den Anschlag auf das World Trade Center noch verschärft haben. Die Schäden in allen Bereichen erreichen ungeahnte Höhen. Das US- Recht, das in manchen Fällen Schadensersatz in spektakulärer Höhe vorsieht, tut das Übrige. Zudem leiden die US-Versicherer zunehmend unter hohen Asbest- und Umweltschäden, die erst jetzt ans Tageslicht kommen. So haben nahezu alle großen europäischen Assekuranzfirmen in den USA inzwischen schwer zu kämpfen.

Auf die Rückversicherer, also die Versicherer der Versicherer, schlägt das besonders durch. Dazu kommt die schlechte Lage an den Kapitalmärkten. Verluste können nicht mehr wie früher durch ansehnliche Gewinne an den Börsen wettgemacht werden. Die Münchener Rück hat in den USA aber auch unter hausgemachten Problemen zu leiden. Nicht ohne Grund hat sie das Management von American Re zuletzt ausgewechselt. Der neue US-Chef John Phelan sitzt jetzt auch im Vorstand des Konzerns in München. Die Tochter wurde an die kurze Leine genommen - endlich. Denn auch nach dem Kauf durch die Münchener Rück hat American Re weiterhin Geschäfte gemacht, die gar keinen Gewinn bringen können: Die Prämien waren falsch kalkuliert. Das ist die späte Erkenntnis nach der gründlichen Prüfung der Bücher.

Bleibt der Trost, dass der Gesamtkonzern nicht ins Wanken geraten wird. Denn die hohen Belastungen kommen just zu einem Zeitpunkt, in dem sich Schinzler nach der Entflechtung mit der Allianz über Sondergewinne von fast fünf Milliarden Euro freuen kann. Der Konzern hat genügend Polster, um die Probleme zu meistern, wenn auch der Chef die Milliarden sicherlich lieber für anderes ausgegeben hätte. Auch die Aktionäre hätten sich bestimmt über eine Sonderausschüttung gefreut.

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