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Gesamtmetall geht ohne Angebot in erste Tarifrunde

Die Arbeitgeber der Metallindustrie gehen nach Angaben von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser ohne ein konkretes Lohnangebot in die erste Tarifrunde.

Reuters HANNOVER. "Ich werde und kann heute keine Zahl nennen. Klar ist nur: Es wird nach oben gehen", sagte Kannegiesser am Montag in Hannover. Zunächst müsse die Gewerkschaft ihre Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt und die damit verbundene Einführung eines gemeinsamen Rahmentarifvertrages erläutern. Außerdem brauche Gesamtmetall noch Klarheit über die gesamtwirtschaftliche Produktivitätsentwicklung in diesem Jahr. Hier gebe es noch unterschiedliche Prognosen. Die erste Tarifrunde für die bundesweit insgesamt 3,6 Millionen Beschäftigten startet am Donnerstag im Bezirk Bayern.

Ob für die zweite Runde bereits ein konkretes Angebot möglich sei, könne er ebenfalls noch nicht sagen, erklärte Kannegiesser. Der Gesamtmetall-Präsident bezeichnete die bundesweit einheitliche 6,5 Prozent-Forderung der IG Metall erneut als unannehmbar und vor dem Hintergrund der aktuellen Rezession als völlig unrealistisch. Nach einer aktuellen Umfrage des Metallverbandes Niedersachsen erwarten 49 Prozent der Betriebe für 2002 einen Umsatzrückgang, 42 Prozent wollen Beschäftigte abbauen. Mit einem Aufschwung rechnen der Umfrage zufolge 61 Prozent der Betriebe erst in der zweiten Jahreshälfte.

Zwar nannte Kannegiesser als Ziel einen Tarifabschluss bis zum Ende der Friedenspflicht am 28. März, um Streiks zu vermeiden. Nach dem Auftakt in Bayern folgen alle anderen Bezirke bis zum 21. Februar. Bis Ostern erwartet Kannegiesser flächendeckend mindestens drei, möglicherweise auch vier Tarifrunden. Zugleich sprach er von einer durch lautstarke Drohgebährden der IG Metall bereits sehr aufgeheizten Atmosphäre. Die Gewerkschaft hat bereits mehrfach angekündigt, ihre Forderung notfalls auch nach dem 28. März mit Streiks durchzusetzen. Gewerkschaftschef Klaus Zwickel sagte allerdings der "Bild"-Zeitung am Montag: "Wir wollen nicht auf Teufel komm' raus streiken." Um einen Tarifkonflikt zu vermeiden, erwarte er ein Entgegenkommen der Arbeitgeber.

Die von der IG Metall geforderte Verknüpfung der Tarifrunde mit einem neuen Rahmentarifvertrag bezeichnete Kannegiesser gerade in diesem Jahr als sehr problematisch. "Wir werden uns darauf einlassen. Wir haben aber Mühe zu erkennen, dass das lösbar ist", sagte Kannegiesser. Ein Umstieg auf einen einheitlichen Vertrag für Arbeiter und Angestellte sei sicher zeitgemäß, dürfe aber nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung für die Betriebe führen. "Das ist für uns absolute Voraussetzung", sagte Kannegiesser. Ein zentraler Entgeltrahmen dürfe kein Mittel für verdeckte Erhöhung der Lohnkosten sein.

Kannegiesser erteilte auch dem Argument, der Entgeltzuschlag müsse die Inflation ausgleichen, erneut eine Absage. Welcher Metallbezirk möglicherweise eine Pilotfunktion haben werde, sei noch völlig offen. Alle regionalen Metall-Verhandlungsführer seien Mitglied der zentralen Gesamtmetall-Tarifkommission und würden sich mit ihr rückkoppeln.

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