Gesamtmetall-Vorstand stimmt Gesprächen mit der IG Metall über eine gemeinsame Einrichtung zur Altersvorsorge zu
Kannegiesser setzt sich bei Riester-Rente durch

Im Vorstand von Gesamtmetall hat Verbandspräsident Kannegiesser seine Strategie behauptet, mit der IG Metall über einen gemeinsamen Pensionsfonds zu verhandeln. Die Gewerkschaft hat die Entscheidung begrüßt. Doch in den Details sind die Tarifparteien noch weit auseinander.

18.5.2001 huh BERLIN. Die Metallarbeitgeber werden mit der IG Metall über einen gemeinsamen Pensionsfonds zur Altersvorsorge verhandeln. Darauf hat sich am Mittwochabend der Vorstand von Gesamtmetall in Königswinter verständigt. Verbandspräsident Martin Kannegiesser setzte damit seine Linie gegen die Kritiker im eigenen Lager durch.

Der Vorstandssitzung, an der die Präsidenten der regionalen Metallarbeitgeberverbände teilnahmen, war eine kontroverse interne Debatte über den IG Metall-Vorschlag eines gemeinsamen Pensionsfonds vorausgegangen. Während Kannegiesser bereit ist, darüber zu verhandeln, befürchten die Gegner einen Machtzuwachs für die Gewerkschaft. Auch der Vorschlag des Gesamtmetallchefs, der Fonds könne in der nächsten Tarifrunde zum Teil von den Arbeitgebern finanziert werden, war im eigenen Lager auf Kritik gestoßen.

In beiden Punkten hat Kannegiesser nun Unterstützung erhalten. Damit wird eine branchenweite Kapitalsammelstelle der Tarifparteien für die Altersvorsorge der rund drei Millionen Metallarbeitnehmer immer wahrscheinlicher. Sie soll nach dem Kalkül der IG Metall eine Alternative zu den individuellen Vorsorgeprodukten von Banken und Versicherungen sein. Die Gewerkschaft wirbt damit, dass die Verwaltungskosten einer kollektiven Lösung viel geringer seien als bei individuellen Verträgen. Gesamtmetall-Chef Kannegiesser wiederum sieht in der betrieblichen Altersvorsorge ein Plus der Unternehmen im schärfer werdenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte.

Noch ist allerdings nicht ausgemachte Sache, dass beide Interessen in einen gemeinsamen Pensionsfonds münden. Zwar hat es die IG Metall eilig. Laut ihres Vize Jürgen Peters will sie den Fonds bereits zum Spätsommer unter Dach und Fach haben. Gesamtmetall hat aber mehrere Bedingungen gestellt. Der Fonds müsse für Arbeitgeber und Arbeitnehmer freiwillig sein, sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch dem Handelsblatt. Wer eine andere Form der Vorsorge bevorzuge, müsse dazu die Freiheit haben. Hier hatte Peters zu Beginn der Woche Entgegenkommen signalisiert: "Über die Freiwilligkeit kann man reden", sagte er vor Journalisten.

Schwieriger wird es mit der Gesamtmetall-Forderung, die Tarifparteien dürften keinerlei Einfluss auf die Anlagepolitik des Fonds nehmen. Busch: "Wir können uns nur mit renditeorientierten Anlagekriterien anfreunden". Die IG Metall dagegen will auch ethische und soziale Aspekte bei der Anlagepolitik berücksichtigt sehen. Sie steht vor dem Dilemma, dass ein hoher Ertrag für ihre Rentner im Extremfall den Verlust des Arbeitsplatzes für ein berufstätiges Mitglied bedeuten kann, wenn dessen Unternehmen den Renditeansprüchen der Fondsmanager nicht genügt.

Einig sind sich Arbeitgeber und Gewerkschaft, dass noch dieses Jahr ein Tarifvertrag die Umwandlung von Teilen des Gehalts in Altersvorsorgebeiträge ermöglichen soll. Was aber in der nächsten Tarifrunde 2002 verhandelt wird, darüber besteht tiefer Dissenz. Gesamtmetall will einen Teil der Lohnerhöhung für die Altersvorsorge nutzen, "sofern sie aus dem Verteilungsspielraum einer beschäftigungsorientierten Tarifpolitik stammt". Die IG Metall lehnt das ab. Deren Forderung wiederum nach einem neuen Gehaltsgefüge, das die Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten aufhebt, weist Gesamtmetall als "noch nicht ausreichend vorbereitet" (Busch) zurück. Die IG Metall hat bereits gedroht, ihre Forderung mit Streik durchzusetzen.

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