Gesamtumsatz der Berater-Branche sinkt: Unternehmen verlangen mehr Krisenberatung

Gesamtumsatz der Berater-Branche sinkt
Unternehmen verlangen mehr Krisenberatung

Zum ersten Mal seit vielen Jahren muss sich die erfolgsverwöhnte Branche der Unternehmensberater an Umsatzrückgänge gewöhnen. Nach der aktuellen repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) nahmen die rund 14 400 Beratungsunternehmen im vergangenen Jahr 4,5 % weniger ein, insgesamt waren es 12,3 Mrd. Euro Umsatz. Mit einer Trendwende im laufenden Jahr rechnet Verbandspräsident Rémi Redley nicht: "Es ist schon eine Herausforderung, die Zahlen von 2002 zu halten", sagte er.

DÜSSELDORF. Sorge bereitet ihm die negative Stimmung in den deutschen Unternehmen, die kein Vertrauen in die Wirtschaftspolitik hätten und sich mit Investitionen zurückhielten: "Wenn nicht bis zum Sommer konkrete Reformvorschläge von der Politik kommen, sehe ich für die weitere wirtschaftliche Entwicklung schwarz", befürchtet Redley.

Die Nachfrage nach Beratungsleistungen hat im vergangenen Jahr vor allem im Bereich IT-Beratung- und Services abgenommen, dessen Umsatz um 20,1 % sank. Grund ist nicht nur, dass Unternehmen ihre Investitionen verschoben haben. Durch die Jahr-2000-Umstellung und die Euro-Einführung hatte dieser Bereich in den vergangenen Jahren eine Sonderkonjunktur.

Ebenfalls gesunken ist der Umsatz der reinen Strategieberatung (minus 13,6 %). Viele Klienten hielten sich bei der Auftragsvergabe von innovativen Projekten zurück. Auch die Nachfrage nach Personalberatung ist zurückgegangen (minus 15 %). "Das Verschieben von Projekten hat zu einem Investitionsstau in den Unternehmen geführt, der nur schwerlich wieder aufgeholt werden kann", sagte Redley. Im IT-Bereich sei es quasi zum Investitionsstillstand gekommen.

Verstärkt nachgefragt haben Unternehmen im vergangenen Jahr dagegen Projekte zur Kostensenkung und Rationalisierung. Diese gehören zur Organisationsberatung, die laut BDU-Befragung um 35,7 % Prozent wuchs. Beratungsleistungen rund um das Thema Entlassungen waren ebenfalls gefragt (so genanntes Outplacement): der Bereich Human-Ressources-Management legte um 13,1 % zu.

Das verarbeitende Gewerbe stellt zur Zeit das größte Kundenklientel der Beraterbranche mit einem Anteil von fast einem Drittel. Diese Branche hat ihre Nachfrage im vergangenen Jahr um 18 % gesteigert. Auch der Staat sucht bei der Optimierung von Prozessen oder auch im Rechnungswesen Rat bei den Consultants; die entsprechende Nachfrage des Öffentlichen Sektors wuchs um 6,2 %. Stark rückläufig entwickelt sich dagegen der Bereich IT, Medien und Kommunikation (minus 20,1 %).

Die 40 größten Beratungsunternehmen, die einen Umsatz von 40 Mill. Euro aufwärts erzielen, haben im vergangenen Jahr etwas besser abgeschnitten als der Branchendurchschnitt - die kleineren Firmen mit einem Jahresumsatz bis zu 500 000 Euro dagegen etwas schlechter. Die rückläufige Entwicklung im Consultingmarkt spiegelt sich auch in Zahl der Berater wider, die um 1 300 auf 68 700 sank. Insolvenzen sind dem Verband bisher nur vereinzelt bekannt. Nach Redleys Ansicht werden es aber kleine, nicht spezialisierte Anbieter, im Markt künftig schwer haben.

Einen ähnlichen Schluss kann man aus einer kürzlich erschienenen Studie des Bonner Institute of Management & Consulting Science ziehen. Sie bescheinigt einigen kleinen kleinen, aber stark focussierten Beratungsunternehmen, dass sie sich durch eine konsequente methodische oder branchenbezogene Spezialisierung in einem bestimmten Feld eine herausragende Position erarbeiten könnten.

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