Geschäft mit dem Stahl-Giganten bisher einzigartig
Dortmunder Hüttenwerk wird nach China verschifft

Es ist wohl das größte Puzzle der Welt, und mit 250 000 Tonnen auch das schwerste. Ein komplettes Dortmunder Stahlwerk wird in den nächsten Monaten in Einzelteile zerlegt, in die Volkrepublik China geschafft und dort wieder aufgebaut. Die Thyssen-Krupp Stahl AG hatte die Hüttenanlage im vergangenen Jahr stillgelegt und an das chinesische Unternehmen Shagang verkauft.

wiwo/ap DORTMUND. Am Donnerstag soll der erste Container für den gigantischen Umzug gepackt werden, hieß es am Dienstag auf der Baustelle. Der Inhalt dieses ersten Containers besteht aus Zeichnungen und jeder Menge Bauplänen damit auch am neuen Standort in Zhangjiagang, rund 150 Kilometer nordwestlich von Shanghai, wieder jede Schraube an der richtigen Stelle sitzt. Gleichzeitig beginnt die Demontage des Hüttenwerks.

800 chinesische Experten müssen auf der Westfalenhütte die Hochöfen, das Warmbreitband-Walzwerk und die Sinteranlage zur Erzaufbereitung umzugsfertig machen. Auch das Oxygenstahlwerk im Stadtteil Hörde gehört zum Kaufpaket. Jedes Einzelteil wird vom Computer registriert, in Container verpackt und zum Dortmunder Hafen transportiert. Von dort geht die Reise per Schiff über Rotterdam weiter nach Asien.

Das Geschäft um den stillgelegten Stahl-Giganten ist nach Angaben von Thyssen-Krupp im Gebrauchtanlagen-Sektor weltweit einzigartig. Und es lohnt sich für beide Seiten. Thyssen-Krupp erhält für das aufgegebene, aber funktionstüchtige Hüttenwerk einen nicht näher bezifferten mehrstelligen Millionenbetrag und hat die Demontage der Altlast geregelt. Gleichzeitig kann das Unternehmen Shagang mit der deutschen Anlage seine jährliche Stahlproduktion von jetzt 4,5 Millionen Tonnen um vier Millionen Tonnen erhöhen.

Das Werk mit 7 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 11,3 Milliarden Yuan (1,6 Milliarden Euro) will damit in den lukrativen Markt für Flachstahl einsteigen, der in China wegen steigender Nachfrage für die Autoproduktion boomt.

In zwei Jahren soll der Hochofen in China anfahren

Demontage und Transport stellen die Organisatoren vor gewaltige Herausforderungen. So werden eigens für die 800 chinesischen Experten in ehemaligen Bürogebäuden Wohnunterkünfte eingerichtet. Das Hamburger Speditionsunternehmen Rohde & Liesenfeld hat sich den Auftrag im Wert von 15 Millionen Euro für die Logistik beim Transport gesichert. Praktisch täglich werden nun Schwertransporter mit Teilen des zerlegten Stahlwerks über die Dortmunder Straßen zum Hafen rollen, erklärte Projektleiter Bernd Majewski. "Der Auftrag ist der größte, den wie je hatten."

Das Ende der Stahl-Ära in Dortmund wird dann auch bald in der Skyline der Stadt sichtbar. Mit der Demontage verschwindet ein weiteres Symbol des "traditionellen Dreiklangs" von Kohle, Stahl und Bier, der die Stadt am östlichen Ende des Ruhrgebiets mehr als 160 Jahre lang prägte. Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer hat für die Industriebrachen große Pläne. Rund um einen neu geschaffenen See sollen am Ende Wohnungen und Freizeiteinrichtungen entstehen, außerdem sind Dienstleistungs- und Gewerbezentren geplant. "Der Strukturwandel hat das Gesicht der Stadt verändert", sagte Langemeyer beim symbolischen Lösen der ersten Schraube für die Demontage.

In spätestens zwei Jahren sollen alle Teile des Riesenpuzzles wieder zusammengefügt sein. Dann werden die Feuer der Dortmunder Hochöfen den Nachthimmel beim Abstich wieder rot färben - allerdings nicht über dem Ruhrgebiet, sondern über dem chinesischen Jangtse-Fluss in der Nähe von Shanghai.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%