Geschäft mit Haarfarben läuft prächtig
Procter sucht sich attraktive Märkte

Gesundheit und Kosmetik - das sind die Felder, auf denen sich der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble ausbreiten will. Vor allem in der Haar-Kosmetik sieht der Konzern Wachstumschancen.

NEW YORK. Was verbindet Pampers-Windeln, Pringles-Kartoffelchips und Meister Proper? Alle diese Marken und noch viel, viel mehr gehören dem US-Konzern Procter & Gamble Co, der sich für den deutschen Kosmetikkonzern Wella interessiert. Das kann nicht wirklich überraschen. Denn seit A.G. Lafley im Jahr 2000 das Ruder übernommen hat, stärkt der Konsumgüter-Hersteller aus Cincinnati sein Kosmetik- und Gesundheitsangebot. Der Grund: Das Geschäft mit der Schönheit ist krisenfest, die Margen sind klar höher als bei Ariel oder Tempo (gehören auch zu P&G).

Gleich nach seinem Antritt hat Lafley eine Radikalkur verordnet: Kernmarken stärken. Das 165 Jahre alte Traditionsunternehmen soll sich auf Blockbuster konzentrieren - Marken, die mehr als 1 Mrd. $ Umsatz bringen. Dabei blieben Jobs auf der Strecke, jeder zehnte der 100 000 Mitarbeiter musste gehen.

Zur Freude der Investoren hat Procter & Gamble unter Lafleys Führung das Sanierungsprogramm ein Jahr eher als geplant beendet. Und dem Aktienkurs nach zu urteilen war der neue Chef, der seine Vornamen Alan George für den offiziellen Gebrauch mit A.G. abkürzt, erfolgreich: Seit seinem Antritt stieg der Kurs um mehr als 40%. So hat Procter & Gamble seine Gewinnprognosen in den vergangenen fünf Quartalen stets nach oben korrigieren können.In diesem Jahr landete der Konzern sogar auf Platz 10 der Liste der am meisten bewunderten Unternehmen des Wirtschaftsmagazins Fortune. Auch nach Ansicht von Jim Gingrich, Analyst beim Investmenthaus Sanford Bernstein, "hat P & G die Kehrtwende erfolgreich geschafft".

Die interne Auslese der Top-Marken ist jedoch nur ein Aspekt. Das Unternehmen soll auch durch Zukäufe wachsen - vor allem im Bereich Schönheit und Gesundheit. Bisher machen die Kosmetik- und Gesundheitssparte nur ein Drittel des Umsatzes aus. Um hier seine Position zu verbessern, ist Procter & Gamble nach eigenen Angaben mittlerweile auch bereit, mittelgroße Namen zu kaufen und in sich entwickelnde Märkte zu investieren. So hat sich der Konzern bis 2002 auch um die Übernahme des Hamburger Beiersdorf-Konzerns (Nivea) bemüht - und dann 2002 wegen des zu hohen Preises abgewunken. Insgesamt will P&G den Umsatz um bis zu 6% im Jahr steigern. 1% davon sollen von Zukäufen kommen, sagt Lafley. Einen Vorgeschmack, was das für ein Unternehmen bedeutet, das 40 Mrd. $ im Jahr umsetzt, gab der Chef im November 2001: die Übernahme des Haarpflege-Spezialisten Clairol für 5 Mrd. $. Es war die größte Übernahme in der P&G-Geschichte. Wendy Nicholson, Analystin der Investmentbank Salomon Smith Barney, lobt, dass Procter seine Gewinnmargen erhöhen konnte, weil es "mehr Schönheitspflege in seinem Mix" hat. Der Preis, den P&G für Clairol bezahlt hat, war nach Ansicht von Beobachtern hoch - das Dreifache des Clairol-Jahresumsatzes. Aber Lafley glaubt, dass es das wert war. So wächst der Markt für Haarfarben doppelt so schnell wie der für Haushaltsprodukte.

Insofern läge eine Wella-Übernahme in der Logik von Lafleys Kurs. Denn mit der Übernahme von Clairol ist Procter & Gamble bereits zum größten Konkurrenten des Pariser Kosmetikriesen L?Oreal aufgestiegen. Nur im attraktiven Markt für die teuren Produkte, die in den Friseursalons verkauft werden, hatte ein anderer bislang das Sagen. Wella könnte den Amerikanern insofern einen entscheidenden Vorteil verschaffen und zudem auch ihr Europa-Geschäft verstärken.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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