Geschäft mit Pop-Stars immer riskanter: Emi kauft sich von Mariah Carey frei

Geschäft mit Pop-Stars immer riskanter
Emi kauft sich von Mariah Carey frei

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: Der US-Popstar Mariah Carey bekommt vom Musikkonzern Emi Group 32 Mill. Euro für die Auflösung des Vertrags mit der EMI-Tochter Virgin Records America.

DÜSSELDORF. Damit endet nach nur einem Jahr einer der hoch dotiertesten Plattenverträge der Geschichte, der Carey rund 114 Mill. Euro hätte einbringen können. Vorangegangen waren ein Nervenzusammenbruch der Künstlerin, ein angeblicher Selbstmordversuch sowie ein desaströses Verkaufsergebnis ihrer neuen CD von gut zwei Millionen Stück. Emi machte die Vereinbarung am Mittwoch in London publik. Tage zuvor war der Chef von Virgin UK, Paul Conroy, mit sofortiger Wirkung abgelöst worden.

Das Desaster um Mariah Carey wirft ein Schlaglicht auf die Risiken der Musikindustrie, die finanziell auf Gedeih und Verderb auf Erfolge ihrer Megastars angewiesen ist. Das diese auch mal ausfallen können, ist nicht neu. Aber Emi trifft es derzeit besonders hart. Selbst Stars wie Mick Jagger sind kein Erfolgsgarant mehr: Seine neue CD verkaufte sich am ersten Tag in Großbritannien nur wenige hundert Mal und läuft seitdem eher schleppend. Und Emi - Star Janet Jackson dachte im US- Fernsehen am Mittwoch laut über ein Ende ihrer Tournee-Karriere nach. Probleme mit der Produktion und mit der Gesundheit hatten die Sängerin zuletzt veranlasst, Konzerte abzusagen. Auftritte in Europa hatte sie nach dem 11. September ganz gestrichen. Doch Tourneen sind nun einmal der wichtigste Treibsatz für den CD-Absatz.

Emi steckt in einer tiefen Strukturkrise. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres (zum 31. März) ging der Umsatz um 6,1 % auf 1,07 Mrd. £ (1,73 Mrd. Euro) zurück. Als bereinigtes Vorsteuerergebnis wies das Unternehmen einen Verlust von zwei Mill. £ aus. Gerade die 32-jährige Mariah Carey sollte helfen, Emis schwache Position auf dem größten Musikmarkt der Welt, den USA, auszubauen.

Auch für das dritte Quartal 2001/02 erwartet Emi schlechtere Zahlen. Der neue Chef von Emi Recorded Music, Alain Levy, werde die Verluste durch den Carey-Deal noch in diesem Geschäftsjahr ausweisen, heißt es. Mittlerweile gilt Emi als klarer Übernahmekandidat.

Auch die Bertelsmann-Tochter BMG Music hat derzeit Ärger mit einer hoch bezahlten Sängerin: Whitney Houston machte Schlagzeilen wegen Drogenproblemen. Intern heißt es, sie drohe zum Totalausfall zu werden. Bei Sony Music läuft das Geschäft mit Pop-Legende Michael Jackson schwach. Sein neues Album hat zwar nach Firmenangaben in Deutschland "deutlich Platin-Status erreicht", das bedeutet aber nicht mehr als einen Absatz über 300 000.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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