Geschäft mit Provisionen
AWD sucht noch gute Geldanlage

Für die Kunden haben die Vertreter des Allgemeinen Wirtschaftsdienstes (AWD), Hannover meist schnell einen guten Rat für die Geldanlage. Doch jetzt muss der "unabhängige Finanzoptimierer" (Werbung) aus Hannover unter Beweis stellen, wie gut er mit dem eigenen Geld umgehen kann: Rund eine Milliarde DM brachte der Börsengang im Herbst vergangenen Jahres ein - seitdem warten Aktionäre und Analysten auf Nachrichten, wo genau der AWD dieses derzeit nur mäßig verzinste Vermögen investieren will.

kun DÜSSELDORF. Am 29. August könnte der Vorstandsvorsitzende Carsten Maschmeyer die Gelegenheit nutzen, etwas darüber zu verraten: Zu diesem Termin sollen die Halbjahreszahlen vorgelegt werden. Die Pläne für die nächsten Monate werden mindestens genauso aufmerksam verfolgt werden. Denn in der zweiten Jahreshälfte, so hatte Chef Maschmeyer angekündigt, werde der AWD mit Zukäufen im großen Stil aktiv werden. Derzeit bügeln die Hannoveraner aber noch alle Anfragen dazu ab. "Wir prüfen den Markt", heißt es knapp.

Der AWD macht sein Geschäft im Wesentlichen durch Provisionen, die Versicherer oder Fondsgesellschaften für die Vertragsvermittlung zahlen. Im vergangenen Jahr brachte das Provisionseinnahmen von 670 Mill. DM, etwa zwei Drittel davon fließen an die so genannten Wirtschaftsberater weiter. Rund 2 600 hauptberufliche Vertreter sind nach AWD-Angaben für den Vertrieb derzeit unterwegs.

Ehrgeiziges Ziel

Bis 2003, so lautet das ehrgeizige Ziel, soll sich der Umsatz etwa verdoppeln. Das ist nur durch Übernahmen anderer Finanzvertriebe zu schaffen. Geld dafür ist genug in der Kasse, es müssen nun geeignete Übernahmekandidaten gefunden werden. Ein großer Wurf könnte der Aktie vielleicht helfen. Bislang hat sie kaum Freude bereitet. Nach einem Emissionspreis von 54 Euro setzte ein kurzer Höhenflug bis auf über 70 Euro ein, es folgte ein rasanter Absturz.

Es war wohl vor allem die Diskussion um die Rentenreform, im Mai nach viel politischem Gezerre verabschiedet, die der AWD-Aktie etwas Erholung verschaffte. Die künftig staatlich geförderte Privatrente in Deutschland führen viele Analysten an, wenn sie sich wohlwollend über die Perspektiven des AWD äußern. Als "großen Gewinner der Rentenreform" sieht zum Beispiel Marc Thiele von JP Morgan in London den AWD. Angesichts der komplizierten Vorschriften bei der so genannten Riester-Rente sei unabhängige Beratung bestimmt gefragt, zudem habe der AWD - anders als z.B. der große Konkurrent MLP, der sich auf Akademiker konzentriert - sozusagen eine Jedermann-Kundschaft.

Günstiges Kursniveau

Was dem JP Morgan-Analysten besonders gefällt: Im Vergleich zu MLP sei der AWD auf dem aktuellen Kursniveau günstig zu haben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt momentan bei knapp 40, nur etwa halb so hoch wie bei dem neuen Dax-Wert MLP.

Verhalten bleibt indes Volker Kudszus von der WestLB (Einstufung "neutral"): "Der AWD wird von der Rentenreform kaum überproportional profitieren. Denn vieles wird sich bei der betrieblichen Altersvorsorge abspielen, was bislang nicht die Stärke des AWD gewesen ist." Außerdem wartet der Analyst auf Finanzoptimierung: "Die flüssigen Mittel müssen ertragreicher investiert werden."

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