Geschäft ohne Subvention bislang nicht lukrativ
Bundesamt prüft Zulassung für Windparks auf hoher See

Auf Nord- und Ostsee bläst der Wind stärker und gleichmäßiger als an Land: Ein ideales Umfeld für Windparks zur Stromerzeugung. Allerdings liegen die Erzeugungskosten 70 % höher als an der Küste. Erste Anlagenbauer haben ihre Erfahrungen gesammelt, alle anderen wollen es noch tun.

HAMBURG. Die Enron Wind GmbH, Salzbergen, einer der fünf größten deutschen Hersteller von Windkraftanlangen, atmet auf. Nach dem Zusammenbruch der früheren Mutter, des US-Energiekonzerns Enron, ist Enron Wind unter die Fittiche des Elektrizitäts- und Kraftwerksspezialisten General Electric geschlüpft. Damit wird Enron Wind bereits auf der Fachmesse Windenergy im Juni in Hamburg unter dem neuen Namen GE Wind Energy antreten.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat sich das Unternehmen mit seinen 530 Mitarbeitern in Deutschland nach den Worten von Marketingleiterin Andrea Hein mit einem Marktanteil von 15 % wieder auf den zweiten Rang vorgearbeitet. Nur noch die Konkurrenz von Enercon steht besser da. Im vergangenen Jahr war Enron wind wegen der Unsicherheit über die Zukunft des Mutterkonzerns beim Boom der Windenergie mit nur 360 Mill. DM Umsatz in der Rangfolge der deutschen Windkraftbauer zurückgefallen. Die Rückendeckung durch den Großkonzern GE werde nun zu einem Auftragsschub führen, sagt Frau Hein.

Dabei hat Enron Wind ein As im Ärmel: Die Salzbergener haben mit dem Offshore-Windpark Utgrunden im schwedischen Kalmar-Sund den bislang einzigen Windpark außerhalb des unmittelbaren Küstenbereichs errichtet. Die sieben 1,5 Megawatt-Turbinen arbeiten seit Ende 2000 mit einer technischen Verfügbarkeit von rund 97 %. Offshore-Erfahrungen hat sonst nur noch die dänische Bonus-Gruppe.

Doch auch alle anderen Windenergieanlagen-Hersteller blicken auf dieses Segment. "Der Prototyp unserer fünf 5 Megawatt-Anlage für den Einsatz auf See soll 1993 in Betrieb gehen, die Serienreife 2005 erreicht sein," kündigt Dietmar Kestner, Vorstandsvorsitzender der Nordex AG, Norderstedt, an.

Ähnlich äußert sich Fritz Vahrenholt vom Konkurrenten Repower Systems AG, Hamburg. Ihm kann die Entwicklung gar nicht schnell genug gehen kann. Der deutsche Marktführer Enercon wiederum testet eine 2,5 MW-Windkraftanlage bei Magdeburg - alles mit Blick für den Einsatz auf See.

Die geplante Windstromproduktion Offshore, in Windparks auf dem Meer, in Nord- und Ostsee, beflügelt die Phantasie in der Branche.

Nach dem Strategiepapier der Bundesregierung zur Windenergienutzung auf See vom Januar 2002 sind langfristig, das heißt also bis zum Jahr 2025 oder 2030 im deutschen Teil der Nord- und Ostsee 20 000 bis 25 000 Megawatt (MW) installierter Leistung möglich. Bei einer durchschnittlichen Ausnutzungsdauer von 3500 Stunden könnten damit jährlich 70 bis 80 Mrd. kWh oder 12,5 bis 15,5 % des bisherigen Bruttostromverbrauchs in Deutschland erzeugt werden, errechnet Jochen Diekmann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Allerdings liegen die Gesamtkosten bei Offshore-Windparks durch Modifikation der Anlagen, Wartungsaufwand, Verkabelung und Fundamenten um 70 % über denen an Land, betont Steffen Wollnik von der Hamburgischen Landesbank. Werde dies berücksichtigt, erschienen die zusätzlichen Kosten erst bei Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 3 bis 5 MW als gerechtfertigt, assistieren die Analysten Stephan Wulf, Marcus Rehm und Hartmut Moers von Oppenheim Research.

Dies zeigt sich beim Windpark Utgrunden. Zur Kostendeckung kassiert Enron 3 Cent pro kWh Subvention für die nächsten 20 Jahre. Dabei sind Investitions- und Forschungszuschüsse nicht eingerechnet.

Die Offshore-Anlagen haben jedenfalls Konjunktur. Dem für die Genehmigung außerhalb der deutschen 12- Seemeilen-Zone zuständigen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind bisher 40 Anträge auf Windparks eingereicht worden. Als erstes Unternehmen darf Prokon Nord in einer Pilotphase nordwestlich von Borkum 12 der für dort beantragten 208 Strommühlen bauen. Vier bis fünf weitere Windpark-Felder in der Nordsee könnten noch in diesen Jahr genehmigt werden, schätzt BSH-Justitiar Christian Dahlke. Ungeklärt ist bislang jedoch die Anbindung der Offshore-Parks an Land.

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