„Geschäft unter Freunden“: Verlegerkonsortium an DeTeMedien interessiert

„Geschäft unter Freunden“
Verlegerkonsortium an DeTeMedien interessiert

Eine Gruppe von deutschen Telefonbuch-Verlagen ist nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Telefonverzeichnis-Tochter der Deutschen Telekom, DeTeMedien, interessiert.

Reuters LONDON/FRANKFURT. Aus den Kreisen verlautete am Montag in London, die Verlage strebten die Bildung eines Konsortiums an, um DeTeMedien zu übernehmen. Es werde auch die Möglichkeit geprüft, das Unternehmen gemeinsam mit einer Kapitalanlagegesellschaft zu kaufen. Mit der Telekom seien bereits Gespräche geführt worden. Die seit Jahren mit der Telekom bei der Herstellung und der Veröffentlichung von Telefon-Büchern und Branchenverzeichnissen wie den so genannten Gelben Seiten kooperierenden Verlage könnten ein "Geschäft unter Freunden" abschließen. Die Telekom könne dann auf eine Verkaufsauktion verzichten. In Bankkreisen hieß es, ein Abschluss des Geschäfts sei noch einige Wochen entfernt.

Bei der Telekom und bei den branchenführenden Telefonbuch-Verlagen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. An der Börse verloren die Telekom-Aktien in einem leicht positiven Gesamtmarkt 0,6 Prozent auf 11,67 Euro. In Branchenkreisen wird die Deutschen Bank als Berater der Telekom bei der Sondierung der Verkaufsoptionen für DeTeMedien genannt.

Die Telefonbücher werden in Deutschland gemeinsam von der Telekom und rund 130 regionalen Verlagen unterschiedlicher Größe hergestellt und vermarktet. DeTeMedien setzte im Jahr 2001 rund 350 Millionen Euro um und verzeichnete den verhandlungsnahen Kreisen zuletzt ein operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 100 Millionen Euro. In der Branche werde das acht- bis zehnfache dieses Ergebnisses als Kaufpreis bezahlt, hieß es.

Die "Financial Times" berichtete in ihrer Montagausgabe ebenfalls, dass eine Gruppe von Telefonbuch-Verlegern die Telekom über ihre Kaufabsicht informiert habe. Ein Konsortium aus rund 100 Verlagen habe die Telekom kontaktiert und werde dabei von Sal. Oppenheim beraten. Das Volumen der Transaktion könne bis zu einer Milliarde Euro betragen, berichtete das Blatt weiter.

Aus den verhandlungsnahen Kreisen verlautete weiter, zwar besitze die Telekom die Markenrechte für die Verzeichnisse. Jedoch kontrollierten die Verlage den wahren Wert der Verzeichnisse, da sie beispielsweise Preise für Einträge und Anzeigen festlegten. Für die Verlage sei daher DeTeMedien von einem vergleichsweise höheren Wert als für ein branchenfremdes Unternehmen.

Die Telekom hatte in der vergangenen Woche erstmals die bereits seit längerem kursierenden Gerüchte über einen möglichen Verkauf von DeTeMedien bestätigt. Die Telekom könne sich von der Verzeichnis-Tochter trennen, müsse DeTeMedien jedoch nicht notwendigerweise verkaufen, hatte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke gesagt.

Die Telekom will bis Jahresende ihre Schulden auf knapp 50 bis rund 53 Milliarden Euro von zuletzt 64 Milliarden Euro abbauen. Dazu sollen Kosten gespart und Vermögenswerte veräußert werden. Geplant ist der Verkauf von Beteiligungsbesitz mit einem Volumen von 6,2 bis 8,5 Milliarden Euro. Bislang wurden unter anderem durch die Abgabe nicht genutzter Immobilien und durch die Trennung von einem Zehn-Prozent-Paket an der Internet-Tochter T-Online knapp vier Milliarden Euro erlöst.

Mitte Dezember hatte bereits der britische Telefonverzeichnis-Anbieter Yell sein Interesse an der Telefonbuch-Sparte der Telekom signalisiert. Ein Sprecher der ehemaligen Tochter der BT Group (ehemals British Telecom) hatte gesagt: "Wir sind in dieser Sache derzeit zwar nicht aktiv, da wir nicht wissen, ob die Sparte zum Verkauf steht. Aber sollte das Unternehmen zum Verkauf angeboten werden, dann würden wir uns das im Rahmen unserer internationalen Strategie überlegen." Einem Medienbericht zufolge hatte Yell bereits zum damaligen Zeitpunkt eine Offerte für DeTeMedien in Höhe von einer Milliarde Dollar vorbereitet, was der Sprecher nicht bestätigte.

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