Geschäft wird globaler und schwieriger
Der Handymarkt nähert sich in vielen Ländern der Sättigung

Das Jahr 2000 war sicherlich das Jahr mit dem bisher höchsten Absatz an Mobiltelefonen. Die Schätzungen schwanken zwischen 400 und 420 Millionen weltweit, ein Wachstum von rund 50 %. Kaum eine andere Branche kann derartige Zuwächse vorweisen. Doch Handyaktien sind nicht mehr die Lieblinge der Börsen.

DÜSSELDORF In jüngster Zeit glauben viele Analysten, dass sich die Märkte allmählich einer Sättigung nähern und die Hersteller sich auf langsameres Wachstum einstellen müssen. Der Weltmarktführer Nokia hat hier in dieser Woche die Spekulationen neu angeheizt, als die Finnen den Handy-Weltmarkt für das vergangene Jahr lediglich mit 405 Millionen verkaufter Geräte angaben. Analysten hatten mit einem Weltmarkt von bis zu 440 Millionen gerechnet. Dies führte am Dienstag zu einem Kurseinbruch bei Nokia. Die Aktie gab zeitweise um 17 % nach, erholte sich gegen Abend nur mühsam und ist seitdem weiter leicht gefallen. Auch die Notierungen der anderen Hersteller von Handys wurden mit in die Tiefe gerissen.

Nun rätseln Analysten, ob die vorsichtige Einschätzung des Weltmarktes durch Nokia lediglich eine Tiefstapelei des Weltmarktführers war, um die hohen Erwartungen in das finnische Vorzeigeunternehmen zu bremsen, oder ob der Boom im Mobilfunk wirklich zu Ende geht. Dafür spricht, dass in vielen Ländern Europas bereits die Mehrheit der Bevölkerung ein Mobiltelefon besitzt.

Skandinavien und Italien liegen bei der Handyausstattung mit knapp 70 % vorn. Dieser Wert wird allgemein als Sättigungslinie für einen Markt angesehen. In Deutschland wurden zu Weihnachten fünf Millionen Handys verkauft. Dieser Erfolg wird sich kaum wiederholen lassen. Je mehr Haushalte ein Handy haben, desto schwieriger und damit teurer wird es für die Mobilfunkgesellschaften, weitere Kunden zu gewinnen. Damit sinken auch die Margen für die Produzenten der Mobiltelefone.

Weltweit sind allerdings erst rund 12 % der Bevölkerung mit einem Handy versorgt, da winken noch hohe Absatzzahlen. Vor allem China und Brasilien gelten als attraktive Zukunftsmärkte. Damit wird das Geschäft für die großen Hersteller aber auf jeden Fall globaler und damit schwieriger. Profitieren dürfte davon vor allem Nokia. Denn, so Analyst Stephan Otto von der Hamburgischen Landesbank, "Nokia ist der einzige wirklich globale Anbieter." Die beiden anderen großen Hersteller Motorola und Ericsson hätten zwar ebenfalls diesen Anspruch, die Umsetzung klappe aber nicht so richtig. Siemens habe seine Stärke vor allem in Deutschland und sei nur in dem GSM-Standard vertreten.

Vom großen Run auf die im voraus bezahlen Prepaid-Handys haben viele kleinere Anbieter profitiert, die sich mit Billigangeboten profilieren konnten. Doch längerfristig sieht Analyst Otto für sie wenig Chancen. "Es steht eine Konsolidierung des Marktes an", prognostiziert er. Von Ericsson wird schon seit längerem gemunkelt, dass die Schweden einen Partner für ihre verlustreiche Handysparte suchen. Auch Alcatel und Philips dürften zu klein sein, um auf Dauer eine eigene rentable Handyfertigung zu betreiben.

Zudem drängen die Japaner nach Europa. Da in Japan ein eigener Standard verwendet wird, konnten sie auf dem europäischen Markt bisher kaum Fuß fassen. Sie wittern ihre Chance, wenn weltweite Mobilfunkstandards wie UMTS eingeführt werden. Dann könnten weniger erfolgreiche Anbieter wie Panasonic, NEC oder Sony in Europa besser ins Geschäft kommen oder sich mit einem Europäer verbünden.

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