Geschäfte bleiben geschlossen
Indien hält Antwort auf Anschlag in Kaschmir offen

Das indische Parlament hat sich am Montag vertagt, ohne eine Regierungserklärung zu dem Anschlag in Jammu entgegenzunehmen, bei dem am Samstag 27 Menschen getötet worden waren.

Reuters NEU-DELHI. Ursprünglich hatte der stellvertretende Ministerpräsident Lal Krishna Advani, der sich vor Ort ein Bild des Geschehens gemacht hatte, am Montag vor dem Parlament die nächsten Schritte der Regierung erläutern sollen. In Jammu, der Winterhauptstadt des indischen Bundesstaaten Jammu und Kaschmir, folgten am Montag viele Geschäftleute einem Aufruf der in Indien regierenden Bharatiya Janata Partei (BJP), aus Protest gegen den Anschlag in einem Elendsviertel der Stadt die Geschäfte geschlossen zu halten.

Advani hatte am Vortag den Anschlag als "blanken Terrorismus" verurteilt. In Jammu sagte Advani, es sei noch zu früh zu sagen, ob Pakistan hinter dem Anschlag stehe, bei dem die Angreifer 24 Menschen auf der Stelle getötet hatten. Drei weitere starben später im Krankenhaus. Unter den Opfern befanden sich 13 Frauen und ein Kind. Alle gehörten als Hindu- Wanderarbeiter zur Gruppe der Ärmsten der Armen. Zu dem Anschlag hat sich bislang keine Gruppierung bekannt.

Die beiden Kammern des Parlaments bedauerten zur Eröffnung der Sitzungsperiode während der Monsunzeit am Montag den Gewaltakt. Beide Häuser vertagten sich aber dann nach einem Gedenken an die zwischenzeitlich verstorbenen Parlamentarier.

Wahlen im Oktober

Politische Beobachter haben gewarnt, ein weiterer Anschlag wie der vor zwei Monaten auf ein indisches Militärcamp mit 30 Toten könne zu einer militärischen Reaktion Indiens gegen Pakistan führen. Ein indischer Militärexperte sagte jedoch, mit Blick auf die im Oktober anstehenden Wahlen in Jammu und Kaschmir werde Indien vermutlich zurückhaltend reagieren.

Beide Länder verfügen über Atomwaffen und haben an der gemeinsamen Grenze über eine Million Soldaten konzentriert. Wiederholt hat Indien das Nachbarland Pakistan für Anschläge militanter Kaschmir-Separatisten verantwortlich gemacht. Pakistan hat eine direkte Involvierung immer bestritten. Der Anschlag auf das Bundesparlament in Neu-Delhi und der Anschlag auf die Militäreinrichtung in Jammu und Kaschmir im Mai hatten zu einer politischen Eskalation geführt, die die beiden Länder bereits an den Rand eines neuen Krieges brachte.

US-Außenminister Colin Powell, der sich seit langem um Vermittlung zwischen Indien und Pakistan im Jahrzehnte alten Streit um die geteilte Himalaya-Region Kaschmir bemüht, hat einen Besuch in der Region für Ende Juli geplant.

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