Geschäftiges Treiben in den internationalen Hallen
Erster Buchmessetag zufriedenstellend

Die Stimmung auf dem ersten Tag der Buchmesse in Frankfurt schwankte zwischen geschäftigem Verhandeln und geruhsamem Warten. Die Branche gibt sich nicht depressiv, aber Euphorie herrscht auch nicht vor.

HB/dpa FRANKFURT. Das Bild in den Hallen der Frankfurter Buchmesse war am ersten Tag so unterschiedlich wie die Lage in der Branche: Während an manchen Ständen schon am Vormittag emsig über Bestellungen und Lizenzen verhandelt wurde, warteten andere Aussteller noch allein mit ihrem Buchprogramm bei einer Tasse Kaffee. Das Fachpublikum drängte vor allem zu den Großverlagen, deren Stände trotz mancher Verkleinerung noch immer die Ausmaße mittlerer Buchhandlungen erreichen. Wie üblich, blieben die Fachbesucher keineswegs unter sich. "Hier sind ja ganze Schulklassen unterwegs", entfuhr es einem Gast, der die eigene Karte allerdings auch nur dem Schwiegersohn verdankte.

Eher ruhig begann die Buchmesse diesmal etwa für Georg Stein, dessen Heidelberger Palmyra Verlag vor einem Jahr das Medieninteresse auf sich gelenkt hatte. Als nach dem 11. September der Islam zum inoffiziellen Messethema avancierte, konnte Stein ein brandneues Nahost-Lexikon vorlegen. Nun sind die Kameras und Mikrofone wieder zu den großen Nachbarn zurückgekehrt. Dass die globale Wirtschaftskrise den weltgrößten Branchentreff überschatte, sehe er nicht, meint der Verleger, 2002 sei "eher eine normale Buchmesse".

Auch der dtv-Lektor Lutz Wolff kann nicht über weiße Flecken im Terminkalender klagen. Suhrkamp-Verkaufschef Ulrich Sonnenberg hat sogar den Eindruck, dass das Messegeschäft eher anziehe: "Ich habe noch mehr Termine als im Vorjahr".

"Ich sehe nicht, dass jemand hier depressiv aussähe", sagt Margit Knauer vom Frankfurter Campus Verlag. Der Terminkalender sei so voll wie immer und die Nachfrage aus dem Ausland ungebrochen. Als "Gut, aber nicht euphorisch" charakterisiert Ulrike Wegner von C.H. Beck (München) die Stimmungslage. Rowohlt-Geschäftsführer Helmut Dähne dagegen findet sie "gedrückt". In Zeiten massiver Umsatzrückgänge vor allem in der Belletristik mache die Messe "nicht so richtig Spaß". Unter Kollegen herrsche Unsicherheit, man spreche über Rezepte, der Krise zu begegnen.

Eher Selters als Sekt bestimmt die Verköstigung an den Ständen. Chips, Nüsse, Kekse, manchmal Obst stehen auf den Tischen. Nach Ansicht von Langenscheidt-Marketingdirektor Matti Schüsseler tut es der Buchmesse gut, dass sie ein wenig bescheidener daherkommt. "Die Branche rückt wieder enger zusammen", meint er. Die Messe ist seinem Eindruck nach bisher gut besucht - eine Einschätzung, die auch Kirsten Vogelsang von Hanser (München) und andere Aussteller teilen.

Geschäftigkeit herrscht in den internationalen Hallen. Die Tischchen und Stühle, die etwa der Londoner Penguin Verlag für Verkaufsgespräche aufgebaut hat, würden für ein ganzes Café ausreichen, alle sind belegt. "Wir waren von Anfang an mit Terminen überschwemmt", freut sich Marketing-Chef Mike Bryan. Gerade auf dem deutschen Markt verzeichne man in diesem Jahr einen Zuwachs um 25 % für englischsprachige Titel.

Weniger enthusiastisch, aber durchaus zufrieden äußert Stuart Applebaum vom New Yorker Random House, der mit 100 Mitarbeitern angereist ist. Das Messegeschäft laufe "wie immer". Ohnehin stünden dabei nicht mehr so sehr die direkten Abschlüsse im Vordergrund. Inzwischen gehe es mehr um die Pflege und das Knüpfen von Kontakten mit Autoren, Großhändlern und anderen Verlagen. "Manches, was wir hier säen, ernten wir erst viel später", sagt Applebaum.

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