Geschäftsbeziehungen sollen geschützt werden
Manager-Umfrage: Viele schweigen, wenige reden

Viele Vorstandschefs wollen sich nicht zum Irak-Krieg äußern. Sie fürchten um ihre Geschäftsbeziehungen mit den USA.Nur in Italien scheren sich die Unternehmer offenbar wenig um die transatlantischen Beziehungen.

Die Stimmung in den USA ist seit den Terroranschlägen des 11. Septembers emotional aufgeladen. Als Pop-Ikone Madonna der Presse ihr neuestes Video präsentiert, in dem sie selbst in Militäruniform auftritt und verletzte Babys und Menschen mit fehlenden Gliedmaßen zeigt, will sie damit vor allem eines: Zum Nachdenken über den Irak-Krieg anregen, wie sie sagt. Ihr Video zum neuen Song "American Life" wird zwar erst Mitte April herauskommen. Aber in den US-Medien wird sie dafür schon jetzt angegriffen. "Unamerikanisch" verhalte sie sich, lautet der Vorwurf.

Vor diesem Vorwurf fürchten sich auch deutsche Unternehmer. "Die Amerikaner verübeln es jedem, der sich gegen den Krieg äußert", sagt der Chef eines deutschen Konzerns, der nicht genannt werden will. Die Haltung der Amerikaner sei klar: "Wer nicht für sie ist, ist gegen sie."

Aus Angst um ihre Geschäftsbeziehungen zu den USA verschweigen weltweit viele Unternehmer, dass sie mit einem Irak-Krieg keinesfalls einverstanden sind. Nur in Italien melden sich Vorstandschefs namhafter Konzerne deutlich zu Wort. Zum Beispiel Telecom-Italia- und Pirelli-Präsident Marco Tronchetti Provera. Auch Vittorio Merloni, Präsident des gleichnamigen Hausgerätekonzerns, hält den Krieg für "verabscheuungswürdig".

Vergleichbar klare Meinungen aus deutschen Vorstandsetagen sind dagegen die Ausnahme. Das musste auch der Hamburger Reeder Peter Krämer erfahren. Gemeinsam mit 26 prominenten Persönlichkeiten - darunter viele Schauspieler, Regisseure, Autoren - hatte er im Februar in ganzseitigen Zeitungsanzeigen zur Teilnahme an der Berliner Friedensdemonstration aufgerufen. Hunderte von E-Mails und Briefen gingen daraufhin bei ihm ein - keine kam von einem deutschen Unternehmer.

"Die sehen sich einer furchtbaren Tradition von Parteipolitik verpflichtet", deutet Torsten Teichert, Vorstandschef des Lloyd Fonds in Hamburg, das allgemeine Schweigen. Doch auch die vorherrschende Stille sei aussagekräftig. Würde der Krieg auf breite Zustimmung stoßen, hätten seiner Ansicht nach wesentlich mehr Manager Stellung bezogen gegen die Außenpolitik der bei den Unternehmern wenig beliebten Bundesregierung.

Klartext wird weiterhin nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen: Nur dann gestehen viele Manager ein, dass sie eine Destabilisierung und Radikalisierung der arabischen Welt befürchten. Kritik offen auszusprechen bleibt oft Vorstandschefs vorbehalten, die nicht mehr in Diensten sind, wie Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter. "Gespenstisch" nennt er den "Kreuzzug" von George W. Bush, verriet er der "Stuttgarter Zeitung". "Größenwahnsinnig" die Idee, die Weltanschauung der US-Regierung dem Islam überzustülpen.

Schweigen dazu in den USA. In der Vergangenheit habe die Wirtschaftselite des Landes zu allen bisher geführten Kriegen klar Stellung bezogen - nur zu diesem nicht, berichtet Richard Tedlow, Autor und Wirtschaftshistoriker an der Harvard Business School. Selbst patriotische Äußerungen wie die von General-Electric-Chef Jeffrey R. Immelt ("Ich stehe hinter meinem Präsidenten") sind die Ausnahme.

Noch sind die meisten US-Manager auffällig still, doch in den Vorstandsetagen einiger mittelständischer und kleiner US-Unternehmen regt sich Unmut. In der vergangenen Woche äußerten sich erstmals mehr als 200 Unternehmer gegen den Krieg, darunter einige Ex-Chefs von Großunternehmen wie Eastman Kodak. Sie schalteten ganzseitige Anzeigen in der "New York Times" und im "Wall Street Journal".

"Sie verkaufen den Krieg - wir kaufen nicht", stand in der Anzeige über den Fotos von Präsident George W. Bush, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney.

Im Text stehen Warnhinweise wie "Krieg ruiniert die Wirtschaft". Hinter der Anzeige steht die Organisation Business Leader for sensible Priorities, deren Präsident, Ben Cohen, der Gründer der kultigen Eiscreme-Kette Ben & Jerry?s ist. Cohen ist davon überzeugt, dass der Krieg negative Auswirkungen auf US-Marken im Ausland haben wird.

"Als Geschäftsmann ist es für mich wichtig, dass die Welt Hand in Hand arbeitet", erklärt Dal Lamagna, Chef von Tweezerman im Bundesstaat New York. Seine Metallwarenfirma erzielt etwa 20 Mill. $ Umsatz jährlich.

Zu den erklärten Gegnern dieses Krieges gehört auch Marcel Arsenault, Chef und Besitzer von Colorado & Santa Fe, Corp., dessen Firma vor allem in gewerbliche Immobilien investiert. "Ich halte es für eine Verschwendung, wenn das Geld der Unternehmen für das Abenteuer ausgegeben wird, ein Imperium aufzubauen."

Solch offene Worte werden nicht überall gerne gehört. Ein Rüstungskonzern habe ihm klar gemacht, dass er Arsenaults Äußerungen nicht gutheiße. Aber der lässt sich nicht einschüchtern. Seine Antwort: "Dies ist ein freies Land."

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