Geschäftsführung trotz harscher Kritik entlastet
„Der BVB hat den Tiefpunkt ereicht"

Die Aktionärsversammlung des einzig börsennotierten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund ist wie erwartet turbulent und vor allem von Seiten der Kleinaktionäre sehr emotional verlaufen. Geschäftsführung und Aufsichtsrat wurden dennoch mit überraschender Deutlichkeit entlastet.

HB DORTMUND. Rund 90 % des vertretenen Grundkapitals hätten für die Entlastung der Gremien gestimmt, sagte Aufsichtsrat Gerd Pieper am Dienstag in Dortmund zum Abschluss des rund siebenstündigen, turbulent verlaufenen Aktionärstreffens. "Letztlich sind wir alle Borussen", rief er den Aktionären zu, die das Management wegen der sportlichen Talfahrt und der steigenden Schulden teils heftig kritisiert hatten. Der neue Großaktionär Florian Homm verteidigte die von ihm zuletzt noch kritisierten Vereinsmanager gegen Rücktrittsforderungen.

Zuvor war heftigste Kritik auf die Geschäftsführung niedergeprasselt. Vier Jahre nach dem Börsengang des BVB sei der "sportliche und wirtschaftliche Tiefpunkt erreicht", kritisierte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor der Abstimmung unter dem donnernden Applaus der rund 2000 anwesenden Aktionäre. Hinzu komme eine "desaströse Informationspolitik des Managements", das lange mit der wirklichen Lage des Vereins hinter dem Berg gehalten und dann "Schreckenszahlen" für das Geschäftsjahr 2003/04 veröffentlicht habe. Da die Aktionäre die Geschäftsführer nicht abwählen könnten, sollten diese freiwillig ihren Hut nehmen, hatte er gefordert.

Zumindest einige der Verantwortlichen beim BVB zogen aus der Misere Konsequenzen. Als Chef des Aufsichtsrats war Winfried Materna bereits vor der Hauptversammlung zurück getreten. Nachfolger soll Aufsichtsratsmitglied Gerd Pieper werden. Auch das Aufsichtsratsmitglied Henning Kreke, der auch Vorstandschef des Handelskonzerns Douglas ist, wolle sein Amt niederlegen, sagte Pieper. Neu in das Gremium, für das der neue Großaktionär Florian Homm Veränderungen angemahnt hatte, sollen der Schweizer Unternehmer Ruedi Baer und der Ex-Schmalbach-Lubeca-Manager Othmar von Diemer aufrücken. Baer, der sich als "kostenbewußter Krämer" vorstellte, äußerte indirekt Kritik am Kurs des Vereins: "Ich habe viele erlebt, die im Erfolg die Vernunft verloren haben." Und von Diemer meinte an die Anleger gewandt: "Sie haben ein hervorragendes Produkt, das sehr viel Geld bringen kann."

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