Geschäftsideen im E-Business werden nur noch selten finanziert
Großes Dotcom-Sterben bleibt aus

Eine Studie belegt: In Deutschland gibt es weniger Internet-Pleiten als erwartet.

DÜSSELDORF. Da wunderten sich einige E-Mail-Empfänger: "Subject: SOS - K1010 ist todkrank". Der Hilferuf überraschte die registrierten Nutzer des Internet-Unterhaltungssenders K1010 vor einigen Wochen. Mehr als 4 000 Fans wollten dem Unternehmen, dem das Geld ausgegangen war, unter die Arme greifen.

Geholfen hat es nicht: K1010 musste Insolvenz anmelden und sucht noch immer einen Investor. "Der Markt ist trocken", sagt Chef Thorsten Rauser und klagt, dass Firmenideen im Internet zurzeit einfach keinen Investor fänden. Junge Biotech-Firmen, glaubt Rauser, bekämen im Moment viel eher Geld.

Eine aktuelle Studie der European Business School in Oestrich-Winkel belegt, was Rauser vermutet: Geschäftsideen im E-Business werden heute nur noch selten finanziert. Gleichzeitig verkünden die Autoren aber: "Das große Sterben bei den Dotcoms bleibt aus."

676 deutsche E-Business-Firmen unter der Lupe

Die Autoren des Projekts E-Startup verfolgten zehn Monate lang das Schicksal von 676 jungen deutschen E-Business-Firmen, die durch Risikokapital finanziert wurden, darunter Internet-Infrastruktur-Anbieter und Einzelhändler im Internet (Business-to-Consumer, B2C), Software-Firmen und Multimediaagenturen.

Insgesamt scheiterten 52 der untersuchten Unternehmen. Davon kamen elf nicht über die Startup-Phase hinaus, 41 scheiterten erst nach Markteintritt. Hochgerechnet auf die 900 Venture-Capital-finanzierten Internet- Firmen in Deutschland machten im vergangenen Jahr pro Monat rund sieben dicht. Dabei stieg die Zahl der Pleiten im Jahresverlauf leicht an, stellt der Leiter des Projekts, Lutz Krafft, fest. Eine vergleichbare Dynamik sei in den USA zu beobachten, wo im deutlich größeren Markt pro Monat rund 100 Unternehmen ausschieden, schätzt Krafft.

Doch die Autoren der Studie zeichnen die Zukunft der Branche in weniger düsteren Farben als gedacht: "Trotz spektakulärer Pleiten ist die junge Industrie auf Wachstumskurs." Denn: In Deutschland sind rund 15 000 E-Business-Firmen aktiv, jährlich verschwinden etwa 750 wieder vom Markt. Doch gleichzeitig kommen rund 2 500 Neugründungen pro Jahr hinzu, rechnet Krafft vor.

Im Bereich B2C ist der Zug abgefahren

Besonders betroffen von Geschäftsaufgaben sind Internet-Zugangsanbieter und Netz-Einzelhändler (B2C) sowie Software-Firmen. "In diesen Bereichen ist der Zug einfach schon abgefahren", urteilt Krafft. Zahlreiche Firmen tummelten sich hier bereits, eine neue Firma zu etablieren sei schwierig, der Wettbewerb groß - besonders bei den B2C-Anbietern. In den zehn Monaten gaben allein zwölf davon auf, vier von ihnen kamen nicht über die Startup- Phase hinaus.

Krafft kann aber noch mit einer weiteren Überraschung aufwarten: die geringe Zahl der Akquisitionen. Im beobachteten Zeitraum von Juli 2000 bis Mai 2001 sind von den 676 Firmen nur 25 übernommen worden, fünf fusionierten.

Auffällig sei darüber hinaus, dass insgesamt in Deutschland im ersten Halbjahr 2000 mehr Firmen übernommen wurden als im zweiten Halbjahr. Das habe an den "Einkaufstouren" ausländischer Anbieter gelegen. Das bestätigt auch Tanja Wallrabenstein, Vorstandsmitglied der Tanto AG . "Die Akquisitionsfreude hat in den letzten Monaten nachgelassen." Ihre Firma, ein Makler für Internet-Inhalte, musste Insolvenz beantragen und steckt nun in Verhandlungen mit der Tochter eines Konzerns, die Tanto übernehmen will. Das Verhandeln war für Wallrabenstein natürlich nicht erste Wahl. "Als wir vor einigen Monaten einen Investor suchten, konnten wir noch Übernahme-Angebote ablehnen und auf unsere Unabhängigkeit pochen." Das sei nun vorbei, "der Markt für Internet-Inhalte ist dicht".

Die New Economy bleibt unter sich

Insgesamt ist die Zahl der Übernahmen durch etablierte Konzerne aber nicht die Regel: Mehr als zwei Drittel aller Übernahmen und Fusionen spielten sich zwischen jungen Unternehmen ab, die New Economy bleibt unter sich. Krafft vermutet, dass hinter der Zurückhaltung der Konzerne die "Aktienkosmetik" eine große Rolle spielt. "Aktionäre wollen zwar Wachstum sehen", sagt Krafft. Aber Zukaufen sei eben auch nicht immer sinnvoll, obwohl zahlreiche Übernahmen auch zur Ergänzung des eigenen Geschäftsfeldes getätigt worden seien.

Krafft hat aber noch einen weiteren Grund dafür ausgemacht, dass die New Economy unter sich bleibt: Große Unternehmen könnten aufgekaufte Firmen mit völlig anderen Unternehmensstrukturen nicht so leicht integrieren. Für die E-Business-Firmen bedeutet das: Es wird noch schwerer, unter das Dach eines Konzerns zu schlüpfen. Die Autoren der Studie prophezeien daher, dass in den kommenden Monaten die Zahl der Pleiten noch einmal ansteigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%