Geschäftsklima in der Industrie der neuen Länder hellt sich weiter auf
Ifo-Geschäftsklima: Kapazitätsauslastung im Osten mit neuem Rekord

Das Wachstumstempo in Deutschland hat sich nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums im Sommer nicht weiter beschleunigt. Probleme bereiten die Bauwirtschaft, aber auch der Groß- und Einzelhandel, die stark von der Inlandsnachfrage abhängen. Belege dafür liefert der Ifo-Konjunkturtest für September.

ari DÜSSELDORF. In der deutschen Industrie driftet die Stimmung in West und Ost immer stärker auseinander. Während sich das Ifo-Geschäftsklima (">>>Tabellen und Grafik) in den alten Ländern im September zum vierten Mal in Folge eintrübte, hellte es sich im Osten zum dritten Mal hintereinander auf. Die Ost-Industrie ist damit auch erneut optimistischer als ihre Konkurrenz im Westen. Der Saldo der Anteile der positiven und negativen Firmenmeldungen nahm im Westen im September saisonbereinigt von +11,4 auf +10,3 Prozentpunkte ab, in den neuen Ländern erhöhte er sich von +13,8 auf +14,6 Punkte.

Zu dieser Entwicklung im Industrieklima in den vergangenen drei Monaten passt der neue Stand der Kapazitätsauslastung. Während sie im Osten erneut relativ stark von 83,3 auf 84,8 % stieg und damit einen neuen Rekordwert erreichte, verharrte der Grad der Anlagennutzung im Westen im September mit 87,7 % auf dem im Juni erreichten Niveau, das über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Die Auslastungsentwicklung im Westen belegt gleichzeitig, dass in der Tat in den vergangenen vier Monaten der Gegenwart und Zukunft zusammenfassende Klimaindikator des Münchener Ifo-Instituts mehr von skeptischeren Einschätzungen der Aussichten herunter gezogen wurde als von der weniger stark beeinträchtigten Beurteilung der aktuellen Lage.

Dass die Lage derzeit besser ist als die Stimmung, zeigt sich auch an der Entwicklung von Nachfrage und Produktion im verarbeitenden Gewerbe, das nach dem Oktober- Monatsbericht der Deutschen Bundesbank in den Sommermonaten "Hauptantriebskraft der Konjunktur blieb". Die Auftragseingänge stiegen nach inzwischen revidierten Daten von Juli auf August um 2 %, die Produktion wurde um 1,2 % ausgeweitet. Die Nachfrage zog im Juli und August zusammen allerdings verhaltener an als im zweiten Quartal. Die Bundesbank wertet die Ausweitung gleichwohl als nach wie vor "beachtlich".

Die Teilnehmer am Ifo-Konjunkturtest meldeten im September allerdings eine stagnierende Nachfrage im Westen. Gleichzeitig wurde die Produktion etwas gedrosselt. Die aktuelle Lage erhielt deshalb weniger günstige Noten als im August. Demgegenüber stabilisierte sich die Einschätzung der nächsten sechs Monaten auch wegen guter Exportaussichten. In der Ost-Industrie war es umgekehrt: Die Lage wurde besser, die künftige Entwicklung trotz Exportboom weniger zuversichtlich beurteilt.

Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums deuten die bisher vorliegenden Indikatoren darauf hin, dass sich das Wachstumstempo der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal nicht weiter beschleunigt hat. Wichtige von der Inlandsnachfrage abhängige Sektoren, lägen noch zurück. Das betrifft vor allem die Bauwirtschaft, die im August ihre Leistung zwar um 3,5 % steigern konnte, im Juli und August das bereits abgeschwächte Durchschnittsniveau des zweiten Quartals aber nicht erreichen konnte.

Auch im Ifo-Konjunkturtest bleibt der Bau das Sorgenkind Nummer eins. Der Pessimismus überwiegt, vor allem in der ostdeutschen Bauwirtschaft. Der Klimasaldo sank hier im September nochmals von-39,9 auf-41,1 Prozentpunkte. Im Westen verharrte er bei-29,5 Punkten. Die Bautätigkeit ging saison- und witterungsbereinigt zurück.

Geradezu dramatisch ist der Stimmungseinbruch im ostdeutschen Handel. Er konnte durch die Klimaaufhellung in der Industrie nicht aufgefangen werden und ist damit die Hauptursache für den Rückgang des Klimaindex der gesamten gewerblichen Wirtschaft im Osten.

Im ostdeutschen Einzelhandel stürzte der Saldowert des Geschäftsklimas im September von-28 auf-39,3 Prozentpunkte ab. Die Verschlechterung war damit etwas stärker als im Westen (-14,1 nach-5,5 Punkten). Die Vorjahresumsätze wurden im Osten deutlich unterschritten, im Westen lagen sie dagegen über dem allerdings niedrigen Ergebnis von September 1999. Der Pessimismus hinsichtlich der Aussichten hat sich im Osten verstärkt, im Westen wich die im August gezeigte Zuversicht wieder Skepsis.

Auch im Großhandel, wo die Stimmungslage in Ost und West zuletzt ähnlich war, macht sich Pessimismus breit: Im Osten rutschte der Klimasaldo von-6,5 auf-20,5 Punkte ab. Weniger dramatisch war der Rückgang im westdeutschen Großhandel von-8,8 auf-10,7 Punkte.

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